
Dvořák zu Café Engländer: „Die Belegschaft steht zusammen, die AK ihnen zur Seite“
Einschüchterungsversuche mit dem Ziel, Niedriglöhne durchzusetzen?
DER AK BEREICHSLEITER FÜR ARBEITSRECHTLICHE BERATUNG, LUDWIG DVOŘÁK, SAGT ZU DEN BERICHTEN ÜBER DIE JÜNGSTEN AUSFÄLLE DES WIENER GASTRONOMEN MARIO PLACHUTTA IM CAFÉ ENGLÄNDER: „SCHADE, DASS DER NEUE BESITZER OFFENBAR DIE BELEGSCHAFT VERGRAULT, DIE IN DEN LETZTEN MONATEN DEN BETRIEB GEMEINSAM MIT DEM INSOLVENZENTGELTFONDS AUFRECHTERHALTEN HAT. IHM SEI INS STAMMBUCH GESCHRIEBEN: GÄSTE FÜHLEN SICH DORT WILLKOMMEN, WO MOTIVIERTES PERSONAL SIE GERNE UMSORGT. EINSCHÜCHTERUNGSVERSUCHE HELFEN DABEI NICHT. DIE ARBEITERKAMMER STEHT DEN BETROFFENEN KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN SELBSTVERSTÄNDLICH ZUR SEITE UND DIE BELEGSCHAFT STEHT ZUSAMMEN. DIE AK FORDERT AUSSERDEM DIE RÜCKNAHME DER BEITRAGSKÜRZUNGEN DES INSOLVENZENTGELTFONDS.“
„Eigentlich hätte das Café Engländer ein Musterbeispiel für eine gelungene Weiterführung eines zahlungsunfähigen Betriebs werden können“, so Dvořák. Der Insolvenzentgeltfonds ist im August und September für die Löhne eingesprungen. Durch die gewonnene Zeit konnte ein Bieterverfahren abgehandelt und der Betrieb unter neuem Firmenmantel weiterbetrieben werden. Durch den Kauf wurde viel Geld in die Masse gespült, was nun auch allen Gläubigern zugutekommt.
„Ich habe Geld und Kontakte“
Dvořák: „Die Belegschaft hatte zuerst hoffnungsvoll auf die bevorstehende Übernahme geblickt. Aber dann kam der neue Besitzer persönlich vorbei.“ Die Kolleginnen und Kollegen des Engländer erzählten in der Beratung, dass der Gastronom die ohnehin schon leidgeprüften Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeherrscht habe. Und Menschen, die den Betrieb trotz aller Schwierigkeiten aufrechterhalten hatten, mit den Worten: „Ich habe Geld und Kontakte“ gedroht habe, dass sie künftig nirgendwo anders in der Gastronomie Arbeit finden würden.
„Entweder dieser Herr hat sich wirklich nicht im Griff. Oder diese Drohung ist ein durchsichtiger Versuch die Belegschaft davon abzuhalten, sich woanders zu bewerben und stattdessen in seinem Betrieb zu Niedrigstlöhnen weiterzuarbeiten“, so Dvořák. „Wenn das der Fall gewesen sein sollte, ging der Schuss wohl nach hinten los: Stattdessen haben wir in der Beratung eine starke Solidarität unter den Kolleginnen und Kollegen gesehen.“
Löhne absichern, statt Körberlgeld
Angesichts der schwindenden Reserven im Insolvenzentgeltfonds (IEF) fordert die Arbeiterkammer (AK) Wien die sofortige Anhebung des Arbeitgeberbeitrags. „Wir erleben gerade die Rechnung für ein verheerendes Geschenk an die Wirtschaft: Ex-Minister Kocher hat den IEF-Beitrag der Betriebe von 0,2 auf 0,1 Prozent halbiert, nun rächt sich dieses Körberlgeld. Dem Fonds fehlen 160 Millionen, und die Arbeitnehmer:innen drohen, um ihre bereits verdienten Löhne umzufallen“, kritisiert Ludwig Dvořák, Bereichsleiter Arbeitsrechtliche Beratung und Rechtsschutz der AK Wien.
AK Wien
Katharina Nagele-Allahyari
Telefon: 01 501 65 12678
E-Mail: katharina.nagele@akwien.at
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