Goldener Herbst statt Saisonende: Warum die Nachsaison für Österreichs Tourismus an Gewicht gewinnt

Die Sommersaison 2026 liegt klar über dem Vorjahr. Für viele Betriebe entscheidet sich die Bilanz aber zunehmend in den Wochen nach dem August.

Österreichs Beherbergungsbetriebe haben von Mai bis August 63,31 Millionen Nächtigungen gezählt, um 2,3 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2025. Der August selbst blieb mit 21,33 Millionen Nächtigungen auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Seit Jahresbeginn summieren sich die Übernachtungen auf 117,9 Millionen. Das geht aus den vorläufigen Ergebnissen der amtlichen Beherbergungsstatistik hervor, die Ende September veröffentlicht wurden.

Auslandsgäste tragen das Wachstum

Rund drei Viertel aller Nächtigungen seit Jänner entfallen auf Gäste aus dem Ausland. Deutschland bleibt mit 43,89 Millionen Nächtigungen der mit Abstand wichtigste Herkunftsmarkt. Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner spricht in diesem Zusammenhang von einem „Dienstleistungsexport vor Ort“.

Auffällig war heuer der Juli. Die Nächtigungen legten um 4,8 Prozent zu, die Zahl der Gäste stieg mit 9,3 Prozent fast doppelt so stark. Es kommen also mehr Menschen, sie bleiben aber kürzer. Für Hotels und Pensionen heißt das: mehr An- und Abreisen, mehr Aufwand in der Reinigung und eine Auslastung, die sich schlechter planen lässt.

Der Oktober zählt statistisch noch zum Sommer

Die touristische Sommersaison reicht in Österreich von Mai bis Oktober. Dass die letzten beiden Monate keine Nebensache mehr sind, hat das Vorjahr gezeigt. Von den 83,39 Millionen Nächtigungen der Sommersaison 2025 entfielen 9,22 Millionen auf den Oktober, das war der höchste Oktoberwert seit Beginn der Aufzeichnungen. Ob der heurige Herbst daran anschließen kann, ist offen.

Was Gäste in der Nachsaison suchen

Nach einem Sommer mit Rekordtemperaturen und langer Trockenheit dürften die kühleren Wochen für viele Reisende attraktiver geworden sein. Wanderwege sind weniger überlaufen, Thermen und Weinregionen haben Hochbetrieb, und kurze Städtereisen lassen sich gut um ein verlängertes Wochenende legen. Wien verzeichnete schon im ersten Halbjahr mit 9,26 Millionen Nächtigungen einen neuen Höchstwert. Die Stadt arbeitet parallel am öffentlichen Raum: Anfang Oktober fiel der Startschuss für die Neugestaltung der Rad- und Fußwege am Ring, die auch jenen Gästen zugutekommt, die die Innenstadt zu Fuß oder mit dem Leihrad erkunden.

Aktivurlaub verlängert die Saison

Ein Treiber abseits der klassischen Wanderdestinationen ist der Radsport im Gelände. Viele alpine Regionen haben in den vergangenen Jahren Trails und Bikeparks ausgebaut, und solange kein Schnee liegt, lassen sich diese Strecken bis weit in den Herbst nutzen. Die Ausrüstung ist allerdings eine Investition. Einsteigermodelle beginnen bei wenigen hundert Euro, hochwertige Carbonräder kosten mehrere tausend. Wer sich ein eigenes Rad zulegen möchte, sollte daher vorab die aktuellen Preise für Mountainbikes vergleichen, weil dasselbe Modell je nach Händler und Versandkosten unterschiedlich viel kostet. Für Gelegenheitsfahrer bleibt der Verleih vor Ort meist die einfachere Lösung.

Ganzjahrestourismus als erklärtes Ziel

Politisch ist die Richtung vorgegeben. Mit der „Vision T“ liegt seit heuer ein strategischer Rahmen bis 2035 vor, an dem rund 500 Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismus, Wirtschaft, Regionen und Interessenvertretungen mitgearbeitet haben. Der Tourismus soll demnach an 365 Tagen im Jahr Wert schaffen und nicht nur in wenigen Spitzenwochen.

Gemessen wird das künftig nicht allein an Nächtigungen. Zu den Kennzahlen gehören auch der Anteil der Übernachtungen außerhalb der Hauptsaisonen, die Zahl der Betriebe mit Österreichischem Umweltzeichen und die CO₂-Emissionen der Branche. Zehetner hat mehrfach betont, dass es nicht um immer mehr Gäste gehe, sondern um mehr Wertschöpfung und wirtschaftlich gesunde Betriebe.

Kosten und Personal bleiben die Bremse

In der Praxis ist eine längere Saison kein Selbstläufer. Wer im Oktober und November offen hält, braucht Personal, das bleibt, und Gäste, die die Fixkosten decken. Hohe Energiepreise, steigende Löhne und der bürokratische Aufwand belasten vor allem kleinere Familienbetriebe, die in vielen Tälern das Rückgrat des Angebots bilden. Gleichzeitig hilft eine gleichmäßigere Auslastung gerade beim Personal: Ganzjahresstellen sind leichter zu besetzen als Saisonjobs, die nach vier Monaten enden.

Wie stark der Herbst heuer tatsächlich ausfällt, zeigt sich in den kommenden Wochen. Die Septemberzahlen sind für den 28. Oktober angekündigt, die Ergebnisse für das gesamte Sommerhalbjahr folgen am 25. November.