
Leere Regale vermeiden: Fraunhofer Austria macht Österreichs Versorgung mit Milch, Seife & Co. krisenfest
Hamsterkäufe und Engpässe zeigen, wie schnell die Versorgung wankt. Fraunhofer Austria hat im Projekt MERCURIUS ein Modell entwickelt, das Lieferkettenrisiken früh erkennt.
Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Energiekrise haben gezeigt: Die Versorgung mit Alltagsgütern ist verletzlicher, als viele annehmen. 2020 waren die Regale bei Toilettenpapier leer, 2022 wurde Speiseöl knapp – oft unvorhersehbar. Im Forschungsprojekt MERCURIUS haben Fraunhofer Austria und sieben Partner unter Leitung des Austrian Institute of Technology (AIT) untersucht, wie sich solche Engpässe früher erkennen lassen.
WIE LEERE REGALE ZUM FORSCHUNGSTHEMA WURDEN
Für Strom- oder Wassernetze gibt es längst Analysen dazu, wie sich Störungen ausbreiten. Für Lieferketten von Alltagsprodukten – sogenannten Fast Moving Consumer Goods (FMCG), also schnelldrehenden Konsumgütern wie Lebensmitteln oder Hygieneartikeln – fehlte das bisher. Das Team wählte drei Produkte stellvertretend aus: Milch, Seife und Toilettenpapier. Gefördert wurde das nun abgeschlossene MERCURIUS über das Sicherheitsforschungsprogramm KIRAS der Österreichischen Forschungsfördergesellschaft (FFG).
FRAUNHOFER AUSTRIA ZEICHNET DIE LIEFERKETTEN NACH
Fraunhofer Austria war im Konsortium für die Lieferkettenanalyse zuständig und brachte dafür seine Erfahrungen aus Vorprojekten, wie PRESIDE und dem Lebensmitteleinzelhandel ein. Das Team erhob jeden Schritt der drei Lieferketten und überprüfte die Ergebnisse gemeinsam mit Branchenexperten der Unternehmen Lely, Henkel und Essity. „Wir haben die Lieferketten von Milch, Seife und Toilettenpapier bis auf Prozessebene erhoben und mit Branchenexperten validiert“, sagt Sebastian Uhl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Fraunhofer Austria. „Daraus haben wir ein Modell entwickelt, das sich auf beliebige andere Lieferketten übertragen lässt. Es bewertet Risiken nicht nur nach Wahrscheinlichkeit und Auswirkung, sondern auch danach, wie lange ein Ausfall dauert – dazu kommt ein Katalog möglicher Bedrohungen, von Wetterereignissen bis Cyberangriffen, samt Gegenmaßnahmen.“
EIN WERKZEUG FÜR DIE PRAXIS
Aus der Arbeit von Fraunhofer Austria ist ein Vorgehensmodell entstanden, das sich auch auf andere Produktgruppen anwenden lässt. Im Konsortium fließen die Ergebnisse direkt weiter: Das AIT nutzt sie für ein Risikomodell, das Störungen simuliert und rund 50 Einzelfaktoren auf neun Kennzahlen verdichtet. Die Firma ACP CUBIDO hat daraus eine webbasierte Anwendung gebaut. Insgesamt liefert MERCURIUS 24 Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Behörden – zum Beispiel den Vorschlag, die Erdgasabhängigkeit in der Milchverarbeitung systematisch zu prüfen und zu verringern, oder die Abhängigkeit von stark konzentrierten Rohstoffregionen in der Seifenproduktion zu reduzieren. „Die Lieferkettenmodelle und der Bedrohungskatalog von Fraunhofer Austria waren die fachliche Basis für unser Risikomodell“, sagt Stefan Schauer, Projektleiter beim AIT. „So konnten wir Kennzahlen entwickeln, die wissenschaftlich fundiert und zugleich praxistauglich sind.“
Fraunhofer Austria
Elisabeth Biedermann
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E-Mail: elisabeth.biedermann@fraunhofer.at
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