WKÖ-Denk: Betriebliche Ausbildung ist der Gewerkschaft offenbar nichts wert

Sozialministerium hat Kürzung der Lehrstellenförderung zu verantworten

„Es reicht! Dass die Gewerkschaft die Lehrlingsausbildung ständig schlechtredet, hilft weder den Ausbildungsbetrieben noch den jungen Menschen. Statt aktiv daran mitzuwirken, dass die Kostenbelastung für die Unternehmen in der dualen Ausbildung sinkt, werden Anwürfe wie ‚Lohndrückerkartell‘ erfunden. Österreichs Ausbildungsbetriebe müssen sich nicht permanent vom vida-Vorsitzenden Roman Hebenstreit anpatzen und belehren lassen“, sagt Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Oftmaliges Wiederholen macht falsche Behauptungen und Unterstellungen nicht richtiger. Eine dramatische Lehrstellenlücke gibt es nur im SPÖ-regierten Wien, wie die AMS-Daten zeigen. „Vielleicht kann Hebenstreit aufklären, warum in Wien die Zahl der Lehrstellensuchenden in den vergangenen drei Jahren um mehr als die Hälfte explodiert ist – nämlich von knapp 4.000 auf mehr als 6.000? Das ist der wahre Grund für die Lehrstellenlücke. Und dafür sind wohl kaum die Betriebe verantwortlich“, so Denk.

Fakt ist weiters: Die Lehrlingseinkommen, die die Betriebe den jungen Menschen bezahlen, sind in den KV-Verhandlungen der vergangenen Jahre überdurchschnittlich gestiegen, damit die Lehre attraktiv bleibt. Im Gewerbe und Handwerk betrug das Plus allein seit 2023 (je nach Beruf unterschiedlich) zwischen kumuliert 19 und 35 Prozent. Österreichs Betriebe investieren in Summe pro Jahr rund 3 Mrd. Euro in die Lehrlingsausbildung.

Die Förderung ist nicht gestiegen, im Gegenteil: Der Staat beteiligt sich immer weniger an den Lehrlingseinkommen. Anstatt den erforderlichen Beitrag im Budget vorzusehen, erhält seit Juli 2026 jeder Ausbildungsbetrieb ab dem zweiten Lehrling um ein Viertel weniger Basisförderung. Und dieses Arbeitsmarktbudget, aus dem die Lehrstellenförderung für Ausbildungsbetriebe dotiert wird, liegt in der Zuständigkeit des Sozialministeriums und somit von Bundesministerin Korinna Schumann.

„Die Kosten auf Betriebsebene explodieren und gleichzeitig wurde die staatliche Förderung reduziert. Die Ausbildung in der ÜBA, der überbetrieblichen Ausbildung im AMS-Auftrag, die mehr als drei Mal so teuer ist, bleibt hingegen voll gesichert. Da stellt sich die Frage, wo die Prioritäten der Gewerkschaft liegen. Es wäre schön, wenn die betriebliche Ausbildung unterstützt würde, anstatt immer neue Belastungen für unsere Betriebe zu erfinden“, so Denk. Zumal jeder Schulplatz den Staat doppelt so viel und ein Studienplatz an der Universität sogar vier Mal so viel kostet wie ein Lehrling: „Ist eine junge Fachkraft wirklich vier Mal weniger wert als ein Student?“

Denk verweist auf das Maßnahmenpaket „Lehre stärken – Fachkräfte sichern, Ausbildung modernisieren“, das er im Juni 2026 im WKÖ-Wirtschaftsparlament vorgeschlagen hat (Link). Der Antrag enthält konkrete Forderungen, wie die Lehrlingsausbildung flexibler (z.B. 4-Tage-Woche/10-Stunden-Tag-Lehre), moderner (Lehrabschlussprüfung neu) sowie attraktiver für zusätzliche Zielgruppen (Erwachsenenlehre, Imageaufwertung, Karrierechancen) werden kann. „Dieser Antrag hat die Zustimmung von allen politischen Fraktionen im Wirtschaftsparlament erhalten – und das einstimmig“, so Denk. Er gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich die Gewerkschaft noch konstruktiv beteiligt. Die Hand der Wirtschaft in Richtung der anderen Sozialpartner, um die betriebliche Lehrlingsausbildung aufzuwerten, sei weiterhin ausgestreckt: „Die Position der Wirtschaft ist parteienübergreifend klar: Österreich braucht mehr betrieblich ausgebildete Lehrlinge, nicht weniger.“ (PWK519/HSP)

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