
Rufschädigende Falschbehauptungen: GLOBAL 2000 klagt Steirischen Bauernbund
Mehrfache Aufforderungen zur Richtigstellung blieben ohne Ergebnis
Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat am heutigen 13. Oktober Klage beim Handelsgericht Wien gegen den Steirischen Bauernbund eingebracht und eine einstweilige Verfügung beantragt. GLOBAL 2000 verlangt die Unterlassung rufschädigender Falschbehauptungen und einen öffentlichen Widerruf. Der Steirische Bauernbund hatte GLOBAL 2000 eine „absichtliche Falschinterpretation“ von Pestiziddaten und „Panikmache“ vorgeworfen, nachdem die Umweltschutzorganisation aufgezeigt hatte, dass besonders problematische Pestizide in Österreich immer häufiger zum Einsatz kommen. Seine Begründung: GLOBAL 2000 habe Lagergase wie CO₂ in ihre Berechnung des Pestizidanstiegs einbezogen. Tatsächlich waren diese ausdrücklich ausgeschlossen.
„Der Steirische Bauernbund hat schwere Anschuldigungen gegen GLOBAL 2000 erhoben. Als er seinen sogenannten Faktencheck veröffentlichte, hätte er längst wissen müssen, dass die Grundlage seiner Vorwürfe falsch ist. Unsere Berechnungsmethode war öffentlich zugänglich und der Ausschluss von Lagergasen ausdrücklich erklärt“, sagt Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000. „Wer öffentlich falsche Vorwürfe verbreitet, muss sie auch öffentlich richtigstellen.“
MEHRFACHE AUFFORDERUNGEN ZUR RICHTIGSTELLUNG OHNE ERGEBNIS
Bereits am 9. Dezember 2025 hatte GLOBAL 2000 dem steirischen Bauernbund per E-Mail erläutert, dass weder CO₂ noch andere Lagergase in die Auswertung eingeflossen waren, und eine öffentliche Richtigstellung verlangt. Eine Antwort blieb aus.
In einem Verfahren gegen die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) hat das Handelsgericht Wien mit inzwischen rechtskräftigem Urteil vom 1. September 2026 die Behauptung, GLOBAL 2000 habe CO₂ beziehungsweise Lagergase eingerechnet, als unwahr festgestellt und die IGP zu Unterlassung und Widerruf verurteilt. GLOBAL 2000 informierte den Steirischen Bauernbund und seinen Direktor Bernd Brodtrager über dieses Urteil und bemühte sich im September erneut mehrfach um ein Gespräch über Art, Inhalt und Form einer öffentlichen Richtigstellung.
Diese Bemühungen blieben erfolglos. Eine Richtigstellung blieb aus. Der beanstandete Artikel war am Montag, 12. Oktober 2026, um 16 Uhr noch immer auf der Website des Bauernbundes abrufbar. Angekündigte Terminvorschläge für ein Gespräch wurden bislang nicht gemacht. „Wir haben dem Steirischen Bauernbund wiederholt Gelegenheit gegeben, die falschen Vorwürfe öffentlich zu korrigieren. Darauf ist er nicht eingegangen. Deshalb wollen wir die Richtigstellung jetzt auf dem Rechtsweg erreichen“, berichtet GLOBAL 2000-Geschäftsführerin Alexandra Strickner.
Mit der Klage begehrt GLOBAL 2000 daher einen öffentlichen Widerruf der falschen CO₂-Behauptung auf der Website des Steirischen Bauernbundes sowie in jenen vier Privatradiosendern, in denen Bernd Brodtrager damit namentlich zitiert wurde.
WAS IST PASSIERT
Am 5. Dezember 2025 hatten zahlreiche Medien über einen starken Anstieg beim Einsatz besonders problematischer Pestizide in Österreich berichtet. GLOBAL 2000 hatte offizielle Verkaufsmengen des Landwirtschaftsministeriums mit einer wissenschaftlich anerkannten Berechnungsmethode ausgewertet. Die IGP behauptete kurz darauf in einer Presseaussendung, der von GLOBAL 2000 dargestellte Pestizidanstieg sei die Folge eines Berechnungsfehlers: Man habe fälschlicherweise das Lagergas CO₂ in die Pestizidauswertung eingerechnet. Ab Mittag wurde auch Bauernbund-Direktor Brodtrager in zehn Nachrichtenbeiträgen auf vier Privatradiosendern namentlich mit der Behauptung zitiert, der von GLOBAL 2000 aufgezeigte Pestizidanstieg sei auf Lagergase zurückzuführen. Vier Beiträge enthielten seinen Originalton. Dabei hatten APA, ORF und GLOBAL 2000 die Berechnungsmethode bereits am Vormittag erläutert. Am Nachmittag stellte die APA zudem ausdrücklich klar, dass CO₂ nicht eingerechnet worden war.
Vier Tage später, am 9. Dezember, veröffentlichte der Steirische Bauernbund seinen als Faktencheck bezeichneten Artikel mit derselben falschen Behauptung und dem Vorwurf absichtlicher Falschinterpretation. Dieser Artikel erschien auch in der Bauernbund-Zeitung „Neues Land“. Auf Facebook sprach der Bauernbund von „Desinformation von NGOs und Grünen“.
DEBATTE ÜBER BESONDERS PROBLEMATISCHE PESTIZIDE VERDRÄNGT
„Mit seinen falschen Vorwürfen hat der Bauernbund vom eigentlichen Problem abgelenkt: dem starken Anstieg bei der Verwendung von Pestiziden, die als Substitutionskandidaten eingestuft sind, sowie von PFAS-Pestiziden“, so Burtscher-Schaden.
Wie aus einer Pestizid-Auswertung ein Gerichtsfall wurde finden Sie hier.
Dr. Helmut Burtscher-Schaden
Umweltchemiker GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 34
helmut.burtscher@global2000.at
Christoph Gerhardt
Pressesprecher GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 26
christoph.gerhardt@global2000.at
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