
„Würdest du einem Fremden dein Klassenfoto geben?“
Bad Schönau/Familienbund: Kinder sind Teil der digitalen Welt
EINBLICKE DES BUNDESKRIMINALAMTS, TIPPS FÜR ELTERN UND ERFAHRUNGEN AUS DEN SCHULEN
Bei der Podiumsdiskussion „Mein Kind und das Handy“ im Dreiländereck von Niederösterreich, der Steiermark und dem Burgenland trafen Fachleute aus Kriminalpolizei, Medienpädagogik und Bildungswesen auf interessierte Eltern und Pädagogen. Bürgermeister Feri Schwarz eröffnete den Abend im Sconarium in Bad Schönau und betonte, dass der Umgang von Kindern mit Smartphones ein Thema sei, das „uns alle als Gesellschaft mehr und mehr fordert“. Er begrüßte die Zusammenarbeit der Gemeinde mit dem Österreichischen Familienbund, der Region Bucklige Welt–Wechselland und der Initiative „Bildung wächst“.
„Smartphones, soziale Medien und Internet gehören zum Alltag unserer Kinder“, erklärte Alexandra Lugert, Bundesgeschäftsführerin des Österreichischen Familienbundes, die in Vertretung von Familienbund-Präsidentin Abg.z.NR Johanna Jachs durch den Abend führte. Umso wichtiger sei es, Eltern im Umgang mit digitalen Chancen und Risiken zu stärken.
Jürgen Ungerböck vom Bundeskriminalamt schilderte eindringlich Fälle von digitaler Erpressung, missbrauchten Kinderfotos und internationalen Online-Netzwerken wie „764“, in denen Minderjährige gezielt manipuliert werden. Wie unterschiedlich Kinder Risiken wahrnehmen, verdeutlichte er mit einer Frage an eine Volksschulklasse: „Würdest du einem völlig Fremden auf der Straße dein Klassenfoto geben?“ Kein Kind sagte Ja – im Internet werden persönliche Bilder hingegen oft bedenkenlos geteilt. Werden Kinder Opfer digitaler Übergriffe, sei vor allem Ruhe gefragt: „Der größte Fehler, den Eltern machen, ist, die Nerven zu verlieren.“
Julia Hentschel, saferinernet.at-Trainerin, setzt in ihrer Arbeit mit Familien auf Gesprächskultur, klare Regeln und die Vorbildwirkung der Eltern. „Das Wichtigste ist, dass ich eine Gesprächsbasis mit meinem Kind aufbaue – und zwar von Anfang an.“ Für das erste eigene Smartphone empfiehlt sie: „So früh wie notwendig, so spät wie es geht.“
Silvia Stögerer von der Bildungsdirektion Niederösterreich berichtete über positive Erfahrungen mit den Handy-Einschränkungen an Schulen: weniger Ablenkung und mehr persönliche Gespräche in den Pausen. Medienkompetenz müsse dennoch aktiv vermittelt werden. „Schule alleine wird es nicht richten und die Eltern alleine werden es auch nicht richten“, betonte sie.
Bei aller Ernsthaftigkeit der Gefahren wurde deutlich: Das Internet bietet Kindern Risiken und Chancen. Entscheidend für einen sicheren Aufenthalt in der digitalen Welt, sind Begleitung, Vertrauen und ein bewusster Umgang mit digitalen Medien.
Die anschließende Podiumsdiskussion mit Ungerböck, Hentschel und Stögerer brachte die wichtigste Botschaft des Abends auf den Punkt: „Wenn du ein Problem hast, reden wir darüber, wir lösen das.“ Genau diese Sicherheit brauchen Kindern, um selbstbewusst mit digitalen Medien aufzuwachsen.
Die Veranstaltung wurde vom Österreichischen Familienbund gemeinsam mit der Gemeinde Bad Schönau, der Region Bucklige Welt–Wechselland, der Initiative „Bildung wächst“ und der Bildungsdirektion Niederösterreich organisiert.
Österreichischer Familienbund
Marietheres van Veen
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