Arbeiterkammer bringt Klassenkampf in Schulen, Lehrlingsmessen und Internet

Fröschl: AK-Lernspiel samt Unterrichtsmaterial zeichnet Unternehmer als gierige Profitmaximierer – ausgerechnet dort, wo junge Menschen Orientierung für ihren Berufsweg suchen.

Scharfe Kritik übt die Junge Industrie (JI) an „One Up Island“, einem Handyspiel der Arbeiterkammer Wien, das samt didaktischem Begleitmaterial für den Unterricht entwickelt wurde, Wiener Schulen als kostenloser Workshop angeboten und auf Lehrlingsmessen präsentiert wird. Entdeckt hat es JI-Bundesvorsitzender EDUARD FRÖSCHL vergangene Woche auf der „Wiener Jugend“ in der Marx Halle – jener Messe, die früher „Tag der Lehre XXL“ hieß und sich an junge Menschen zwischen 13 und 19 Jahren richtet. Im Spiel treten Jugendliche gegen den Unternehmer „Cornelius“ an – einen Vogel mit Monokel, Goldketten und Nadelstreif, der am Ende einer Schicht ein negatives Gehalt auszahlt: „Oh, Du hast Schulden gemacht. Du wirst diese wohl abarbeiten müssen!“

„Ausgerechnet dort, wo junge Menschen Orientierung für ihre Lehre und ihren Berufsweg suchen, zeichnet die Arbeiterkammer Unternehmer als gierige Ausbeuter. Das ist keine politische Bildung, das ist Klassenkampf im Klassenzimmer. Und wer soll Cornelius eigentlich sein? Die Tischlermeisterin, die jedes Jahr Lehrlinge ausbildet? Der Familienunternehmer, der seinen Betrieb und seine Belegschaft durch die Krise führt?“, fragt EDUARD FRÖSCHL, Bundesvorsitzender der Jungen Industrie.

UNTERRICHTSMATERIAL MIT KLAREM FEINDBILD

Das Bild zieht sich durch das Begleitmaterial für Lehrkräfte. Dort wird der „profitorientierte Unternehmer Cornelius“ beschrieben, der seine Interessen „auf Kosten der Arbeiter:innen“ durchsetzen will. In einem Rollenspiel für den Unterricht bekommt der Unternehmer folgende Rollenkarte: „Du bist stolz auf deinen Reichtum und willst weiterhin hohe Gewinne erzielen.“ Sein Ziel: „möglichst keine Lohnerhöhung“. Die Gegenseite soll die anderen überzeugen, „Cornelius mit Streik zu drohen“. Zum Abschluss wird die Klasse gefragt, was man daraus „für das echte Leben lernen“ könne.

„Was sollen Jugendliche daraus für das echte Leben lernen? Dass der Chef der Gegner ist und der Streik das erste Mittel? Das ist das Gegenteil der Sozialpartnerschaft, wie wir sie in Österreich leben – und wie sie die Arbeiterkammer als Sozialpartner eigentlich mittragen sollte“, so FRÖSCHL. Politische Bildung an Schulen müsse ausgewogen sein. Das Material beruft sich selbst auf den Beutelsbacher Konsens – dieser verlangt aber auch, dass Kontroverses im Unterricht kontrovers dargestellt wird.

FRAGEN AN DIE ARBEITERKAMMER

Die Junge Industrie fordert mehr Transparenz: Was haben Spiel und Material gekostet? Wer hat die Inhalte freigegeben? Und welches Ziel verfolgt die AK damit in den Schulen? „Die Arbeiterkammer finanziert sich aus den Pflichtbeiträgen der Beschäftigten. Sie haben ein Recht zu erfahren, wofür ihr Geld ausgegeben wird“, sagt FRÖSCHL.

„Wir laden die Arbeiterkammer gerne ein, gemeinsam mit uns in die Schulen zu gehen – mit Lehrlingen, Facharbeiterinnen und jungen Unternehmern, die erzählen, wie Arbeit in einem Betrieb heute wirklich aussieht. Das wäre echte Berufsorientierung“, so FRÖSCHL abschließend.

Junge Industrie
Benjamin Carl-Arthur Frormann, MAIS
Telefon: +43 1 711357556
E-Mail: benjamin.frormann@iv.at
Website: https://jungeindustrie.iv.at

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