
RSV: Babys von Anfang an schützen
Vom ersten Lebenstag an möchten Eltern vor allem eines: ihr Kind bestmöglich beschützen. Eine Gefahr, die dabei oft übersehen wird, ist das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Wie bedrohlich das weitverbreitete Atemwegsvirus für die Kleinsten werden kann, erlebte Sonja Deutschmann wenige Wochen nach der Geburt ihrer Zwillinge. Ein ungewöhnlich tiefer Husten ihres Sohnes Moritz machte die junge Mutter stutzig. Im Krankenhaus dann die Diagnose: Beide Kinder hatten sich mit RSV infiziert, beide mussten stationär aufgenommen werden.
Innerhalb kürzester Zeit verschlechterte sich der Zustand des kleinen Jungen rapide. „Auf dem Weg zur Kinderstation habe ich das Maxi-Cosi abgestellt und plötzlich gesehen, dass Moritz im Gesicht blau war“, erinnert sich Sonja Deutschmann. Ihr Sohn musste sofort beatmet und auf die Intensivstation gebracht werden, wo er an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wurde.
Für die Eltern begann eine Zeit des hilflosen Wartens und Bangens. Sorgen vor einer Hirnblutung, die zu einer schweren Behinderung führen könnte, und vor noch Schlimmerem, gingen ihnen durch den Kopf. „Du hantelst dich von Stunde zu Stunde“, beschreibt die junge Mutter die Tage im Krankenhaus. Während Zwillingsschwester Amélie die Infektion gut überstand, musste Moritz noch länger im Krankenhaus bleiben und viele Medikamente nehmen. Bis er wirklich über den Berg war, dauerte es Monate.
_UNTERSCHÄTZTES RISIKO FÜR SÄUGLINGE_
Was die Familie erlebt hat, zeigt, wie schwer eine RSV-Infektion die Kleinsten treffen kann. Ihr Immunsystem ist noch unvorbereitet. Gleichzeitig sind ihre Atemwege klein und eng und können durch die Infektion zusätzlich anschwellen. Das kann zu Atemnot und Erkrankungen der unteren Atemwege, beispielsweise zu einer Lungenentzündung, führen. Längere Atemaussetzer und der damit verbundene Sauerstoffmangel können neurologische Probleme verursachen. Zudem können auch noch nach einer überstandenen RSV-Infektion Langzeitfolgen auftreten.
Vielen Eltern sind diese Risiken kaum bekannt. Eine schwere RSV-Infektion ihres Babys trifft sie oft völlig unvorbereitet. So erging es auch Familie Deutschmann: „Ich konnte mich nur vage an ein Informationsblatt über RSV erinnern, das ich kurz nach der Geburt erhalten habe. Damals hatte ich aber keinen Kopf, mir darüber Gedanken zu machen.“
Dabei ist RSV keine Seltenheit. Nahezu alle Kinder infizieren sich bis zu ihrem zweiten Geburtstag mit dem Virus. Es verbreitet sich leicht und wird durch Tröpfchen übertragen – auch von Personen ohne Symptome. Wer eine RSV-Erkrankung durchgemacht hat, ist danach nicht immun, man kann sich also immer wieder infizieren.
_HÄUFIGE URSACHE FÜR SPITALSAUFENTHALT BEI BABYS_
Während eine RSV-Infektion meistens wie eine harmlose Erkältung verläuft, kann sie bei den Kleinsten lebensbedrohlich werden. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für einen Spitalsaufenthalt im Säuglingsalter und kann sogar eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig machen. In früheren RSV-Saisonen kam es saisonal immer wieder zu starken Überlastungen von Bettenkapazitäten und kinderärztlichem Betreuungspersonal. Dabei kann ein schwerer Verlauf jedes Baby treffen. Rund drei Viertel der Säuglinge, die wegen RSV ins Krankenhaus kommen, sind völlig gesund und zum Termin geboren.
_ZUVERLÄSSIGER SCHUTZ ÜBER DIE GESAMTE RSV-SAISON_
Dem Risiko eines schweren RSV-Verlaufs sind Familien heute jedoch nicht mehr hilflos ausgeliefert. Seit Dezember 2024 wird die kostenlose passive RSV-Immunisierung im Krankenhaus und bei niedergelassenen Kinderärzt:innen allen Säuglingen im ersten Lebensjahr angeboten.
Bei der passiven Immunisierung erhält das Kind fertige Antikörper gegen das Virus. Anders als bei einer klassischen Impfung muss der Körper diese also nicht erst selbst bilden. Der Schutz setzt direkt nach der Verabreichung ein und hält über die gesamte RSV-Saison an. Damit können Eltern das Risiko für schwere Krankheitsverläufe, Spitalsaufenthalte und Intensivbehandlungen ihres Babys deutlich senken.
Babys, die in der RSV-Saison (Oktober bis März) geboren werden, erhalten den Schutz direkt nach der Geburt noch im Krankenhaus. Kinder, die zwischen April und September zur Welt kommen, sollten im Oktober oder November vor Beginn ihrer ersten RSV-Saison beim Kinderarzt immunisiert werden. Risikokinder bis zu einem Alter von 24 Monaten, die weiterhin anfällig für RSV-Infektionen sind, erhalten die passive Immunisierung auch in ihrer zweiten RSV-Saison kostenfrei.
MEHR INFORMATIONEN UNTER
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RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) | Impfen schützt einfach.
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Episode 48: Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) – wie Innovation Familien viel Leid ersparen kann – FOPI
_REFERENZEN_
1 Centers for Disease Control and Prevention. Respiratory Syncytial Virus Infection (RSV).
Juliane Pamme, MA
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