
Österreichische Lebensmittelexporte erstmals rückläufig
Heimischer Standort verliert international an Wettbewerbsfähigkeit
Der Export von Lebensmitteln, Getränken und Futtermitteln „Made in Austria“ in mehr als 180 Länder ist seit Jahren ein Erfolgsfaktor der österreichischen Lebensmittelindustrie. Die Zahlen der Zollkapitel 16-24 für das erste Halbjahr 2026 zeigen jedoch eine Trendwende: „Die Lebensmittelexporte sind erstmals RÜCKLÄUFIG und zwar sowohl beim Wert als auch bei der Menge“, erklärt Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, nach dem SIAL in Paris, eine der weltweit größten internationalen Fachmessen für Lebensmittel-Innovationen, Trends und die globale Lebensmittel- und Getränkeindustrie.
HOHE STANDORTKOSTEN BELASTEN LEBENSMITTELEXPORTE
Hohe Kosten für Energie, Personal und Bürokratie sowie für die Beschaffung von Rohstoffen und Verpackungsmaterial bringen die österreichischen Lebensmittelexporteure zunehmend ins Hintertreffen. „Österreichische Lebensmittelhersteller tragen einen vergleichsweise schwereren Kostenrucksack bei Aufwendungen für Personal- und Energiekosten als ihre ausländischen Mitbewerber. Das rächt sich dann auf den Exportmärkten“, betont Koßdorff.
Aber nicht nur im Export, sondern auch bei der abgesetzten Produktion zeigen die Halbjahreszahlen 2026 einen RÜCKGANG BEIM WERT um 5,4 % von 6,0 auf 5,7 Mrd. Euro. „Die Abwärtsentwicklung beim Export und bei der abgesetzten Produktion macht deutlich, dass unsere Betriebe auf den Märkten an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verloren haben. Die aktuellen Debatten über Lebensmittelpreise und Margenkontrollen lenken von den eigentlichen Standortproblemen ab. Die Schließung des Ardo-Werks hat das aufgezeigt. Ohne bessere Standortbedingungen wird es für die Betriebe immer schwieriger, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten“, so Koßdorff.
EXPORTBILANZ IM 1. HALBJAHR 2026 ZEIGT MINUS; EU BLEIBT DENNOCH WICHTIGSTER MARKT
Nach den vorläufigen Halbjahreszahlen 2026 gingen die EXPORTMENGE (-5,1 %) auf rund 2,9 Mio. Tonnen und der EXPORTWERT (-0,8 %) auf rund 5,3 Mrd. Euro gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum 2025 zurück.
Die EU bleibt mit einem Anteil von 76,7 % bei einem Exportwert von 4,1 Mrd. Euro (-1,5 %) der wichtigste Markt für österreichische Lebensmittel. Nach Deutschland, auf das rund 38 % aller heimischer Lebensmittelausfuhren im Wert von 2 Mrd. Euro entfallen, wurden weniger Lebensmittel aus Österreich geliefert (Menge: -5,4 %; Wert: -1,2 %). Die Exporte nach Italien (394 Mio. Euro, +3,3 %), Polen (160 Mio. Euro, +1,5 %) und Tschechien (172 Mio. Euro, +9,4 %) entwickelten sich positiv; jene in die Niederlande (204 Mio. Euro, -5,8 %), nach Ungarn (168 Mio. Euro, -4,2 %) und Frankreich (146 Mio. Euro, – 6,9 %) gingen zurück.
Lebensmittel „Made in Austria“ werden auch in EU-DRITTSTAATEN exportiert und kommen auf einen Exportanteil von 23,3 % (1,2 Mrd. Euro, +1,6 %). Knapp die Hälfte davon (12,6 %) werden auf Märkte außerhalb Europas verkauft (z. B. Mercosur-Staaten, Asien; 674 Mio. Euro, +2,1 %). Die TOP 3-Drittlandsmärkte sind die Schweiz (190 Mio. Euro, -7,4 %), Großbritannien (100 Mio. Euro, -7,6 %) und Brasilien (90 Mio. Euro, -12,6 %).
GETRÄNKE AUS ÖSTERREICH BLEIBEN EXPORTKAISER
Die „Bestseller“ im Lebensmittelexport bleiben weiterhin die alkoholfreien Erfrischungsgetränke (Limonaden, Energy-Drinks, Eistees) mit knapp 1,2 Mrd. Euro. Sie verzeichnen jedoch wert- und mengenmäßig einen leichten Rückgang (-0,3 % bzw. -3,2 %). Weiter gerne gekauft werden andere Lebensmittelzubereitungen (508 Mio. Euro, 1,8 %), Tierfutter (495 Mio. Euro, 5,9 %) sowie feine Backwaren (428 Mio. Euro, -4,2 %) aus Österreich.
Die Entwicklungen bei den Schokoladenwaren (Wert -10,2 %, Menge +2,2 %) und Fruchtsäften (Wert -4,1 %, Menge -3,3 %) spiegeln einerseits die große Volatilität der Preise bei Kakao und andererseits der Verfügbarkeit bei Südfrüchten wider.
AUSSENHANDELSBILANZ BLEIBT POSITIV
Die Außenhandelsbilanz bei Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie (Zollkapitel 16 bis 24) bleibt im ersten Halbjahr 2026 mit einem Wert von 587 Mio. Euro positiv. Im Zeitraum 2021 bis 2025 hat sich aber der Außenhandelsüberschuss bei diesen Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie von 2,136 Mrd. auf 809 Mio. Euro deutlich reduziert.
EXPORT- UND STANDORTOFFENSIVE ALS KLARES SIGNAL FÜR LEBENSMITTEL „MADE IN AUSTRIA“
Damit am Standort in Österreich auch weiterhin Lebensmittel produziert und im Inland und auf den Auslandsmärkten erfolgreich vermarktet werden können, begrüßt der Fachverband die im Regierungsprogramm geplante Exportoffensive. „Niedrigere Standortkosten und eine Stärkung der Exportaktivitäten sind jetzt die wesentlichen Hebel, um Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und die tausenden Arbeitsplätze in der Lebensmittelindustrie nachhaltig abzusichern. Denn die Zukunft der österreichischen Lebensmittelindustrie entscheidet sich nicht an der Kassa, sondern am Standort. Unsere 200 Unternehmen haben mit Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit starke Trümpfe in der Hand. Wenn die Politik wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen schafft, wird ,Made in Austria‘ bei Lebensmitteln auch in Zukunft am Heimmarkt und auch weltweit erfolgreich sein“, so Koßdorff abschließend.
STELLENWERT DER LEBENSMITTELINDUSTRIE IN ÖSTERREICH
Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Lebensmittelindustrie) zählt mit ihren 27.500 direkt Beschäftigten zu den Schlüsselbranchen in Österreichs Wirtschaft. Sie garantiert verlässlich die tägliche Versorgung von Millionen Menschen mit sicheren, qualitativen und leistbaren Produkten. Die rund 200 Unternehmen erwirtschaften jährlich ein Produktionsvolumen von rund 12 Mrd. Euro. Rund 10 Mrd. Euro davon werden im Export in über 180 Länder abgesetzt. Der Fachverband unterstützt seine Mitglieder durch Information, Beratung und internationale Vernetzung.
Folien auf www.dielebensmittel.at
Mag. Katharina Koßdorff
Geschäftsführerin im Fachverband der Lebensmittelindustrie
T: +43 1 712 21 21 – 14
E: k.kossdorff@dielebensmittel.at
DI Oskar Wawschinek MAS MBA
Food Business Consult
Pressesprecher für den Fachverband der Lebensmittelindustrie
M: +43 664 545 63 50
E: office@foodbusiness.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender