ÖGB: Ältere Menschen brauchen Jobs statt neuer Pensionsdebatten

Pensionist:innenvorsitzende Monika Kemperle weist Kritik von AMS, WKÖ und Industriellenvereinigung am Bonus-Malus-System zurück

Menschen zwischen 60 und 64 Jahren stellen rund zehn Prozent der Bevölkerung. In den Betrieben machen sie aber nur etwas mehr als fünf Prozent der Beschäftigten aus. Genau hier setzt das Bonus-Malus-System von ÖGB und Arbeiterkammer an: Es soll dafür sorgen, dass mehr ältere Menschen bis zur Pension in Beschäftigung bleiben können.

„AMS-Chef Johannes Kopf sagt, viele Betriebe hätten keine älteren Beschäftigten, weil derzeit insgesamt nur wenige Menschen zwischen 60 und 64 Jahren arbeiten. Aber genau deshalb brauchen wir Veränderungen. Wenn zehn Prozent der Bevölkerung in diesem Alter sind, in den Betrieben aber nur fünf Prozent der Beschäftigten, dann zeigt das doch, wie groß das Problem ist. Wir wollen diesen Anteil erhöhen. Genau dafür wurde das Bonus-Malus-System entwickelt“, sagt die Vorsitzende der ÖGB-Pensionist:innen, Monika Kemperle.

DIE KRITIK DER WKÖ GEHT AM MODELL VORBEI

Die Wirtschaftskammer argumentiert, dass Branchen wie Fitnessstudios oder Diskotheken kaum ältere Beschäftigte finden würden. Das Bonus-Malus-System berücksichtigt solche Unterschiede jedoch bereits.

„Wir verlangen nicht von jeder Branche dasselbe. Unsere Quoten orientieren sich an den tatsächlichen Altersstrukturen und daran, wie viele Beschäftigte in den nächsten Jahren in die Altersgruppe 60 plus nachrücken. Wer behauptet, das Modell ignoriere die betriebliche Realität, hat sich mit dem Modell offensichtlich nicht näher beschäftigt“, so Kemperle.

UNTERNEHMEN TRAGEN VERANTWORTUNG

Für Kemperle zeigt die Kritik der Industriellenvereinigung, worum es in Wahrheit geht: um zwei völlig unterschiedliche Zugänge zur Frage, wie mehr ältere Menschen im Arbeitsleben bleiben können.

„Die IV will die Beschäftigungsquote erhöhen, indem Menschen länger arbeiten müssen. Wir wollen die Beschäftigungsquote erhöhen, indem Unternehmen mehr ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen. Wer ständig nach einem höheren Pensionsalter ruft, darf sich nicht gleichzeitig wegducken, wenn es um die Verantwortung der Betriebe geht.“

GUTE BETRIEBE WERDEN BELOHNT

In der öffentlichen Debatte werde fast nur über den Malus gesprochen, kritisiert Kemperle. Dabei sei das Modell vor allem ein Anreizsystem für jene Unternehmen, die Verantwortung übernehmen.

„Betriebe, die ältere Beschäftigte halten, weiterbilden und altersgerechte Arbeitsplätze schaffen, bekommen Unterstützung. Das müsste eigentlich im Interesse aller guten Unternehmen sein. Wer längeres Arbeiten fordert, muss zuerst längere Beschäftigung ermöglichen. Alles andere sind Ausreden“, so Kemperle abschließend.

Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.

Mag. Toumaj Faragheh
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