EU-Pauschalzoll wirkt, nationale Paketsteuer nicht: 49% bestellen weniger bei Temu & Co, 28% wollen mehr bei europäischen Händlern kaufen.

40% haben in letzten 12 Monaten bei China-Plattformen bestellt. Post bestätigt Einbruch bei Fernost-Paketen um 30%. EU-Kommission berichtet von Rückgang um mehr als 60%.

Der seit 1. Juli geltende 3-EURO-EU-PAUSCHALZOLL auf niedrigpreisige Drittlandsimporte unter 150 Euro Warenwert zeigt Wirkung. Das belegt der aktuelle HV Consumer Check „So kauft Österreich“ von Reppublika Research im Auftrag des Handelsverbands:

* 49% jener Österreicher:innen, die in den vergangenen zwölf Monaten bei Fernost-Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress eingekauft haben, bestellen seither weniger.
* 42% haben ihr Bestellverhalten nicht verändert, 4% bestellen sogar häufiger.
* Gleichzeitig haben 53% deutlich oder teilweise höhere Preise bzw. zusätzliche Kosten bemerkt.

_„Der europaweite Pauschalzoll wirkt. Fast die Hälfte aller Fernost-Käufer in Österreich bestellt aktuell weniger. Wenn Billig-Importe aus Drittstaaten nicht mehr kostenfrei in den europäischen Markt geliefert werden können, verändert das auch das Bestellverhalten. Mehr Kostenwahrheit hilft somit auch dem heimischen Handel“_, sagt RAINER WILL, Geschäftsführer des freiwilligen, überparteilichen und unabhängigen Handelsverbands.

40% BESTELLEN BEI FERNOST-PLATTFORMEN. TEMU KLAR VORAN, TIKTOK SHOP BLEIBT NISCHE

Insgesamt haben 40% der Österreicher:innen in den vergangenen zwölf Monaten bei zumindest einer der abgefragten Fernost-Plattformen bestellt. Mit Abstand am stärksten verbreitet ist TEMU mit 30%, gefolgt von SHEIN (11%), ALIBABA/ALIEXPRESS (9%) und TIKTOK SHOP (6%). Eine deutliche Mehrheit von 60% hat keine dieser Plattformen genutzt.

Besonders ausgeprägt ist die Fernost-Nutzung bei jungen Konsument:innen. Mehr als die Hälfte der GEN Z hat im vergangenen Jahr zumindest eine der chinesischen Plattformen genutzt. Gleichzeitig reagiert gerade diese Gruppe besonders sensibel auf die neuen Kosten: 60% der Fernost-Shopper aus der Gen Z geben an, seit Einführung des EU-Pauschalzolls weniger zu bestellen.

Generell reagieren FRAUEN deutlich stärker auf die höheren Kosten als MÄNNER: 58% der Fernost-Kundinnen sagen, dass sie aktuell weniger bestellen, bei den Männern sind es 40%.

EU-PAUSCHALZOLL: POST BESTÄTIGT RÜCKGANG BEI FERNOST-PAKETEN UM 30% IN Q3

Die Ergebnisse des Consumer Checks decken sich mit der Entwicklung der tatsächlichen Paketmengen im Land. Wie aktuelle, dem Handelsverband von der Österreichischen Post bestätigte Zahlen zeigen, ist die Zahl der Fernost-Pakete im 3. Quartal 2026 aufgrund des EU-Pauschalzolls um rund 30% eingebrochen. Laut Angaben der EU-Kommission ist die Zahl der niedrigwertigen E-Commerce-Direktsendungen aus Drittstaaten nach Europa im 3. Quartal EU-weit sogar um fast zwei Drittel zurückgegangen.

_„Der starke Rückgang der Produktimporte aus Drittstaaten nach Europa um mehr als 60 Prozent zeigt, dass die europäischen Maßnahmen eine klare Lenkungswirkung haben. Genau deshalb sollte Österreich auf europäische Lösungen setzen, anstatt nationale Belastungen wie die Paketsteuer einzuführen, die unserem Land wirtschaftlich massiv schaden“_, so WILL.

2-EURO-EU-BEARBEITUNGSGEBÜHR DÄMPFT LAUNE AUF FERNOST-SHOPPING

Am 1. November ist zusätzlich eine neue EU-weite 2-Euro-Bearbeitungsgebühr (Union Handling Fee) in Kraft getreten, die Bestellungen von außerhalb der EU betrifft. Die Gebühr fällt zusätzlich zu den bisherigen Einfuhrabgaben an und gilt unabhängig vom jeweiligen Sendungswert. Sie soll insbesondere die Kosten der Zollbehörden für Datenprüfung, Risikoanalysen, Kontrollen und Infrastruktur abdecken.

Der HV Consumer Check zeigt, dass diese EU Handling Fee das Kaufverhalten abermals verändern könnte:

* 31% der Fernost-Shopper wollen deshalb künftig weniger bei Temu & Co. bestellen.
* 28% wollen verstärkt bei österreichischen bzw. europäischen Händlern einkaufen.
* Nur 15% gehen davon aus, dass ihr Einkaufsverhalten unverändert bleibt.

NATIONALE PAKETSTEUER IST SCHUSS INS EIGENE KNIE: 43% BÜNDELN BESTELLUNGEN

Die nationale Paketsteuer von 2,40 Euro, die seit 1. Oktober in Österreich eingehoben wird, hat laut Angaben der Österreichischen Post zu einem generellen Rückgang des Paketvolumens von rund 10% geführt. Das bedeutet aber nicht, dass die Bevölkerung weniger im Onlinehandel ausgibt, sondern dass Bestellungen gebündelt bzw. geblockt werden.

Laut HV Consumer Check versuchen 43% der Konsument:innen, online mehrere Produkte in einer Bestellung zu bündeln, damit die Paketsteuer (die pro Bestellung eingehoben wird) prozentuell weniger stark durchschlägt.

_„Von einer paketsteuerbedingten Umsatzverschiebung in den stationären Handel kann hierzulande leider keine Rede sein, tendenziell ist eher das Gegenteil der Fall. Die Online-Umsätze brechen nicht ein, nur die Bestellfrequenz geht deutlich zurück. Vier von zehn Kunden bündeln ihre Bestellungen. Einige stationäre Händler berichten, dass dadurch auch Spontankäufe in den Geschäften seltener werden“_, bestätigt WILL.

MEHR ALS 24.000 UNTERSCHRIFTEN FÜR HV-PETITION „ÖSTERREICHISCHE PAKETSTEUER ABSCHAFFEN!“

Vor diesem Hintergrund bekräftigt der Handelsverband seine Forderung nach einer sofortigen Rücknahme der österreichischen Paketsteuer. Diese gilt für Versandhändler bzw. Plattformen mit mehr als 100 Mio. Euro inländischem Versandhandelsumsatz sowie 4.000 heimische stationär und online aktive KMU-Händler, die auf diesen Plattformen verkaufen. 70% der Bevölkerung lehnen diese nationale Paketsteuer ab.

_„Mit dem 3-Euro-Pauschalzoll und der neuen 2-Euro-Bearbeitungsgebühr setzt die EU bereits gezielt bei Drittlandsimporten an und erzielt eine wünschenswerte Lenkungswirkung im europäischen Binnenmarkt. Die Zahlen unseres Consumer Checks belegen, dass dieser Weg funktioniert. Es gibt daher keinen sachlichen Grund, zusätzlich eine standortschädliche nationale Paketsteuer einzuheben, die tausende heimische Händler und Konsumenten trifft und die Inflation befeuert“_, so Handelssprecher RAINER WILL.

Nicht ohne Grund konnte bis dato kein einziges EU-Land eine nationale Paketabgabe erfolgreich umsetzen, das zeigen unzählige Beispiele wie Frankreich, Rumänien, Italien und die Niederlande. In Österreich ist leider nichts anderes zu erwarten. Nationale Alleingänge in diesem Bereich sind aufgrund der Umgehungsmöglichkeiten zum Scheitern verurteilt, da sie den heimischen Wirtschafts- und Digitalstandort enorm benachteiligen.

Die HV-ONLINE-PETITION „ÖSTERREICHISCHE PAKETSTEUER ABSCHAFFEN!“ wurde bereits von mehr als 24.000 Menschen unterzeichnet. Mehr dazu hier: https://mein.aufstehn.at/petitions/osterreichische-paketsteuer-abschaffen

Handelsverband
Mag. Gerald Kühberger, MA
Pressesprecher
Telefon: +43 (1) 406 22 36 77
E-Mail: gerald.kuehberger@handelsverband.at

Mag. Manuel Friedl
Senior Communications Manager
Telefon: +43 (1) 406 22 36 80
E-Mail: manuel.friedl@handelsverband.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender