28. Journalistinnenkongress: „Menschen folgen Menschen und nicht Marken“: Key Note von Eva Weissenberger zum Thema „Restart Journalism“

„2027 wird das Jahr für Journalistinnen, das wird euer Jahr“ – mit dieser provokanten These startet Eva Weissenberger ihren Talk mit dem Titel _Restart Journalism_. Zwar befänden wir uns aktuell in schwierigen Zeiten für den Journalismus, trotzdem sieht sie gleichzeitig „wahnsinnig viele Chancen“. Denn für Journalistinnen sei es die beste Zeit, das eigene Ding zu machen. Weissenberger erzählt von einem Kurs, den sie für 12 Redakteur*innen, „die sich verändern wollten“, gehalten hat. Viele seien mit Verzweiflung oder Kränkungen zu dem Kurs gekommen, andere waren erleichtert, großen Medienhäusern entkommen zu sein. Herausgegangen nach dem Kurs seien aber alle mit Motivation und Zuversicht, neue Wege zu bestreiten.

JOURNALISMUS – EINE BRANCHE IM WANDEL

Im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten sind die Vertriebs- und Produktionskosten für Content aktuell so tief wie noch nie, in vielen Fällen fast bei Null. Man denke zum Beispiel an einen Podcast mit einer KI-Stimme oder einen Newsletter, der ohne Papier funktioniert. Dies führt zu einer Flut von _infinite content_. „Das Einzige, was nicht billiger geworden ist, ist der Journalismus.“ Aber für Weissenberger verbergen sich in allem Übel überall auch gute Nachrichten, man müsse eben genauer hinschauen. Denn so einfach wie jetzt, selbst Journalismus mit wenig Ressourcen zu machen, war es eben auch noch nie. Es gäbe viele Nischen und diese zu finden und zu bedienen, sei die Zukunft. Die Zeit des _General Interest Medium_ sei vorbei.

DER MENSCH ALS MARKE

„Menschen folgen Menschen und nicht Marken“, erklärt Weissenberger. Das wird jetzt gerade besonders durch Social Media deutlich. Große Medienhäuser werden Journalist*innen wieder anstellen, aber wie Artists _signen_, so wie es große Plattenlabels mit Künstler*innen machen. Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist die Axel Springer Creator Plattform, wo nun auch der ehemalige stellvertretende Chefredakteur Paul Ronzheimer als erster _Creator_ beschäftigt ist. Weissberger sagt über Journalist*innen: „Was Content Creater können, können wir schon lange und das sogar besser.“

„WIE KANN ICH DAS, WAS ICH KANN, SO ANBIETEN, DASS ICH DAMIT GELD VERDIENE?“

Diese zentrale Frage stellt Weissenberger gegen Ende ihres Vortrags. Für eine Antwort kann man sich folgende Fragen selbst stellen: Was kann ich gut? Wofür könnte jemand mich bezahlen? Was mache ich gern? Was braucht ein bestimmtes Publikum? Und im besten Fall ergibt dies schließlich ein für sich selbst passendes Medienprodukt. „Ich habe gesagt, 2027 wird ein tolles Jahr, aber ich habe nicht gesagt, es wird ein leichtes Jahr“, sagt Weissenberger. Denn harte Arbeit gehört beim Werden einer Marke dazu. Die Selbstständigkeit sei nicht einfach. Sie bestehe auch aus vielen durchgearbeiteten Nächten, Verzweiflung bei Abrechnung von Förderungen sowie ungewohnten Preisverhandlungen und Absagen. „Niemand von uns bekommt gerne einen Korb. Man muss sich denken, jede Absage ist eine näher zur nächsten Zusage, so denken Verkäufer*innen.“ Weissenberger endet ihren Vortrag mit einer guten Nachricht und einem Appell: „Heute müssen wir niemanden mehr um Erlaubnis fragen, wir können unsere Geschichten einfach selbst erzählen und in die Welt hinausbringen, also tut das, _just do it_.“

Autor*innen: Claudia Ploner, Theresa Kapper

Österreichischer Journalistinnenkongress
Dr.in Ulrike Schöflinger
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