
Bauernbund: Digitalisierung wird Arbeit auf den Bauernhöfen grundlegend verändern
Moderne Technik soll das Leben, Arbeiten und Wirtschaften am Hof erleichtern
Wien (OTS) – Die von Bundesministerin Elisabeth Köstinger gestern
eingerichtete Plattform „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ soll
den Einsatz digitaler Technologien in der heimischen Land- und
Forstwirtschaft verstärken. „Wir begrüßen diese Initiative von
Köstinger, denn die Digitalisierung bietet zahlreiche Möglichkeiten,
um das tägliche Leben und die harte Arbeit unserer Bäuerinnen und
Bauern zu erleichtern. Durch moderne Überwachungssysteme wird
beispielsweise eine ständige physische Bindung an den Arbeitsplatz
überwunden, weil die Tiere über eine App am Smartphone beobachtet
werden können. Das sichert ein hohes Tierwohl und gleichzeitig können
Arbeiten am Feld verrichtet werden. Die Digitalisierung ermöglicht
es, Arbeitsschritte neben- und unabhängig voneinander zu erledigen“,
betont Bauernbund-Präsident Georg Strasser die Vorteile, welche die
Digitalisierung in der Landwirtschaft bietet.
Zahlreiche praktische Handlungsfelder durch Digitalisierung
„Die Digitalisierung bringt nicht nur eine Veränderung der Lebens-
und Arbeitsweise auf unseren Bauernhöfen, sie fordert auch, den
Umgang mit diesen neuen Technologien zu erlernen. So sind
beispielsweise elektronische Überwachungs-, Melk- oder
Reinigungssysteme in der Praxis schon üblich, doch stehen die
Bäuerinnen und Bauern damit erst am Anfang einer viel breiteren
Palette an Nutzungsmöglichkeiten“, so Strasser.
„Unter dem Stichwort Präzisionslandwirtschaft haben die heimischen
Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit, ressourcenschonend Ackerbau zu
betreiben, indem eine zielgenaue Ausbringung von Dünge- und
Pflanzenschutzmitteln sichergestellt wird. Eine intelligent
gesteuerte Mechanik ermöglicht, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
zu reduzieren. Aber auch in der Grünlandwirtschaft und der
Tierhaltung sehe ich Zukunftspotenzial. Beispielsweise kann das
Monitoring von Kühen mit Sensoren den genauen Gesundheits- und
Wachstumszustand einschätzen. Man kann dadurch die Kuh bei Erkrankung
frühzeitig behandeln und somit vorbeugend für mehr Tierwohl sorgen“,
unterstreicht der Präsident.
Mit der Digitalisierung wird der Land- und Forstwirtschaft eine
neue Gelegenheit eröffnet, mehrere zentrale Herausforderungen
einfacher zu bewältigen: „Durch die zielgenaue Steuerung der
Arbeitsabläufe auf den Bauernhöfen kann den hohen gesellschaftlichen
Ansprüchen in Sachen Tierwohl und Pflanzenschutz entsprochen und
gleichzeitig ein Betrag zur Erreichung der Klimaziele geleistet
werden. Die Landwirtschaft kann mit der fortschreitenden
Digitalisierung eine nachhaltige Lösung zur Bekämpfung des
Klimawandels liefern. Zudem bringt die Optimierung von
Arbeitsschritten langfristig auch betriebswirtschaftliche Vorteile
für die bäuerlichen Familienbetriebe“, stellt Bauernbund-Direktor
Norbert Totschnig fest.
Mit dem Bericht „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ will
Bundesministerin Köstinger Handlungsempfehlungen vorstellen und
dieses Thema „greifbar machen“. Der Bericht verweist auf das
Potenzial einer österreichweiten Digitalisierung und soll als
Grundlage für die Umsetzung konkreter Bildungsmaßnahmen und
Handlungsfelder in der Praxis dienen. Zusätzlich will das Ministerium
einen digitalen Muster-Bauernhof („Innovation Farm“) nach dem Vorbild
von Deutschland und der Schweiz gründen.
Nachfolgegeneration auf den Bauernhöfen digital ausbilden
„In Zukunft sollten Schülerinnen und Schüler bereits in der
agrarischen Ausbildung hinsichtlich des Themas Digitalisierung
sensibilisiert werden. Sie sollen lernen, mit agrarischer
Systemtechnik und modernen Informationstechnologien in allen
Bereichen umzugehen“, so Strasser zu den geplanten
Umsetzungsschritten des Ministeriums.
Das enorme Potenzial einer Digitalisierung der heimischen Land-
und Forstwirtschaft soll laut Plänen des Nachhaltigkeitsministeriums
vor allem in der Ausbildung verwirklicht werden. Es wird daher ab dem
nächsten Schuljahr am Lehr- und Forschungszentrum Francisco
Josephinum in Wieselburg einen eigenen fünfjährigen Schwerpunkt
„Landwirtschaft und Digitalisierung“ geben.
In den Höheren Bundeslehranstalten und in den landwirtschaftlichen
Fachschulen ist geplant, digitale Lernziele einzubetten. Neben den
Bildungsangeboten im ländlichen Raum soll die Digitalisierung auch
als wesentlicher Bestandteil der Curricula an der Hochschule für
Agrar- und Umweltpädagogik sowie der Universität für Bodenkultur
verankert werden. Zudem gibt es seit heuer einen Bachelor-Studiengang
der FH Wiener Neustadt für Agrartechnologie mit einem Schwerpunkt
„Digitalisierung“ und den Bachelor-Studiengang „Agrartechnologie und
-management“ an der FH Oberösterreich. „Auch der Beratung kommen im
Zeitalter der Digitalisierung vielfältige Rollen zu. Beraterinnen und
Berater sind nicht nur Multiplikatoren neuer Technologien, sie müssen
in ihrer täglichen Arbeit auch den Wandel hin zu neuen Steuerungs-
und Entscheidungsprozessen aufgreifen und für die Bäuerinnen und
Bauern nutzbar machen“, so Strasser. (Schluss)
Bauernbund Österreich
Martina Rieberer, BSc
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