Sieben disziplinen- und institutionenübergreifende Zukunftskollegs gefördert

FWF bewilligt Projekte im Umfang von 13 Mio. Euro für innovative und fächerübergreifende Zusammenarbeit hervorragender Nachwuchswissenschaftler/innen

Wien (OTS/FWF) – Das Kuratorium des Wissenschaftsfonds FWF hat
erstmals Zukunftskollegs (ZK) an österreichischen Forschungsstätten
bewilligt. In diesem Programm, das gemeinsam mit der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften (ÖAW) entwickelt wurde, arbeiten
Nachwuchstalente (Postdocs) in kreativen Teams fachübergreifend
zusammen. Die Zukunftskollegs werden für eine Periode von maximal
vier Jahren mit durchschnittlich 1,9 Millionen Euro pro Team aus
Mitteln der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und
Entwicklung (NFTE) und Mitteln des FWF gefördert.

Zwtl.: Großes Interesse, hoher Frauenanteil

Von den 58 Projektanträgen, die eingereicht wurden, fallen 33
Prozent in den Bereich Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften, 47
Prozent in den Bereich Biologie und Medizin und 20 Prozent in die
Natur- und Technikwissenschaften. Die Beteiligung von
Wissenschaftlerinnen ist mit knapp 46 Prozent erfreulich hoch, 30
Prozent davon in Leitungsfunktionen.

Zwtl.: Internationales Forschungs-Know-how

„Wissenschaft und Forschung findet vermehrt in Teams, die
institutionen- und disziplinenübergreifend arbeiten, statt“, betont
FWF-Präsident Klement Tockner und ergänzt: „Mit den Zukunftskollegs
wagen wir neue Forschungsansätze und unkonventionelle
Forschungskooperationen, um somit herausfordernde Themen bearbeiten
und besonders spannende Fragen beantworten zu können“.

„Die Zukunftskollegs stehen für Pionierleistungen in der
Grundlagenforschung durch fächerübergreifende Zusammenarbeit der
besten jungen Köpfe in Österreich“, sagt ÖAW-Präsident Anton
Zeilinger. „Mit diesem Förderungsprogramm wollen wir
Nachwuchstalenten in unserem Land neue Chancen in der Forschung
eröffnen. Der Austausch über die Grenzen von Disziplinen hinweg
ermöglicht zugleich völlig neue Perspektiven und Problemlösungen. Die
nun von einer internationalen Jury ausgewählten Projekte machen
dieses hohe Zukunftspotenzial eindrucksvoll deutlich“, so Zeilinger
weiter.

Zwtl.: Auswahlkriterien und Jury

Ausgewählt wurden die sieben Projekte auf Basis internationaler
Gutachten und der wesentlichen Kriterien wissenschaftliche
Originalität und Innovation sowie grenzüberschreitende Zusammenarbeit
des Teams im Rahmen einer Jurysitzung Anfang Dezember 2018 in Wien.
Der Jury sitzt Gabriele Bammer vor. Sie ist Professorin für
Integrations- und Implementierungswissenschaften an der Australian
National University (ANU). „Förderungsorganisationen weltweit sind
sich der Bedeutung bewusst, Erkenntnisse aus verschiedenen
Disziplinen zu kombinieren, um Innovationen anzuregen und komplexe
gesellschaftliche Probleme effizienter zu erörtern. Die Gestaltung
von Förderungsprogrammen zur Unterstützung dieser Forschung steckt
jedoch noch in den Kinderschuhen. Der FWF nimmt hier eine
Vorreiterrolle ein und die Zukunftskollegs könnten zum Modell für
andere Institutionen werden“, so Bammer.

Die nächste Ausschreibung der Zukunftskollegs soll im Frühjahr
2019 erfolgen. Details dazu werden ab Jänner 2019 auf der Website des
FWF veröffentlicht.

Zwtl.: Forschungsfragen von Physik über Genetik bis Archäologie

Die Forschungsschwerpunkte der neuen Zukunftskollegs widmen sich
unter anderem Innovationen im Bereich der Physik und
Computerwissenschaften zur lichtstimulierten Anregung von neuronalen
Zellen mit dem Ziel der neuronalen Regeneration. Zwei herausragende
Forschungsvorhaben beschäftigen sich mit Genetik und Fragen zur
RNA-Biologie. Hochdimensionales statistisches Lernen zur Entwicklung
neuer Methoden für die Wirtschafts- und Nachhaltigkeitspolitik sind
zwei weitere Themenkomplexe. Nicht zuletzt untersucht ein Konsortium
den Tempel der Artemis in Ephesos in Hinblick auf seine soziale,
wirtschaftliche und religiöse Bedeutung im Römischen Reich.

Zwtl.: Die sieben Zukunftskollegs im Einzelnen

(in alphabetischer Reihenfolge der Koordinatorin/des Koordinators)

* (Epi)transkriptomische RNA Modifikationen in
Entzündungsreaktionen & Darm-Mikrobiom-Kommunikation
Koordination: Florian Ebner, Medizinische Universität Wien
Partner: Universität Wien


Chronisch entzündliche Erkrankungen sind eine immer häufigere
Belastung für Patient/inn/en und die Gesundheitssysteme weltweit.
Besonders in westlichen Ländern treten entzündliche Darmerkrankungen
wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa in den letzten Jahrzehnten
vermehrt auf. Diese Krankheiten zeichnen sich durch wiederkehrende
Entzündungen des Magen-Darm-Traktes aus und sind heutzutage noch
nicht heilbar. Das Zukunftskolleg hat das Ziel, medizinisch relevante
Aspekte und Zusammenhänge zwischen RNA Editing und entzündlichen
Darmerkrankungen, der Kommunikation mit der Darmflora und der
Immunhomeostase genauer zu untersuchen.

* Emergenz der kausalen Ordnung in und jenseits der Quantentheorie
Koordination: Yelena Guryanova, Österreichische Akademie der
Wissenschaften


Die in der Physik und anderen Wissenschaften grundlegende Begriffe
von Ursache und Wirkung werden seit der Geburt der Quantentheorie
öfters hinterfragt. Kürzlich durchgeführte Experimente mit
elementaren Quantensystemen, vor allem Bell-Experimente, haben einen
starken Einfluss auf Begriffe wie „physikalische Realität“ und
„Kausalität“. In diesem Projekt wird der Begriff der Kausalität in
als auch jenseits der Quantentheorie untersucht, um unter anderem zu
verstehen, wie ein Zeitpfeil in allgemeineren Theorien zustande
kommen kann.

* Hochdimensionales statistisches Lernen: Neue Methoden für
Wirtschafts- und Nachhaltigkeitspolitik
Koordination: Gregor Kastner, Wirtschaftsuniversität Wien
Partner: Technische Universität Wien, Wirtschaftsforschungsinstitut
WIFO


In den letzten Jahren hat die Verfügbarkeit von großen Datenmengen
rasant zugenommen. Diese sind oftmals zu groß, komplex, schnelllebig
und zu schwach strukturiert um sie mit herkömmlichen Methoden der
Datenverarbeitung auszuwerten. Vorrangiges Ziel dieses Projekts ist
die Entwicklung und Anwendung von innovativen und zukunftsweisenden
Methoden zur Analyse von großen Datenmengen.

* Bioorthogonales Targeting von RNA
Koordination: Hannes Josef Mikula, Technische Universität Wien
Partner: Universität Wien


Aufgrund der biologischen Funktionen von RNA, dem enormen
Potential zur Regulierung biologischer Prozesse, sowie der
Assoziation zu verschiedensten Krankheiten, wurde RNA ein wichtiges
Target für die Entwicklung von diagnostischen und therapeutischen
Verfahren. Mehrere Strategien zur Manipulation und Detektion von RNA
wurden entwickelt. Jedoch sind gezielte Anwendungen bis dato noch
stark limitiert. Im Rahmen dieses Projektes sollen „programmierbare“
chemische Verbindungen hergestellt werden, die eine selektive Bindung
an RNA, gefolgt von einer bioorthogonalen Ligation, ermöglichen.
Diese Reaktion, die in lebenden Organismen gezielt ablaufen kann,
führt dazu, dass die chemische Verbindung auf der RNA fix verankert
wird.

* Standortwettbewerb und Wirtschaftspolitik: Diskurse,
Institutionen und Alltags-Praktiken
Koordination: Stephan Pühringer, Universität Linz
Partner: Universität Wien


Wettbewerb und Wettbewerbsfähigkeit spielen heutzutage in
politischen Debatten eine wichtige Rolle und dienen in vielen
Bereichen als Referenzpunkt für menschliches Handeln. Vor diesem
Hintergrund untersucht das transdisziplinäre Forschungsprojekt, wie
die ökonomische Wettbewerbslogik im akademischen Diskurs historisch
entstanden ist und in politische und öffentliche Debatten, Gesetze
und letztendlich auch unser Alltagsleben Einzug gehalten hat.

* LOGOS-TBI: Licht-kontrollierte organische Halbleiter-Implantate
bei SHT
Koordination: Muammer Ücal, Medizinische Universität Graz
Partner: Technische Universität Graz


Das Schädel-Hirn-Trauma bezeichnet eine Verletzung neuronaler
Strukturen im Gehirn aufgrund von äußerer Krafteinwirkung. In den
vergangenen Jahren wurde die elektrische Stimulation von Nerven
getestet, um verlorengegangene synaptische Verbindungen im Gehirn zu
ersetzen und die Regeneration eines neuronalen Netzwerkes anzuregen.
Derzeitige Methoden der Elektrostimulation benötigen jedoch eine
umfassende Verkabelung oder eine genetische Modifikation im Gehirn.
In diesem Projekt soll ein grundlegend neues Konzept entwickelt
werden, um Nervenzellen mit lichtaktiven Halbleiterstrukturen (sog.
Photocaps) zu stimulieren.

* Temenos und Territorium. Wirtschaftsmacht und soziale Bedeutung
des Artemisions von Ephesos im Römischen Reich
Koordination: Lilli Zabrana, Österreichische Akademie der
Wissenschaften


Das geplante Projekt widmet sich anhand des Artemisions in
Ephesos, eines der größten und bekanntesten Heiligtümer der Antike,
der Transformation eines antiken Heiligtums in römischer Zeit, der
Spätantike und den nachfolgenden mittelalterlichen Perioden. Über
bisherige Heiligtumsstudien hinausgehend verknüpft das Projekt
historische, archäologische, architektonische und geographische
Daten, um die Struktur des Artemisions von Ephesos sowohl räumlich
und zeitlich als auch soziokulturell zu verstehen.

FWF Der Wissenschaftsfonds
Marc Seumenicht
Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation
+43-1-505 67 40-8111
marc.seumenicht@fwf.ac.at
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Österreichische Akademie der Wissenschaften
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Leiter Öffentlichkeit & Kommunikation
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sven.hartwig@oeaw.ac.at
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