
Hagelversicherung: Rekorde werden durch Erderwärmung zur Normalität
Katastrophale Wettervielfalt prägte das Jahr 2018
Wien (OTS) – (Österreichische Hagelversicherung, 12. Dezember 2018):
Österreich ist ein Land, das aufgrund seiner Topographie besonders
von den negativen Folgen der Erderwärmung betroffen ist. Ein
Hitzerekord jagt den nächsten. Noch nie war die
Durchschnittstemperatur so hoch. Bislang war 2015 das wärmste Jahr
seit dem Beginn der Aufzeichnungen. Für das zu Ende gehende Jahr wird
wohl ein neuer Rekord zu verzeichnen sein. Und die Prognosen lassen
keine Veränderungen erkennen. Im Gegenteil: Diese rekordbrechenden
Temperaturen werden, sofern die Kohlendioxidemissionen weiter
ansteigen, in Zukunft keine Spitzen mehr darstellen, sondern
Normalität sein. Die Folgen des Klimawandels in Form der zunehmenden
Naturkatastrophen führen zu großem ökologischen und wirtschaftlichen
Schaden. „In den letzten sechs Jahren gab es fünf Jahre mit einem
Schaden jenseits der 200 Millionen Euro. So auch 2018: 270 Millionen
Euro Gesamtschaden in der Landwirtschaft. Der Wandel – nämlich der
Klimawandel – hat längst begonnen. Es braucht aber einen
gesellschaftspolitischen Wandel. Schnelle, weitreichende und
beispielslose Änderungen über alle Bereiche hinweg sind erforderlich,
um die Erderwärmung in den Griff zu bekommen“, zieht Dr. Kurt
Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen
Hagelversicherung, Bilanz.
2018: Jahr der Superlative – Vom Regen in die Dürre
Der trockenste Frühling seit 2012 bzw. der zweitwärmste Frühling,
der viertwärmste Sommer der Messgeschichte: 2018 könnte das
viertwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden.
Die Konsequenzen für die Landwirtschaft: Im Vergleich zu den
letzten beiden Jahren war der (Spät-)Frost heuer zum Glück kein
Thema. Allerdings hat der wärmste April seit dem Jahr 1800 und die
damit verbundenen frühsommerlichen Temperaturen das rapide Auftreten
des Rübenrüsselkäfers massiv beeinflusst. Ein Drittel der
Zuckerrübenanbaufläche wurde de facto aufgefressen, der große Schaden
durch den kleinen Käfer betrug 10 Millionen Euro. 85 Prozent der
Rübenanbaufläche ist umfassend und einzigartig im europäischen
Vergleich versichert. Ende Mai war in diesen Fällen die
Schadenserhebung finalisiert und die Entschädigung an die betroffenen
Landwirte überwiesen. Der Süden und Osten waren von April an durch
schwere Hagelunwetter mit sintflutartigen Regenfällen und
großflächigen Überschwemmungen konfrontiert: 30 Millionen Euro
Schaden. Die Landwirtschaft im Norden und Westen war extremer
Trockenheit ausgesetzt. Während der Tourismus über das sonnige Wetter
jubelte, litt die Landwirtschaft: So gab es heuer vom 24. Juli bis
zum 23. August eine durchgehende Hitzeperiode mit Tagen über 30 °C.
Vielerorts gab es nur 20 Prozent Niederschlag im Vergleich zum
langjährigen Durchschnitt. Die Herbstkulturen und insbesondere das
Grünland wurden in vielen Gebieten massiv geschädigt. Beim Grünland
wurde das Schadensbild noch durch das invasive Auftreten von
Engerlingen verstärkt. Durch die Dürre entstand ein Gesamtschaden
von 230 Millionen Euro. Die in Europa einzigartige
Dürreindexversicherung für das Grünland und die Kulturen Mais,
Zuckerrübe sowie Winterweizen konnte die Extremfälle abfedern. Ab
2019 wird das Modell, bei dem keine Schadenserhebung vor Ort
stattfindet, auf die Kulturen Soja und Winterroggen ausgeweitet.
Private-Public-Partnership Modell: Landwirte bezahlen 45 Prozent
der Prämie
„Diese Wetterextremereignisse zeigen, dass ein Risikomanagement
zunehmend für das wirtschaftliche Überleben in der Landwirtschaft
unverzichtbar ist. Agrarpolitisch wurde im heurigen Jahr ein weiterer
wichtiger Schritt gesetzt. Das international anerkannte
Private-Public-Partnership Modell, also die Prämienbezuschussung für
die Landwirte, wird für 2019 auf 55 Prozent ausgeweitet“, sieht
Weinberger die Notwendigkeit in der Absicherung der
standortgebundenen Landwirtschaft. Die erweiterte Prämienförderung
kommt bei allen landwirtschaftlichen Kulturen für die Risiken Hagel,
Frost, Sturm, Dürre und Überschwemmung zur Anwendung. Neu
hinzugekommen ist 55 Prozent Prämienbezuschussung bei der
Tierversicherung. Aufgrund der Tierseuchensituation (Beispiel
Afrikanische Schweinepest in angrenzenden Staaten) werden ab 2019
auch Tierseuchen und Tierkrankheiten bezuschusst. Zusätzlich wurde
auch die Versicherungssteuer angepasst: Zukünftig beträgt diese 0,2 ‰
der Versicherungssumme, statt bisher 11 % der Versicherungsprämie.
Conclusio: Risikomanagement wichtiger denn je
Nur ein stabiler Agrarsektor, der Einkommensausfälle nach
Naturkatstrophen bewältigen kann, ist auf Dauer in der Lage,
regionale Lebensmittel zu produzieren. Daher wird es künftig nur mit
umfassenden Ernteversicherungen möglich sein, die Auswirkungen des
Klimawandels für die Landwirte langfristig kalkulierbar zu machen.
„Als Versicherer von Naturkatastrophen lösen wir das Problem, nicht
aber die Ursache. Wenn Wissenschaftler den Klimawandel beschreiben,
arbeiten sie häufig mit der Zukunft. Ich als Finanzmanager sage aber:
Wir brauchen jetzt radikale Änderungen. Das Klima gönnt uns keine
Pause. Denn je höher die Temperaturen steigen, umso häufiger werden
Dürre, Starkregen und Überflutungen. Wir haben eine verzerrte
Wahrnehmung: Nicht das Klima ist schuld, dass die Naturkatastrophen
zunehmen. Das Klima hält uns nur vor Augen, welchen Raubbau wir an
Mutter Erde betreiben, zum Beispiel beim Bodenverbrauch! Wir sind die
erste Generation, die den Klimawandel vollauf versteht, und die
letzte Generation, die in der Lage ist, etwas dagegen zu tun. Das
sind wir unseren Kindern schuldig“, so Weinberger abschließend.
Österreichische Hagelversicherung VVaG
Dr. Mario Winkler
Pressesprecher
+43 1 403 16 81-42
m.winkler@hagel.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender