
Nach 9 ½ Stunden Bürobesetzung Schwaiger beendet: Gespräch mit Landesrat möglich
Für Jagdgatter Mayr-Melnhof beginnt die Uhr zu ticken: Enten auszusetzen sofort verboten, Damhirsche ab 2027 frei, Wildschweinpopulation wird stark reduziert werden müssen
Wien (OTS) – Tierschutzvertreter_innen hatten 2016 und 2017 mit dem
zuständigen Landesrat Dr. Josef Schwaiger über ein Gatterjagdverbot
sprechen können. Doch seit der neuen Regierungsbildung gab es trotz
regelmäßiger Anfragen in den letzten 6 Monaten keinen Termin. Dann
ging überraschend ein Gesetzesvorschlag in Begutachtung. Deshalb
kamen gestern 15 Tierschützer_innen knapp vor 10 Uhr ins Büro von
Landesrat Schwaiger, um die offenen Fragen zu den Übergangsregelungen
für das Jagdgatter Mayr-Melnhof zu besprechen. Sie wurden abgewiesen
und aufgefordert, ihre Vorschläge schriftlich einzubringen. Nach 7
stündiger Wartezeit sollte das Amt schließen und man drohte den
Aktivist_innen mit Räumung. Daraufhin ketteten sich die meisten an
die Heizung und die Bestuhlung des Vorraums des Büros von Landesrat
Schwaiger. Schließlich kamen 42 Beamt_innen der Polizei, um die
Räumung durchzuführen. Da die Besetzer_innen aber lediglich mit dem
Landesrat sprechen wollten, konnte der stellvertretende
Stadtkommandant der Polizei vermitteln und ein Telefongespräch mit
dem Landesrat arrangieren. Daraufhin verließen alle
Tierschützer_innen freiwillig das Amt.
Landesrat Schwaiger sprach lange und ausführlich in amikaler
Atmosphäre mit dem VGT-Obmann Martin Balluch. Folgende Fakten zum
Jagdgatter Mayr-Melnhof stehen nun fest:
Mayr-Melnhof wird keine Enten mehr im Jagdgatter aussetzen
dürfen.nDie seinerzeit künstlich ausgesetzte Damhirschpopulation muss bis Anfang 2027 so reduziert werden, dass der Rest dann durch den offenen Zaun das Gatter verlassen kann.nDie Wildschweinpopulation muss derart reduziert werden, dass ab Anfang 2027 die Restpopulation ohne die momentan massiven Fütterungen auskommen kann. Füttern sei dann nur noch zu Notzeiten, z.B. bei überfrorenem Boden, und zu Vegetationsbeginn erlaubt.nMayr-Melnhof darf keine Treibjagden mehr durchführen.nAlles Weitere, insbesondere mögliche Einschränkungen durch Vorgaben von Natura 2000 oder konkrete Auflagen für die Größe der Wildschweinpopulation, werde nach Beschluss der Jagdgesetznovelle nach Beratung durch Expert_innen bei Bedarf auf dem Verordnungsweg geregelt. Zur Diskussion über solche Verordnungen ab etwa Ende 2019 wurde der VGT explizit eingeladen.n VGT-Obmann Martin Balluch dazu: „Eines ist nun klar: für das Ende
des Jagdgatters Mayr-Melnhof hat die Uhr zu ticken begonnen. Doch
hängt vieles davon ab, was letztlich an Auflagen für die
Wildschweinpopulation vorgeschrieben wird. Faktum ist, dass in der
Antheringer Au zum Zeitpunkt der Errichtung des Gatters keine
Wildschweine gelebt haben. Diese Tiere wurden, zusammen mit den
Damhirschen, künstlich dort ausgesetzt. Dass man die Wildschweine nun
als Mittel zur Erpressung benutzt, um das erzwungene Abreißen des
Zaunes zu verhindern, ist eine bodenlose Frechheit. Dennoch: die
Spaßjagden mit illustren Gästen und das Massaker an hunderten
Wildschweinen dürfte bald der Vergangenheit angehören. Doch das Ziel
muss weiterhin sein, den Zaun letztlich zu entfernen und ein
vorbildliches Natura 2000 Gebiet zu etablieren, das diesen Namen auch
verdient.“
VGT – Verein gegen Tierfabriken
DDr. Martin Balluch
Kampagnenleitung
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