
Anlässlich der israelischen Parlamentswahlen: „WELTjournal Spezial: Siedler-Träume – Israels schwere Hypothek“
Preisgekrönte Dokumentation „The Settlers“ des israelischen Filmemachers Shimon Dotan am 4. März um 22.30 Uhr in ORF 2
Wien (OTS) – Anlässlich der israelischen Parlamentswahlen zeigt das „WELTjournal“ – präsentiert von Patricia Pawlicki – am Mittwoch, dem 4. März 2020, um 22.30 Uhr in ORF 2 in einer Spezialausgabe die preisgekrönte Dokumentation „The Settlers“ des israelischen Filmemachers Shimon Dotan.
Hochspannung in Israel: Bringen die dritten Wahlen innerhalb eines Jahres endlich klare Verhältnisse? Wer immer die nächste israelische Regierung bilden wird, hat eine schwere Hypothek zu tragen: die steigenden Erwartungen der 450.000 jüdischen Siedler/innen im palästinensischen Westjordanland, die die Politik des Landes vor sich hertreiben. Die radikalen Siedler fordern, gestärkt durch die Haltung der Trump-Regierung, die Eingliederung ihrer umstrittenen Siedlungen in den israelischen Staat, ungeachtet der Tatsache, dass der Siedlungsbau in den besetzten Palästinensergebieten als völkerrechtswidrig gilt.
Obwohl die Likud-Partei von Benjamin Netanjahu auf die Stimmen der Siedler angewiesen ist, musste der Regierungschef sein Versprechen an sie zurücknehmen: Die Annexion von einem Drittel des Westjordanlandes wird auf die Zeit nach der Wahl verschoben. Der Grund für Netanjahus Schwenk liegt in Washington: Die USA fordern nämlich Mitsprache bei der geplanten Verschiebung der Grenzen. In den vergangenen Jahren ist die Zahl jüdischer Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten enorm gestiegen, die jüdische Bevölkerung dort wächst dreimal so schnell wie jene in Israel. Das liegt einerseits an den vergleichsweise niedrigen Grundstückpreisen, die immer mehr Israelis in die umstrittenen Siedlungen locken. Andererseits unterscheidet sich der Lebensstil der Siedler/innen vom Rest der israelischen Bevölkerung: Viele Familien dort sind streng religiös und haben weit mehr Kinder als die Bewohner/innen der großen israelischen Städte. Politisch verstehen sich die Siedler als Speerspitze eines „Groß-Israel“ und stellen die seit 1948 geltenden Grenzen in Frage.
Shimon Dotans Film beschäftigt sich mit dem Leben und der Ideologie der jüdischen Siedler in den besetzten Gebieten, den Anfängen und der Entwicklung der Siedlerbewegung und den teils tödlichen Konflikten mit den palästinensischen Nachbarn. Dotan begleitet sowohl die heutigen Siedler als auch die Pioniere der Siedlungsbewegung von einst. Etwa den knapp 70-jährigen Yehuda Etzion, der plante, die Felsendom-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem in die Luft zu sprengen, um einen neuen Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten zu entfachen. Den Veteran Benny Katzover, der offen für die Abschaffung der Demokratie in Israel kämpft. Den jungen Hanamel Dorfman, der illegale Vorposten quer durch das Westjordanland errichtet und sich auf alt-biblisches Gesetz beruft. Und die sogenannte „Übermutter der Siedler“, die 75-jährige Daniella Weiss, Pionierin der ersten Stunde, die die Inbesitznahme des palästinensischen Westjordanlandes als religiöses Gebot sieht, als „Befreiung des Landes, das Gott den Vätern des jüdischen Volkes Abraham, Isaak und Jakob gegeben hat“, wie sie sagt.
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