
Ein Jahr nach dem Zyklon: Opfer in Mosambik zwischen Traumatisierung und Aberglaube
Langfristige Hilfe: SOS-Kinderdorf klärt über psychische Erkrankungen auf und bietet Therapien
Wien/Beira (OTS) – Der Zyklon Idai, der am 15. März 2019 Verwüstung und Zerstörung nach Mosambik brachte, hinterließ nicht nur hunderttausende zerstörte Häuser und über 700 Tote, sondern auch unzählige verzweifelte und traumatisierte Menschen. „Die unglaublich große Unterstützung von Spenderinnen und Spendern hat es uns ermöglicht, umfassende Soforthilfe für die Betroffenen zu leisten und weiterführende Betreuung für traumatisierte Opfer zu etablieren“, sagt Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf. „Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken.“ Die Helferinnen und Helfer kämpfen ein Jahr danach vor allem mit mangelndem Verständnis für psychische Erkrankungen, Aberglaube und Interventionen von Wunderheilern.
Das Ausmaß der Katastrophe war unbeschreiblich, viele Orte standen unter Wasser, tausende Menschen, darunter viele Familien und Kinder, waren obdachlos, ohne Nahrung, ohne medizinische Versorgung. In der ersten akuten Notsituation verteilte SOS-Kinderdorf Lebensmittel und Hygieneartikel an 500 Familien. 200 Kinder wurden von SOS-Kinderdorf in Notunterkünften im SOS-Kinderdorf Beira aufgenommen. Dort konnten sie in einer sicheren Umgebung spielen und lernen und wurden psychologisch betreut.
„Ich dachte, sie wäre von bösen Geistern befallen“
„Meine Mutter lief plötzlich von Zuhause weg, als sie wiederkam, hat sie halluziniert und wirre Stimmen gehört“, erzählt Sarita (18), deren Haus und Lebensgrundlage durch den Zyklon zerstört wurde. „Ich hätte nicht gedacht, dass sie krank ist, sondern war sicher, dass böse Geister sie befallen haben.“ Saritas Mutter verlor nicht nur ihr gesamtes Hab und Gut durch den Zyklon, sondern einige Wochen später auch ihre sieben Monate alte Tochter durch einen Cholera-Ausbruch in Beira. Wie sie, leiden viele Opfer des Zyklons noch immer unter Traumatisierungen.
„Psychotherapeutischer Aufarbeitung und Hilfe stehen leider oft traditionelle Bilder im Weg“, erklärt Moser. „Hilfe wird nicht bei Psychologen und Psychiatern gesucht, sondern bei traditionellen Heilern.“ Sie sollen Kontakte mit den Toten aufnehmen, um die bösen Geister zu vertreiben.“ Auch Saritas Mutter wurde von Verwandten zu einem „Hexenarzt“ gebracht und Sarita mit ihren jüngeren Geschwistern alleine zurückgelassen. In dieser Situation half SOS-Kinderdorf, die Kinder zu versorgen und der kranken Mutter zu behandeln.
SOS-Kinderdorf startete ein Programm, um Betroffene und deren Familie über psychische Erkrankungen und Traumatisierungen aufzuklären. „Wir möchten den Erkrankten helfen, mit ihren Erfahrungen klar zu kommen, Stigmatisierung abzubauen und Behandlungen zu bekommen“, erklärt Moser. Im vergangenen Jahr nahmen bereits über 500 Familien an Therapiesitzungen teil. „Unsere Arbeit in Katastrophenfällen ist nach der ersten Nothilfe nicht erledigt. Die Folgen des Zyklons sind für die Menschen jahrelang spürbar, wir lassen sie damit nicht alleine“, so Moser abschließend.
Für die Hilfe in Ländern wie Mosambik benötigen wir Spenden, die wir genau dort einsetzen, wo sie am dringendsten benötigt werden.
Spendenkonto: IBAN AT 62 1600 0001 0117 3240, Kennwort: Nothilfe
[www.sos-kinderdorf.at] (http://www.sos-kinderdorf.at/)/nothilfe
SMS Spenden mit gewünschtem Spendenbetrag an 0676 800 7010, Kennwort: Nothilfe
SOS-Kinderdorf
Susanne Schönmayr
+43 676 88144239
susanne.schoenmayr@sos-kinderdorf.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender