
NÖ Industrie: Aufschwung ist angelaufen, jetzt fehlen die Impfungen
Im ersten Quartal 2021 zeichnet sich in der nö. Industrie eine Erholung ab. Entscheidend sind nun die Erreichbarkeit von Nah- und Fernmärkten und die Eindämmung des Fachkräftemangels.
Wien/St. Pölten (OTS) – „Auch, wenn die Pandemie und die daraus resultierende Krise noch nicht überwunden sind – die wirtschaftliche Erholung ist in den niederösterreichischen Industriebetrieben bereits angelaufen. Wichtig ist jetzt, dass dieser Aufschwung nicht durch weitere Verzögerungen bei der Impfstrategie oder den Fachkräftemangel gebremst wird“, sagt Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung NÖ (IV-NÖ) anlässlich der Ergebnisse der IV-NÖ-Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2021.
ZT: Salzer: „Schlüsselkräfte in der Impfstrategie priorisieren“
„Sobald die Impfungen der Menschen aus Hochrisikogruppen abgeschlossen sind, müssen international tätige Schlüsselkräfte bei der Impfstrategie vorgezogen werden. Die Industrie produziert für den Weltmarkt. Wir müssen zu unseren Kunden reisen können, andernfalls verlieren wir Aufträge – und das gefährdet Arbeitsplätze“, appelliert Salzer. Bereits jetzt haben sich rund 400 Unternehmen aus NÖ als betriebliche Impfstelle vorangemeldet – etwa ein Drittel davon ist aus der Industrie.
„Die Umfrageergebnisse geben Grund zur Hoffnung. Wichtig ist, dass Österreich beim weltweiten Aufschwung jetzt nicht den Anschluss verliert“, so Salzer. Das IV-NÖ-Konjunkturbarometer, mit dem das Geschäftsklima als Mittelwert zwischen der Beurteilung der aktuellen und der Geschäftslage in sechs Monaten erfasst wird, ist im ersten Quartal 2021 von +16 auf +30,6 Punkte deutlich gestiegen. Zum zweiten Mal seit Beginn der Coronakrise überwiegen die positiven Einschätzungen unter den quartalsweise befragten Industrieunternehmen.
Bei den erhobenen Detailergebnissen kam es ausnahmslos zu Verbesserungen gegenüber dem vierten Quartal 2020. Zurückzuführen ist die kräftige Erholung vor allem auf erhöhte Nachfrage in der Kfz-Zulieferindustrie und der chemischen Industrie. In diese Branchen fällt Großteil der niederösterreichischen Industrieunternehmen. Darüber hinaus gibt es jedoch auch Branchen, die starke Einbußen verzeichneten – etwa die Luftindustrie oder Gastronomiezulieferer.
ZT: Mehrheit der Betriebe rechnet mit gleichbleibendem Beschäftigtenstand
Nahezu drei Viertel (71%) der befragten Unternehmen rechnen mit einem gleich bleibenden Beschäftigtenstand in drei Monaten. Knapp ein Viertel (23 %) rechnet in den kommenden drei Monaten sogar mit einem höheren Beschäftigtenstand, während nur noch sechs Prozent von einem niedrigeren Beschäftigtenstand in den kommenden drei Monaten ausgehen. Unterm Strich ergibt das einen Bewertungssaldo von +17 Prozentpunkten und eine deutliche Verbesserung zum Vorquartal, wo die negativen Einschätzungen mit einem Bewertungssaldo von -42 Prozentpunkten noch einen deutlichen Überhang hatten.
„Im Vergleich zur Gastronomie und den persönlichen Dienstleistungen haben sich die Arbeitsplätze in der Industrie als krisensicher erwiesen“, resümiert Salzer. Der Fachkräftemangel sei jedoch nach wie vor ein Thema – und das obwohl es mehr Arbeitslose gibt als in der Zeit vor der Krise.
„Den Menschen, die jetzt auf Arbeitssuche sind, fehlen leider sehr oft die Qualifikationen, die in der Industrie benötigt werden“, sagt Salzer und warnt davor, dass der Fachkräftemangel den Aufschwung einbremsen könnte. Darüber hinaus sei auch die Lehrlingsrekrutierung in der Pandemie herausfordernd: „Die Zahl der Lehranfänger in der niederösterreichischen Industrie ist im Vorjahr von 738 auf 635 zurückgegangen. Viele Betriebe befürchten, dass sich das heuer fortsetzen könnte, wenn Lehrlingsmessen und Tage der Offenen Tür nicht möglich sind. Zudem hören wir aus einigen Unternehmen, dass es im Vorjahr weniger HTL-Abbrecher gegeben hat. Für die Industriebetriebe sind die HTL-Abbrecher jedoch sehr wichtig, weil sie ein gutes Grundwissen für eine technische Lehrausbildung mitbringen“, so Salzer.
ZT: Zunehmender Optimismus für die kommenden Monate
Während der Fachkräftemangel den Unternehmen zunehmend Sorgen bereitet, sind die Prognosen für die kommenden Monate deutlich besser ausgefallen als im vierten Quartal 2020. So stieg etwa der Bewertungssaldo bei der Produktionstätigkeit in drei Monaten von -7 auf +34 Prozentpunkte und ist damit wieder eindeutig im positiven Bereich. Dabei bewerteten nur noch vier Prozent der Unternehmen ihre Produktionsstätigkeit in drei Monaten als schlecht, während 37 Prozent von einer Verbesserung in den nächsten drei Monaten ausgehen. Bei der Produktionskapazität in drei Monaten geht die Mehrheit (60%) von gleichbleibenden Kapazitäten aus und ein gutes Drittel (35%) von einer Steigerung. Nur noch fünf Prozent rechnen mit einer abnehmenden Produktionskapazität. Unterm Strich stieg der Bewertungssaldo merklich von +5 auf +30 Prozentpunkte.
Deutlich verbessert hat sich die Einschätzung zu den Verkaufspreisen in den nächsten drei Monaten. 29 Prozent der befragten Betriebe gehen von steigenden Verkaufspreisen aus, und nur noch 7 Prozent von fallenden Verkaufspreisen. Der Rest (64%) rechnet mit gleichbleibenden Verkaufspreisen. „Grund dafür sind einerseits die starke globale Nachfrage nach bestimmten Industrieprodukten wie Halbleitern oder Baustoffen, andererseits sehen sich viele Industriebetriebe gezwungen, die aktuell sehr hohen Rohstoffpreise nach der Verarbeitung weiterzugeben“, so Salzer.
Passend dazu haben sich auch die Erwartungen bezüglich der Ertragssituation in sechs Monaten deutlich verbessert: 34 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Erträge im nächsten halben Jahr, während 12 Prozent mit weniger Erträgen rechnen. Unterm Strich stieg der Bewertungssaldo hier von -27 Prozentpunkten im Vorquartal auf +22 Prozentpunkte. Auch bei der Geschäftslage in sechs Monaten stieg der Bewertungssaldo von -2 auf +18 Prozentpunkte und ist damit eindeutig im positiven Bereich – und das erstmals seit drei Jahren. 28 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer günstigeren Geschäftslage im nächsten halben Jahr und nur noch 9 Prozent mit einer Verschlechterung. Mehr als die Hälfte (63%) rechnet mit einer gleich bleibenden Geschäftslage in sechs Monaten.
Der Bewertungssaldo bei der aktuellen Geschäftslage ist seit dem vierten Quartal von +35 auf +43 Prozentpunkte gestiegen und damit einmal mehr im deutlich positiven Bereich. Nur noch sechs Prozent der befragten Betriebe verzeichnen aktuell eine schlechte Geschäftslage, während 49 Prozent ihre Geschäftslage als gut und 45 Prozent als befriedend beurteilen.
Bei der Einschätzung des aktuellen Auftragsstands stieg der Saldo leicht von +24 Prozentpunkten auf +27. Deutlich gebessert hat sich die derzeitige Ertragssituation: Hier stiegt der Bewertungssaldo von +5 Prozentpunkten im Vorquartal auf nunmehr +25 Prozentpunkte. Verbessert haben sich ebenso die Einschätzungen zu den aktuellen Auslandsaufträgen: Hier stieg der Saldo von +20 im Vorquartal auf +32 Prozentpunkte.
Einmal mehr betont Salzer, wie wichtig es ist, dass reisende Schlüsselkräfte möglichst rasch einen Zugang zur Impfung bekommen:
„Die Industrieunternehmen sind auf die Auslandsmärkte und damit auch auf internationale Geschäftsreisen angewiesen. Wenn die Schlüsselkräfte nicht möglichst rasch zu einer Impfung kommen, haben wir einen großen Wettbewerbsnachteil gegenüber allen anderen Industrienationen, in denen schon deutlich mehr geimpft wurde“, so Salzer.
Pressefotos, Grafiken und Datenblätter in Kürze unter:
niederoesterreich.iv.at/de/presse/
Industriellenvereinigung Niederösterreich
Gerti Wallner, M.A.
+43 (1) 71135 – 2445
gerti.wallner@iv.at
www.niederoesterreich.iv.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender