Ankauf Gusen: Ein Meilenstein für die Gedenkkultur in Österreich

Die Gedenkstätte Mauthausen begrüßt den Ankauf von Grundstücken auf dem Gelände des ehemaligen KZ Gusen. Das ist der nächste Schritt zur Weiterentwicklung der Gedenkstätte Gusen.

Wien (OTS) – Auf diesen Grundstücken befinden sich heute noch wesentliche bauliche Überreste des ehemaligen KZ Gusen, so etwa der ehemalige Appellplatz, zwei SS-Baracken oder der Schotterbrecher. Die Integration dieser bedeutsamen Bereiche in die bestehende KZ-Gedenkstätte Gusen ist ein wichtiges Signal der Republik im Gedenken an die mehr als 35.000 Opfer dieses in Österreich lange Zeit vergessenen Zweiglagers des KZ Mauthausen. Anders als das zur Gedenkstätte gewidmete KZ Mauthausen wurde das KZ Gusen früh abgetragen und teilweise mit einer Siedlung überbaut. Gegenwärtig weisen vor Ort allein das von internationalen Überlebendenverbänden errichtete Memorial Gusen und das daran anschließende Besucherzentrum auf die Existenz eines Lagers dieses Ausmaßes hin.

„Der positive Abschluss der ersten Verkaufsverhandlungen durch die Republik Österreich ist daher ein Meilenstein für die Gedenkkultur und die Aufarbeitung der NS-Geschichte in Österreich. Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen wird sich dafür einsetzen, dass die weitere Gestaltung der neuen Grundstücke unter Einbeziehung regionaler, nationaler und internationaler Interessenvertreter erfolgt. Auch die Anliegen der regionalen Bevölkerung müssen bei einer Erweiterung der Gedenkstätte, die mitten im Ortsgebiet von Langenstein liegt, gehört werden“, erklärt Barbara Glück.

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist angesichts ihres inhaltlichen und organisatorischen Know-hows bereit, gemeinsam mit regionalen, nationalen und internationalen Partner*innen, diesen so wichtigen Gedenkort weiterzuentwickeln und hofft dabei auf eine breite Unterstützungsbasis in der Bewusstseinsregion Mauthausen – St. Georgen – Langenstein. „Die Einigung der Republik Österreich mit den Grundstückseigentümern ist 76 Jahre nach der Befreiung eine einzigartige Chance, eine zeitgemäße, der historischen Dimension dieses Lagers entsprechende Gedenkstätte zu errichten. Sie ist ein wichtiges Zeichen für alle Überlebende und eine würdige Erinnerungsstätte für die zahlreichen Opfer“, erläutert Glück.

Das ehemalige Zweiglager Gusen ist aktuell Schwerpunktthema der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. So wird in Kürze eine Progressive Web App präsentiert, welche noch vorhandene Spuren dieses Lagers in der gesamten Region dokumentiert und historisch kontextualisiert. Ein neues Rundgangs-Format für Besucher*innen, das die ehemaligen Konzentrationslager Gusen und Mauthausen verbindet und dabei Unterschiede wie auch Gemeinsamkeiten aufzeigt, ist in Vorbereitung. Unter dem Hashtag #bildungsarbeitdigital veröffentlicht die Gedenkstätte derzeit wöchentlich ein Video mit Wissenswertem zum ehemaligen KZ Gusen.

Die bestehende KZ-Gedenkstätte Gusen geht auf eine Initiative der internationaler Überlebendenverbände zurück. Der nun durch die Republik Österreich beschlossene Ankauf von Grundstücken unterstreicht die nationale und internationale Bedeutung des Gedenkortes Gusen.

Am 5. Mai 1945 befreiten Soldaten der U.S. Army in Gusen mehr als 20.000 KZ-Häftlinge, der Großteil stark unterernährt und in katastrophalem gesundheitlichem Zustand. In diesem wenig bekannten Konzentrationslager waren zu diesem Zeitpunkt mehr Menschen als im Hauptlager Mauthausen interniert. Nur wenige Überreste deuten heute auf die Existenz eines Lagers dieses Ausmaßes hin. Mehr als die Hälfte der mindestens 71.000 hierher deportierten Menschen kam in Gusen zu Tode.

KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Mauthausen Memorial
Gregor Panis, BA
Leitung Öffentlichkeitsarbeit
Argentinierstraße 13, 1040 Wien
Tel: +43 664 969 37 37
E-Mail: gregor.panis@mauthausen-memorial.org
www.mauthausen-memorial.org

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