Nehammer: Ankauf verbliebener Teile des ehemaligen KZ Gusen sichtbares Zeichen der Erinnerung

Konzepte für weitere Gestaltung werden gemeinsam mit internationalen, nationalen und regionalen Stakeholdern ausgearbeitet

Wien (OTS) – „76 Jahre nach der Befreiung Österreichs von den Nationalsozialisten setzt die österreichische Bundesregierung mit dem Ankauf von Liegenschaften des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen ein sichtbares Zeichen der Erinnerung“, sagte der für die Gedenkstätten zuständige Innenminister Karl Nehammer bei dem Gedenken am 4. Mai 2021 in der KZ-Gedenkstätte Gusen in Oberösterreich am Vorabend des Befreiungstages des ehemaligen Konzentrationslagers.

Die durch die Finanzprokuratur geführten Verhandlungen konnten vor Kurzem positiv abgeschlossen werden: „Mit dem Eingang zum Stollensystem Bergkristall in St. Georgen sowie den beiden SS-Verwaltungsbaracken, dem Schotterbrecher und dem Appellplatz in Langenstein können zentrale Liegenschaften des ehemaligen KZ Gusen für die Republik erworben werden“, betonte Nehammer. Das seien wichtige Schritte am Weg zu einem würdigen Gedenken vor Ort, ergänzte der Innenminister.

Die Republik Österreich nehme die historische Verantwortung wahr und setze einen weiteren Schritt in Richtung Erweiterung der bestehenden Gedenkstätte, betonte Nehammer. „Die Konzepte für eine weitere Gestaltung dieser Flächen sollen gemeinsam mit internationalen, nationalen und regionalen Stakeholdern unter der Federführung der Bundesanstalt Mauthausen Memorial ausgearbeitet werden.“

Bedeutung einer aktiven Erinnerungskultur

In weiterer Folge werden die Liegenschaften nun formell durch die Burghauptmannschaft (BHÖ) für die Republik erworben und dann dem Innenministerium zur Verfügung gestellt. Als für die BHÖ zuständige Ministerin verwies Bundesministerin Margarete Schramböck auf die Bedeutung einer aktiven Erinnerungskultur.

„Niemals wieder darf sich dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte wiederholen. Wir alle tragen dafür Verantwortung. Der Nationalsozialismus und seine Gräueltaten dürfen daher nie in Vergessenheit geraten. Das KZ Gusen ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch der Auseinandersetzung mit unserer Verantwortung. ‚Niemals wieder‘ ist ein Auftrag für die Zukunft. Mit dem Ankauf des Areals des ehemaligen KZ Gusen setzen wir einen historischen Schritt, um aktive Erinnerungspolitik für weitere Generationen zu ermöglichen“, sagte Schramböck.

Gedenkfeier im kleinsten Rahmen

Um den verbindenden Charakter der Gedenkstätte zu betonen, waren bei der im kleinsten Rahmen abgehaltenen Kranzniederlegung neben dem Landeshauptmann von Oberösterreich und dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wiens auch die Botschafter des Staates Israel, der Vereinigten Staaten, Frankreichs und Polens sowie Luxemburgs anwesend.

„Es liegt in unserer Verantwortung, die Erinnerungen an das unvorstellbare Leid und die Gräueltaten und Menschenverachtung des NS-Regimes wachzuhalten. Unser Auftrag lautet, gerade angesichts aktueller Vorfälle, weiterhin mit aller Konsequenz gegen Hass, Hetze und jeglicher Form von Rassismus vorzugehen. Wir müssen uns bewusst sein, dass Freiheit und Befreiung nicht nur im Mai 1945 zu uns gekommen sind, sondern, dass Freiheit und Demokratie ein bleibender Auftrag sind“, sagte Landeshauptmann Thomas Stelzer.

Bildungsarbeit möge an diesem Ort künftig gefördert und ein würdiges Gedenken für alle beteiligten Interessensgruppen in Zukunft sichergestellt werden, sagte Nehammer. „In einer Zeit, in der die Stimmen der Zeitzeugen leiser werden, müssen die Gedenkstätten immer lauter sprechen. Möge die neue Gedenkstätte in Gusen den Opfern zur Erinnerung und den Lebenden zur Mahnung dienen.“

Gusen mit 25.000 Gefangenen größtes Konzentrationslager in Österreich

Im Konzentrationslager Gusen waren zwischen 1939 und 1945 mindestens 71.000 Personen aus 30 Ländern inhaftiert. Es war mit einem Höchststand von rund 25.000 Gefangenen das größte Konzentrationslager in Österreich. Im Unterschied zum KZ Mauthausen geriet es nach 1945 innerhalb kurzer Zeit in Vergessenheit. Auf Initiative von Überlebenden wurde dort später eine Gedenkstätte errichtet, die mittlerweile von der Bundesanstalt Mauthausen Memorial betreut wird.

„Auch in Gusen wurden Menschen gequält und ermordet. Jahrzehntelang wurden die Gräuel negiert, jetzt endlich wird mit dem Ankauf des Areals und der Entwicklung einer Gedenkstätte ein wichtiger Akzent in der kurzen Aufarbeitungsgeschichte gesetzt. Spät, aber doch nimmt die Republik ihre Verantwortung wahr und ehrt mit dem Sichtbarmachen und dem Gedenken nicht nur die Toten, sondern dient allen nachkommenden Generationen“, sagte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Religionsgesellschaft Österreich (IRG), anlässlich der Kranzniederlegung.

Am 8. Mai 2020 hat sich die Bundesregierung in einem Ministerratsvortrag zum Ankauf verbliebener Flächen des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen und zur Weiterentwicklung der bestehenden Gedenkstätte entschlossen.

Videoprojektion und gemeinsame Erinnerung im Internet

Mit einem Themenschwerpunkt und einer Videoprojektion wird die KZ-Gedenkstätte Mauthausen den 90.000 Opfern konkrete Namen mit individuellen Lebensgeschichten entgegensetzen. Begleitet wird die Projektion, die auch per Livestream im Internet zu sehen sein wird, von einer Social-Media-Aktion unter dem gleichnamigen Hashtag „#eachnamematters“.

In Zusammenarbeit mit der Ars Electronica Linz und mit Unterstützung des Innenministeriums werden in einer aufwendigen Videoprojektion von 5. bis 11. Mai 2021, jeweils von 20 bis 24 Uhr, alle bis dato bekannten Namen von Toten des KZ-Systems Mauthausen an die Außenmauer des ehemaligen KZ Mauthausen projiziert und verlesen.

„Wir wollen den damals namenlosen Opfern ihre Identität und Würde zurückgeben, das ist ein ganz wesentlicher Baustein unserer Erinnerungsarbeit an der Gedenkstätte. Gleichzeitig wollen wir mit der Social-Media-Aktion ‚#eachnamematters‘ Menschen in aller Welt ein stilles Gedenken ermöglichen und sie einladen, ihre Gedanken und Erinnerungen mit uns zu teilen“, sagte Barbara Glück, Direktorin des Mauthausen Memorial.

Fotos der Gedenkfeier finden Sie unter [http://www.bmi.gv.at/Fotoservice]
(http://www.bmi.gv.at/Fotoservice).

Bundesministerium für Inneres
Oberst Markus Haindl, BA MA
Pressesprecher des Bundesministers
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