Franz-Grabner-Preis 2020: „Viva la Vulva“ beste TV-Doku, „Dieser Film ist ein Geschenk“ beste Kinodoku

Preise im Rahmen der Diagonale 2021 verliehen

Wien (OTS) – Im Rahmen der 24. Diagonale in Graz wurde heute, am Donnerstag, dem 10. Juni 2021, der Franz-Grabner-Preis 2020 für humanistisches Dokumentarfilmschaffen in den Kategorien TV und Kino verliehen. Die Auszeichnung, die in Andenken an den 2015 verstorbenen ORF-Journalisten und langjährigen Leiter der ORF-TV-Kulturdoku heuer zum vierten Mal vergeben wurde, ging an die als „dokFilm“ gezeigte ORF-Koproduktion „Viva la Vulva“ von Gabi Schweiger, sowie an Anja Salomonowitz’ Kinodokumentarfilm „Dieser Film ist ein Geschenk“. Die Verleihung des Franz-Grabner-Preises 2020, die aufgrund der Pandemie nicht wie geplant im Vorjahr stattfand, wurde damit im Rahmen der Diagonale 2021 nachgeholt. Pandemiebedingt wurde der Preis 2021 ausgesetzt. Einreichungen für 2022 können wieder regulär im Herbst erfolgen.

Sharon Nuni, Ressortleiterin ORF-TV-Kulturdokus: „Filme nah an den Menschen und der Gesellschaft mit eigener Sprache“

„Der vom ORF mitgegründete und -gestiftete Franz-Grabner-Preis steht für humanitäre Weltanschauung und unbestechlichen, kritischen Journalismus. Es werden Filme ausgezeichnet, die nah an den Menschen und der Gesellschaft sind und sowohl inhaltlich als auch gestalterisch eine eigene Sprache entwickeln. Alle nominierten Produktionen, sowohl TV als auch Kino, lösen diesen hohen kulturellen und gesellschaftlichen Anspruch ein, und sind aber zugleich sehr unterschiedlich. Sie wurden alle schon im ORF ausgestrahlt – ein Beweis für die Vielschichtigkeit des ORF-Qualitätsprogrammes, das das Vertrauen der Zuschauer/innen seit Jahren genießt. Natürlich sind wir besonders froh über die Auszeichnung für ,Viva la Vulva‘, eine Koproduktion mit der Kulturabteilung des ORF. Dieser Film– zugleich leichtfüßig und tiefgründig – trägt dazu bei, die Welt für Frauen ein wenig gerechter zu machen“, betont die Ressortleiterin der ORF-TV-Kulturdokumentationen, Sharon Nuni.

„Vor mittlerweile fünf Jahren wurde der Franz-Grabner-Preis initiiert, um im Andenken an den Namensgeber den Stellenwert des österreichischen Kino- und Fernsehdokumentarfilms zu stärken. Franz Grabner trat zeitlebens für Qualitätsjournalismus und einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein, der politisch unabhängig arbeiten kann und künstlerischen Visionen, auch Experimenten, den nötigen Raum einräumt. Ein Anspruch, der gerade im Hinblick auf die anstehende ORF-Generaldirektorenwahl mit aller Deutlichkeit betont werden soll. So verstehen wir den Franz-Grabner-Preis auch und insbesondere als ein Plädoyer für den Stellenwert des Dokumentarfilms innerhalb des ORF“, so die Diagonale-Intendanten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber.

Das Preisgeld von jeweils 5.000 Euro wird von den Produktionsverbänden AAFP und Film Austria sowie dem ORF gestiftet und ist für die Entwicklung des Folgeprojekts der Preisträger/innen bestimmt. Initiiert wurde die Auszeichnung von Familie Grabner, AAFP, Film Austria, ORF und dem steirischen Filmfestival Diagonale mit dem Ziel, Filmschaffende für ihren im ethischen und moralischen Sinne verantwortungsvollen und glaubwürdigen Umgang mit dem Medium zu prämieren und diesen damit weiter zu fördern. Mit Unterstützung vom Bundesministerium Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport, Fernsehfonds Austria, Film Commission Graz und Veech x Veech.

Die Begründung der Expertenjury

Die Bewertung der insgesamt sechs nominierten Filmproduktionen nahm eine vierköpfige Fachjury vor, bestehend aus Max Czollek (Autor, Kurator, DE), Paul Pauwels (Juryvorsitzender, BE), Marketa Štinglová (Manager of International Content Project Center/ Česká televize – Tschechisches Fernsehen, CZ) und Mona Willi (Filmeditorin, Regisseurin, AT). Ihre Begründungen (in Auszügen) lauten folgendermaßen:

„Dieser Film ist ein Geschenk“:
„Wenn ein Titel gut gewählt ist, dann dieser: Anja Salomonowitz’ Film eröffnet eine Welt der Kunst und Lebenslust, die das Publikum mit einem Lächeln auf den Lippen und dem bittersüßen Gefühl von Glückseligkeit zurücklässt. Der Künstler Daniel Spoerri trifft auf Oskar Salomonowitz, der als kindliches Alter Ego und Botschafter seiner Gedanken fungiert: Nichts und niemand ist vergessen, solange wir erinnern. ,Dieser Film ist ein Geschenk‘ erweist all jenen die Ehre, die physisch nicht mehr unter uns sind, deren Leben aber wesentlicher Teil unseres eigenen Seins geworden sind – für immer.“ Mit diesen Worten begründete die internationale Jury ihre Entscheidung.

„Viva la Vulva“:
„Die Vulva ist seit jeher Gegenstand von Schamgefühl, unflätigen Witzen und vulgären Anspielungen. Auf sanft-provokative Weise regt Gabriele Schweigers Film zum Nachdenken an und nimmt seine Zuschauer/innen auf eine humorvoll-erhellende Reise durch Geschichte und Kulturen mit. Mythen werden augenzwinkernd widerlegt, Frauenfeindlichkeit schonungslos entlarvt. Ein starkes Statement im Kampf gegen weibliche Unterdrückung und Body Shaming.“ Das konstatierte die Jury in ihrer Begründung.

In der Kategorie „Fernsehdokumentarfilm“ waren außerdem das „kulturMontag“-Porträt „Peter Turrini – Eine komische Katastrophe“ von Danielle Proskar und die „Am Schaupatz“-Reportage „Sklaven für die Alten“ von Ed Moschitz nominiert. Weitere nominierte Kinodokumentarfilme waren die mit Mitteln des ORF-Film/Fernseh-Abkommens unterstützten Projekte „Die Dohnal“ von Sabine Derflinger und „Erde“ von Nikolaus Geyrhalter.

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