Freiwilliges Engagement als Fundament unserer Gesellschaft

Zukunft des ehrenamtlichen Engagements bei Veranstaltung im Parlament thematisiert

Wien (PK) – Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für Österreich ist. Wie sich das Ehrenamt weiterentwickeln sollte, welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind und wie sich die Corona-Krise auf das Engagement der Bevölkerung ausgewirkt hat: Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Freiwilliges Engagement als Fundament unserer Gesellschaft. Corona -Zäsur oder Chance?“ gestern Abend im Parlament. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka betonte, dass es die Aufgabe des Nationalrats als Körperschaft sei, das Bewusstsein der Menschen für das Thema zu stärken. Die EhrenamtssprecherInnen stellten ihre politischen Positionen dar. ExpertInnen aus dem gemeinnützigen Sektor diskutierten das Thema Ehrenamt und zeichneten so ein Bild der aus ihrer Sicht notwendigen Veränderungen der Rahmenbedingungen.

Sobotka: Wir wollen Ehrenamtlichen und Vereinen ein Podium bieten

Nationalratspräsident Sobotka sprach in seiner Rede die Probleme vieler Vereine an. „Wir sehen die Herausforderungen für die Ehrenamtlichen und die Vereine deutlich“, sagte er. „Manche Vereine sind kaum in der Lage, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Pandemie hat vieles sichtbar gemacht, was sicherlich schon vorher vorhanden war.“ Das Ehrenamt zum Schwerpunktthema des Parlaments 2021 zu machen, sei der Absicht geschuldet, den Freiwilligen ein Podium zu geben. Und die Schwerpunktsetzung werde über das heurige Jahr hinausgehen.

Das Engagement der BürgerInnen habe sich aus der Meinungsfreiheit und der Versammlungsfreiheit entwickelt und sei tief in der Gesellschaft verankert. Er selbst sei seit seiner Kindheit in Vereinen tätig. Ein Regularium für dieses Engagement müsse man mit großer Sorgsamkeit diskutieren. Es sollte sehr reduziert sein. Ein Verein müsse die Möglichkeit haben, sich zu entfalten.

Sobotka betonte die Bedeutung freiwilliger Tätigkeiten für die Erweiterung des Erfahrungshorizonts junger Menschen und deren Erwerb von Qualifikationen. Diese erreiche man in Vereinen und Organisationen oft besser als im Bildungsbereich. Das soziale Engagement, das Anliegen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, seien wesentliche Motivationsfaktoren, ebenso wie der Wunsch, die Gesellschaft zum Positiven zu verändern. Abgesehen von Förderungen bräuchten die Freiwilligen die Wertschätzung der Gesellschaft.

EhrenamtssprecherInnen: Mehr Versicherungsschutz und Anrechnung von Pensionszeiten bei ehrenamtlicher Tätigkeit wären wichtige Schritte

Für alle EhrenamtssprecherInnen der Parlamentsfraktionen standen der Dank und die Anerkennung für die 3,5 Millionen ehrenamtlich Tätigen im Vordergrund ihrer Statements. Abgeordneter Andreas Hanger (ÖVP) hob die Qualität und die Vielfalt der Vereinskultur hervor. Österreich sei Europameister in Sachen Ehrenamt und es sei die Aufgabe der politischen VertreterInnen, die richtigen Rahmenbedingungen für die Vereine zu schaffen.

Nationalratsabgeordnete Elisabeth Feichtinger (SPÖ) brachte das Thema „Anrechnung der ehrenamtlichen Tätigkeit auf die Pensionsjahre“ zur Sprache. Es seien zig geleistete Stunden, die von ÖsterreicherInnen ehrenamtlich geleistet würden und diese gelte es zu bedenken. Ebenso wäre ein umfassender Versicherungsschutz für die Freiwilligen ein wichtiges Thema, das es zu diskutieren gelte. FPÖ-Ehrenamtssprecherin Rosa Ecker befürwortete ebenfalls die Notwendigkeit des Versicherungsschutzes und betonte die Nachbarschaftshilfe, deren enorme Bedeutung sich besonders in der Pandemiezeit gezeigt habe. Aber auch in anderen Bereichen wie Musik, Kultur, Sport, Blaulichtorganisationen usw. wären die täglichen Aufgaben ohne Ehrenamtliche nicht zu stemmen. Die Krise und deren Auswirkungen seien für viele Vereine eine große Herausforderung gewesen.

Das Engagement von Jugendlichen im Bereich der Gedenkpolitik thematisierte der Ehrenamtssprecher der Grünen David Stögmüller. Jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten, Gedenkdienst im Ausland zu versehen oder sich im Umweltbereich oder im Asylwesen in den vielen gemeinnützigen Organisationen zu betätigen, sei für das Sammeln von Erfahrung enorm wichtig. Das Engagement von 3,5 Mio. Menschen zeige auf, dass diese Menschen dort einspringen würden, wo der Staat nicht präsent sei. Daher sei die Politik gefordert, die notwendige Infrastruktur und die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dem stimmte Abgeordneter Yannick Shetty von den NEOS zu: Es sei Aufgabe der politischen VertreterInnen, den Ehrenamtlichen Wertschätzung entgegenzubringen und gute Rahmenbedingungen für sie zu schaffen. Es wären gerade im Asylbereich die vielen kleinen, jüngeren Vereine, die vieles auffangen würden. Als erfreulich bezeichnete es Shetty, dass sich besonders die unter 29-Jährigen stark im Freiwilligenbereich einbrächten.

Podiumsdiskussion: Auswirkungen Corona-Krise und politische Forderungen

Die Corona-Krise habe sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Vereine gehabt, stellten die TeilnehmerInnen einer anschließenden Podiumsdiskussion fest. Nicole Sonnleitner, Geschäftsführerin des Vereins dieziwi und Sprecherin der IG Freiwilligenzentren Österreich, hob die Innovationskraft der Menschen in der Krise hervor. Gerade im Bereich des „Online-Volunteering“ sei durch die Digitalisierung viel geschehen. Initiativen hätten sich etwa im Bereich der Nachbarschaftshilfe neu herausgebildet. Der Zustrom an Ehrenamtlichen sei nicht abgebrochen. Oft sei es schwierig gewesen, potenziellen Ehrenamtlichen Einsatzmöglichkeiten zu vermitteln, da viele Angebote pandemiebedingt eingestellt waren.

Im Kulturbereich sei die Lage schwierig gewesen, sagte Helga Steinacher von der Akademie der Kultur.Region.Niederösterreich. Viele Kultureinrichtungen seien geschlossen gewesen und viele Ehrenamtliche nicht im Einsatz. Dennoch hätten sich viele Menschen kulturell engagiert. Viele von ihnen hätten in dieser Zeit ihr Ehrenamt niedergelegt, bedauerte Steinacher. Im Sportbereich hätten ebenfalls viele Menschen ihr Ehrenamt aufgegeben, ergänzte Stefan Grubhofer, Generalsekretär der Sportunion Österreich. Viele Mitglieder hätten ihre Mitgliedschaft zurückgelegt. Diese würden als künftige Ehrenamtliche fehlen. Insgesamt seien aber viele neue Initiativen entstanden.

Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria, zeigte sich von der hohen Solidarität beeindruckt. Diese hätte man nicht in diesem Ausmaß erwartet. Die Spendenbereitschaft sei in der Krisenzeit gestiegen. Der NPO-Unterstützungsfonds habe Non-Profit-Organisationen massiv „unter die Arme gegriffen“, erklärte Franz Neunteufl, Geschäftsführer IGO – Interessenvertretung Gemeinnütziger Organisationen. Dies habe geholfen, die im NPO-Sektor recht unterschiedlichen Auswirkungen zu bewältigen.

Für die Zukunft forderten alle TeilnehmerInnen höhere Anerkennung für ehrenamtliches Engagement. Stefan Grubhofer forderte eine praktikable Lösung für die Anerkennung der im freiwilligem Engagement erlangten Kompetenzen. Dem stimmte Helga Steinacher zu. Gerade für junge Menschen sei eine Anrechnung etwa bei Fortbildungen wichtig. Außerdem forderte sie eine bessere Wertschätzungskultur ein. Man müsse sichtbar machen und anerkennen, was Ehrenamt bewirke. Nicole Sonnleitner zeigte sich überzeugt, dass es in jedem Bundesland, aber auch österreichweit Anlaufstellen für Freiwillige brauche.

Franz Neunteufl äußerte die Hoffnung, dass nach der Krise nun wichtige Punkte des Regierungsprogramms zum Ehrenamt umgesetzt würden. Er forderte, dass die Statistik Austria künftig die Kennzahlen des Dritten Sektors erheben solle. Ebenso sei es wichtig, die Freiwilligenstrategie umzusetzen und einen ständigen Unterausschuss für freiwilliges Engagement im Parlament einzurichten.

Als erfolgreiches Beispiel führte Günther Lutschinger Deutschland an. Dort sei früher in die Infrastruktur investiert und das Freiwilligenwesen strukturell klar verankert worden. Er betonte, dass die Digitalisierung die Chance biete, zusätzliche Ehrenamtliche anzusprechen.

Schwerpunktjahr #ehrenamt2021

Das Parlament widmet jedes Jahr einem gesellschaftlich oder historisch wichtigen Thema. 2021 steht das ehrenamtliche Engagement im Mittelpunkt. Dazu wird es im Laufe des Jahres ein breites Programm an Aktivitäten geben. Seit heute haben BürgerInnen auch die Möglichkeit, sich auf der Crowdsourcing-Plattform des Parlaments zum Thema Ehrenamt einzubringen. Bis Ende des Jahres ist am Wiener Heldenplatz eine Freiluftausstellung und -installation zu sehen. Ein Symposium im Oktober wird den Status quo und mögliche Perspektiven thematisieren. Den Abschluss des Schwerpunktjahres wird es rund um den Internationalen Tag des Ehrenamts am 5. Dezember geben. Mehr ­unter www.parlament.gv.at/EHRENAMT. (Schluss) mar/pst

HINWEIS: Fotos von diesem Gespräch finden Sie auf der Website des Parlaments.

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