Wirtschaftsentwicklung zwischen starker konjunktureller Erholung, Arbeitskräftemangel und Lockdown

Aktuelle Aussprache im Finanzausschuss mit Nationalbank-Chefs Holzmann und Haber über Entwicklungen durch die Corona-Krise

Wien (PK) – Die Chefs der Österreichischen Nationalbank Robert Holzmann und Gottfried Haber erörterten heute anhand des halbjährlichen Berichts an den Finanzausschuss in einer Aktuellen Aussprache mit den Abgeordneten die wirtschaftliche Entwicklung, Prognosen und Maßnahmen der Geldpolitik im Zusammenhang mit der Corona-Krise.

Was die Weltwirtschaft betrifft, hatten die wichtigsten internationalen Institutionen demzufolge bereits vor dem Sommer ihre Prognosen für das reale BIP im Jahr 2021 von ihrer ursprünglichen Erwartung von etwa 3% auf knapp unter 6% nach oben revidiert. Zuletzt habe die EU-Kommission ihre Herbstprognose veröffentlicht und dabei das Weltwirtschaftswachstum 2021 auf 5,7% geschätzt. Für 2022 liege die Prognose bei 4,5%. Holzmann verwies in diesem Zusammenhang auf das Auftreten der neuen Variante von Corona, die zusammen mit entsprechenden Beschränkungen Einfluss haben könnte.

Im Euroraum trug zuletzt etwa die hohe Nachfrage zu einem Preisdruck bei. Die Inflationsrate sei angestiegen, wenn auch weniger stark als in anderen Industriestaaten. Mittelfristig sollte sich der Analyse zufolge im Jahr 2023 der Wert um den von der EZB angestrebten Zielwert von 2% einpendeln, wobei es noch Diskussionspunkt sei, ob darüber oder darunter, so Holzmann.

In Österreich habe es eine starke konjunkturelle Erholung im Sommer 2021 gegeben. Der Lockdown dämpfe nun die Wirtschaftsentwicklung zu Jahresende. Für einen Inflationsanstieg sorgten Holzmann zufolge Preisanstiege etwa bei Energie, Industrie und Dienstleistungen. Umgekehrt gebe es eine Rekordzahl an offenen Stellen und Arbeitskräftemangel in Österreich. Die Geldpolitik sei gut beraten, „in Unsicherheit auf Sicht zu fahren“, meinte Holzmann jedenfalls auf Fragen von Gerhard Kaniak (FPÖ) und Karin Doppelbauer (NEOS) zu den Faktoren beim Thema Inflation.

Haber: Österreichische Bankenstruktur nach wie vor stabil

Die österreichischen Banken erholten sich Haber zufolge von der COVID-19-Krise, unter anderem, weil sie 2020 stärker Risikovorsorgen gebildet hätten und die Ausfälle nicht so hoch wie erwartet gewesen seien. Gewisse Unsicherheiten ortet er etwa hinsichtlich notleidender Kredite, aber auch im Hinblick auf die Entwicklung der Pandemie. In Summe lasse sich sagen, dass die österreichische Bankenstruktur nach wie vor stabil sei. Es gelte aber, weiterhin vorsichtig zu sein und zu schauen, dass der Sektor seine Stabilisierungsfunktion erfüllen kann. Staatliche Maßnahmen wie Garantien haben zur Stabilisierung jedenfalls eine klare Rolle gespielt, wie Haber auf eine Frage von Andreas Ottenschläger (ÖVP) sagte.

Das Thema Wohnungskredite, das neben Ottenschläger auch Jakob Schwarz (Grüne) ansprach, bezeichnete Haber als einen sensiblen Bereich. Hier gelte es, die Skalierung so vorzunehmen, dass sie nicht überbordend und zugleich nicht unwirksam sei, wie er gegenüber Kai Jan Krainer und Christoph Matznetter (beide SPÖ) ausführte. Was Eigennutzung und Anlegerwohnungen betrifft, bekomme er Rückmeldungen von Banken, dass es einen hohen Anteil für Erstere gebe. Nachdem neue Wohnimmobilienkredite weiterhin die Nachhaltigkeitskriterien des Finanzmarktstabilitätsgremiums (FMSG) überschreiten würden, habe selbiges die OeNB mit einer umfassenden Analyse der Systemrisiken beauftragt – als Grundlage für eine etwaige FMSG-Empfehlung für rechtlich verbindliche Maßnahmen, wie Haber erläuterte.

In den Raum stellte Karin Doppelbauer darüber hinaus auch eine mögliche Unterdotierung des Budgets der Finanzmarktaufsicht (FMA). Die Aufsicht der FMA werde aufgrund von Vorgaben immer wichtiger, betonte Holzmann. Finanzminister Gernot Blümel räumte ein, der entsprechende Budgetbeschluss werde erst stattfinden. Bei neuen Verpflichtungen werde es auch mehr Geld brauchen, wobei die Situation erst zu evaluieren sei.

Entwicklungen im baren und unbaren Zahlungsverkehr

Trotz eines deutlichen Rückgangs sei das Bargeld mit einem Transaktionsanteil von 66% auch im Jahr 2020 das beliebteste Zahlungsmittel geblieben, erörterte Holzmann außerdem zum Thema Zahlungsverkehr. Für den digitalen Euro, der gegebenenfalls zusätzlich zu Bargeld zur Verfügung stehen würde, sei mit Oktober 2021 eine zweijährige Untersuchungsphase als Vorarbeit zu einem möglichen Einführungsbeschluss zu einem späteren Zeitpunkt gestartet worden. Parallel wurde demzufolge die Gründung des „Forum on the Digital Euro“ beschlossen. (Fortsetzung Finanzausschuss) mbu

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