
Hammer/Litschauer: Greenwashing von Erdgas und Atomkraft ist klimapolitische Sackgasse
Grüne: Europäische Kommission agiert mit der Taxonomie-Verordnung gegen die eigenen Klimaziele
Wien (OTS) – „Die Förderung, den Transport und die Verbrennung von Erdgas als nachhaltig zu klassifizieren ist nicht nur absurd, sondern auch eine umwelt- und klimapolitische Sackgasse“, sagt Lukas Hammer, Klimaschutz- und Energiesprecher der Grünen, zum geplanten Greenwashing von Erdgas durch die Taxonomie-Verordnung. „Einen Anreiz für die Finanzierung von maroden Atomkraftwerken zu schaffen, ist dabei auch noch eine fehlgesteuerte Geldverschwendung unter dem Deckmantel des Klimaschutzes“, kommentiert Martin Litschauer, Anti-Atom-Sprecher der Grünen, die heutige Abstimmung des delegierten Rechtsakts zur europäischen Taxonomie-Verordnung der Europäischen Kommission. In ihrem finalen Entwurf will die Kommission Atomenergie und fossiles Erdgas als „grün“ deklarieren. Dadurch sollen Investitionen in diese Bereiche als nachhaltig eingestuft und damit ausgebaut werden. „Anstatt auf Erdgas und Atomenergie zu setzen, müssen wir unseren Energieverbrauch drastisch reduzieren und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen massiv erhöhen“, halten Hammer und Litschauer fest.
„Frankreich zeigt mit seiner verheerenden Atomstrombilanz eindrücklich, wie fehlgeleitet dieser Rechtsakt ist. Die Pfeiler der sogenannten Brückentechnologie wackeln wie wild: Korrosionsprobleme, Abschaltungen, die niedrigste Stromproduktion seit 30 Jahren – und das im Winter, ein mit 43 Milliarden verschuldeter Stromkonzern und ein völlig überlasteter Brennstoffkreislauf. Frankreich hat erfolgreich den Rechtsakt zur Taxonomie-Verordnung gekapert, den eigenen schwer maroden Kraftwerkspark wird es aber nicht retten können“, betont Litschauer.
„Bis 2040 muss Österreich und bis allerspätestens 2050 ganz Europa klimaneutral sein. Um das wichtige 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, muss der Gasverbrauch in den kommenden Jahren stetig sinken. Geld in ein Erdgassystem zu pumpen, ist vor diesem Hintergrund vollkommen unverständlich“, kritisiert Hammer. Die direkte Verbrennung von Erdgas erzeugt zwar etwas weniger klimaschädliches CO2 als Kohle oder Erdöl, rechnet man aber das noch viel schädlichere Methan hinzu, das bei der Förderung aus undichten Bohrlöchern und beim Transport aus Lecks freigesetzt wird, ist Erdgas teilweise genauso klimaschädlich wie Kohle.
„Die EU-Kommission, die sich hier verantwortungslos lobbyieren und vereinnahmen lässt, agiert rückwärtsgewandt, verblendet und gegen ihre eigenen Klimaziele“, meint Hammer und warnt eindringlich: „Mit dieser gefährlichen Vorgehensweise verfestigt Europa seine Energie-Abhängigkeit von fossilem Gas.“
„Kommt der Rechtsakt in dieser Form, ist er nicht mehr wert als eine Notiz am Rande. Investor*innen werden es ohnehin besser wissen. So haben die Raiffeisen International Group und andere Institute schon längst verlautbart, dass sie nicht in Atomenergie investieren werden. Niemand wird sich darauf stürzen, den maroden Kraftwerkspark Frankreichs zu sanieren, wenn sich gerade eine ungeplante Abschaltung an die nächste reiht. Die Revolution der Atomindustrie wird nicht stattfinden, weil sie nicht finanzierbar ist – mit, oder ohne delegierten Rechtsakt“, meint Litschauer.
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