33. Wiener Gemeinderat (12)

Förderung an die „Volkstheater“ Gesellschaft m.b.H

GRin Veronika Matiasek (FPÖ) meinte, die FPÖ würde die Sanierung des „großen und wichtigen Hauses“ und „die Heimat vieler großartiger Schauspieler“ prinzipiell zustimmen. Die jetzige Intendanz nannte Matiasek „eine Enttäuschung und Fehlbesetzung“, der derzeitige Theatermacher Kai Vogel schaffte es nicht, das Publikum mit seinem Programm zu begeistern, geschweige denn zu füllen. An der Bühne „laufe etwas schief“, das Theater befinde sich „im Sinkflug“ – weshalb Matiasek bezweifelte, dass das Theater seinen Anteil an der Finanzierung – immerhin 1,7 Millionen Euro zusätzlich zur Million der Stadt und der Million des Bundes für den Abschluss der Sanierung des Hauses stemmen könne. Im Ausschuss habe es auf entsprechende Nachfrage keine Rückmeldung gegeben, so Matiasek. Kulturinstitutionen, die von der Stadt Steuergeld bekommen würden, müssten auch über Wirtschaftlichkeit Rechenschaft geben, forderte Matiasek. Sie warnte auch vor einer weiteren „Fehlbesetzung“, die dem Vernehmen nach drohe: Gerüchteweise solle Matthias Lilienthal die Intendanz der Wiener Festwochen übernehmen; auch Lilienthal würde nicht zum Wiener Publikum passen, so Matiasek.

GR Peter L. Eppinger (ÖVP) schlug in dieselbe Kerbe und kritisierte ebenso die Intendanz des Volkstheaters und den mangelnden Publikumserfolg des Volkstheaters: Das „einstige Erfolgstheater“ sei zu einer Art „Dschungelcamp“ geworden, meinte Eppinger mit Verweis auf den Spielplan des Theaters mit teilweise derb formulierten Titeln. Die Theaterinstitution würde nach den Vereinigten Bühnen Wien am meisten Förderung unter den Bühnenhäusern erhalten, es gehe mit dem Haus aber „steiler bergab als bei der Streif“, gab Eppinger zu bedenken. Derzeit schaffe das Volkstheater nur 3,4 Prozent Eigendeckung für die Betriebskosten des Theaters. Auch die NEOS hätten in der Vergangenheit medienwirksam gefordert, dass es nach der Sanierung des Hauses mit der Bühne wieder bergauf gehen müsse – „Ich hoffe ihr habt das mit der Kulturstadträtin besprochen“, sagte Eppinger in Richtung NEOS. Die Stadt würde das Volkstheater aber weiter bedingungslos und ohne Forderungen an die Theaterleitung weiter finanzieren, während kleinere Off-Theater und Künstler*innen um ihre Mittel und Engagements bangen müssten. „Der Stadt läuft die Zeit davon und dem Volkstheater läuft das Publikum davon“, argumentierte Eppinger und brachte einen Antrag ein, in dem er einen „Krisengipfel für das Volkstheater“ forderte. In einem weiteren Antrag forderte er eine fairere Entlohnung und faire Gagen beim ‚Kultursommer‘.

GR Jörg Neumayer, MA (SPÖ) verteidigte das Programm des Volkstheaters, das hätte nichts mit dem „Dschungelcamp“ zu tun, viel mehr Beckett oder Bernhard am Spielplan. Neben der Stadt Wien hätte nach Corona auch der Bund die Verantwortung für die Sanierung des Hauses übernommen, in der Zwischenzeit seien die Baukosten gestiegen, weshalb es nun eine weitere Förderung brauche. Während Corona habe der Bund auch Unternehmen unterstützt – warum also nicht auch ein Theater in schwierigen Zeiten unterstützen, fragte Neumayer. Die letzten Jahre seien für Kulturbetriebe „enorm schwierig“ gewesen, die Auslastung sei in jüngster Zeit „konstant auf 70 bis 75 Prozent“ gestiegen, konterte Neumayer seinen Vorredner*innen. Die neue Intendanz habe es geschafft, Publikumslieblinge zu etablieren und Kooperationen und Partnerschaften mit anderen Institutionen wie dem Tanzquartier aufzubauen. „Machen Sie sich selbst ein Bild“, forderte Neumayer auf – „Ich hoffe Sie haben schon Karten für die nächste Premiere, weil die ist schon ziemlich ausverkauft.“

GR Stefan Berger (FPÖ) kritisierte die fehlende Transparenz im Kulturausschuss; auf Nachfragen der Opposition gebe es „pampige bis unfreundliche bis wenig informative Antworten“. Dem Vorsitzenden unterstellte Berger „Dünnhäutigkeit“; es seien in einer Demokratie eben nicht alle derselben Meinung. Beim Volkstheater würden die Kennzahlen schon lange zeigen, dass „am Publikum vorbeiproduziert“ werde, der Spielplan sei wenig ansprechend und orientiere sich an „gewissen Communities“ – sich in einer „Transweek“ einer bestimmten Zielgruppe zu verschreiben ermögliche keine großen Besucherzahlen, meinte Berger. Wer von öffentlichen Fördermitteln abhängig sei, sei gegenüber der öffentlichen Hand und dem Steuerzahler und der Steuerzahlerin einer gewissen Rechenschaft schuldig. Es bedürfe auch von der Intendanz einer gewissen Reflexion, ob der eingeschlagene Weg der richtige sei, sagte Berger. Abschließend forderte Berger „Maßnahmen der Stadt im Fall Teichtmeister“; in der Vergangenheit sei der Schauspieler bei dem kinderpornografisches Material gefunden wurde, auch bei Projekten die von der Stadt Wien gefördert wurden, beteiligt gewesen. Es dürfe beim Delikt, das im Raum stehe, „kein Wegschauen“ geben, sagte Berger.

GRin Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE) meinte, eine Transwoche sei kein Problem für das Volkstheater. Sie forderte, bei der Debatte zu differenzieren. Es gehe um einen Sanierungszuschuss, der schon 2019 beschlossen wurde. Es sei allerdings eine teure Sanierung in Angriff genommen worden, aber nicht überlegt worden, welche Rolle das Volkstheater in der Theaterlandschaft der Stadt einnehmen sollte und welches Programm gespielt werden solle. „Es kann nicht sein, dass das deutsche Feuilleton das Volkstheater feiert, aber das lokale Publikum ausbleibt“, kritisierte Berner. Auch werde der große Saal zu selten bespielt und nur die kleinen Nebenbühnen. Theater müsse Gesellschaft „auch brutal“ reflektieren, es gehe aber zu weit, das Programm als „Dschungelcamp“ zu bezeichnen, konterte Berner ihren Vorredner*innen. Sie stelle auch die Intendanz nicht in Frage, es müsse aber geschaut werden, wie das Haus in der Struktur kosteneffizienter geführt werden und die Auslastung gesteigert werden könne: „Wichtig ist zu Reden und nicht nur zu behaupten, es ist alles super“, deshalb brauche es auch den „Krisengipfel“ zum Volkstheater, schloss Berner.

Abstimmung: Die Förderung wurde mehrstimmig angenommen; die Anträge der Opposition fanden nicht die notwendige Mehrheit.

GEMEINSAME KREDITAKTION MIT DER WIRTSCHAFTSKAMMER WIEN IM JAHR 2023 

GRin Yvonne Rychly (SPÖ) lobte den Antrag der FPÖ zur geblockten Altersteilzeit, der digital eingebracht worden war: Im Stadtparlament sei der falsche Platz für den Antrag, er gehöre in den Nationalrat.

Abstimmung: Die gemeinsame Kreditaktion wurde mehrstimmig beschlossen. Der Antrag der FPÖ fand keine Mehrheit.

Die 33. Sitzung des Wiener Gemeinderates endete um 20:47 Uhr.

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