Bischöfin Richter: „Jeden Menschen in seiner von Gott gegebenen Würde anerkennen“

Die evangelisch-lutherische Bischöfin zum Neuen Jahr auf ORF 2

Für einen respektvollen, offenen und ehrlichen Umgang miteinander auch bei unterschiedlichen Meinungen – dafür hat sich die evangelisch-lutherische Bischöfin Cornelia Richter in ihrem ersten “Wort zum Neuen Jahr” ausgesprochen, das am Neujahrsabend auf ORF 2 ausgestrahlt wurde. „Frieden wäre möglich, wenn wir es nur wollen“, ist Richter überzeugt und verweist in ihrer Ansprache auf die biblische Jahreslosung 2026 aus dem Buch der Offenbarung: „Gott spricht, siehe, ich mache alles neu!“.

Wenn die politische und ökonomische Weltlage angespannt sei, die Sozialpolitik unter Druck stehe und der Ton rauer werde, sei es “gut, dass es in Österreich trotzdem so viele Menschen gibt, die sich für andere einsetzen: Dafür, dass Hungrige satt werden und Durstige erfrischt, dass Fremde und Obdachlose aufgenommen und bekleidet werden, dass Menschen versorgt werden, die einsam und krank sind oder die im Gefängnis mit ihrer Schuld fertigwerden müssen – ich danke Ihnen dafür, denn das ist genau so, wie es uns die Bibel ans Herz legt”, sagte die Bischöfin. Denn das Leben lasse sich “nicht reduzieren auf schwarz oder weiß. Nein, es ist so bunt und vielfältig, wie wir Menschen halt sind”.

Wofür setzen wir uns ein? Was ist uns wichtig? Wie wollen wir miteinander leben? Auf diese Fragen gebe die Bibel “ziemlich klare Antworten”, immer gehe es darum, “dass wir jeden Menschen in seiner von Gott gegebenen Würde anerkennen. Dass wir freundlich und sanftmütig miteinander umgehen. Dass wir uns helfen. Dass wir einander offen, ehrlich und mit Respekt begegnen – auch dort, wo wir unterschiedlicher Meinung sind, wo es Konflikte gibt und man die Dinge aushandeln muss.” Denn Frieden wäre möglich, “natürlich wäre er möglich – wenn wir es nur wollen”, bekräftigt die Bischöfin.

Gesprochen wurde das “Wort zum Neuen Jahr” aus dem Evangelischen Realgymnasium in Wien-Donaustadt. Im Blick auf ein Bild, das Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse im Religionsunterricht gestaltet haben, bemerkt Richter: “Die Kinder wissen sehr genau, wo es bedrohlich wird”, befassten sich mit den Themen Krieg, Rassismus, Tier- und Umweltschutz. „Es sollte uns zu denken geben, dass Kinder so etwas zeichnen“, sagte die Bischöfin, “denn ihre Zukunft hängt an unserer Verantwortung”.

UTOPIEN ALS POSITIVE GEGENENTWÜRFE ZU UNSERER GESELLSCHAFT

Das neue Jahr stehe unter der biblischen Jahreslosung „Gott spricht, siehe, ich mache alles neu!“. Der Satz stammt aus der Offenbarung des Johannes, die auch als Apokalypse bezeichnet wird. Aber Apokalypse bedeute nicht nur, dass alles untergehe, sondern stehe für eine Zeitenwende, „für eine Zeit, in der alles neu werden darf und alles neu wird, auch die Schöpfung“. Es sei eine Zeit, „in der Gott selbst mitten unter uns wohnt und wir uns von ihm neu berühren lassen“.

Natürlich sei das eine Utopie, aber “Utopien sind möglich, sie sind positive Gegenentwürfe zu unserer Gesellschaft. Und sie haben sich in der Geschichte immer wieder bewährt. Weil wir als Menschen die Freiheit haben, immer wieder neu anzufangen”, so die Bischöfin.

Evangelischer Pressedienst für Österreich (epdÖ)
Dr. Thomas Dasek
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