„Erfolg ja – jetzt braucht es dringend Planungssicherheit!“

Filmbranche fordert vor Beginn der 46. Berlinale rasche Entscheidung über Finanzierung des heimischen Films

Mit 12 österreichischen Filmen bei der Berlinale 2026, zwei davon im Wettbewerb, erlebt der heimische Film einen internationalen Höhenflug. Gleichzeitig wird mit „Aufputzt is’“ der erfolgreichste österreichische Kinofilm der letzten 25 Jahre gefeiert. Für die Filmbranche ist klar: Diese Erfolge sind das Ergebnis gezielter Finanzierungsoffensiven der Vergangenheit – ihre Fortsetzung ist jedoch akut gefährdet.

Die außergewöhnliche internationale Präsenz österreichischer Filme ist kein Zufall. Sie basiert auf einem über Jahre aufgebauten Fördersystem, insbesondere durch ÖFI+, das hochwertige Kinoproduktionen ermöglicht hat. Kürzungen, unsichere Budgets und fehlende Planungssicherheit gefährden dieses System nun in seinem Kern. Filmproduktionen benötigen eineinhalb bis zwei Jahre Vorlauf – kurzfristige politische Lösungen reichen dafür nicht aus.

„Wir feiern in Berlin die Erfolge der letzten Jahre. Ob es diese Erfolge auch in Zukunft geben wird, entscheidet sich jetzt“, betont Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Produzent und Obmann des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich. „2026 ist ein Schicksalsjahr für den österreichischen Film. Ohne verlässliche Finanzierung droht ein massiver Einbruch.“

DREHSTOPP DROHT: BRANCHE SCHLÄGT ALARM

Filmschaffende warnen heute eindringlich vor den Folgen eines Stillstands. Schauspielerin Susi Stach: „Ich hatte im vergangenen Jahr das erfolgreichste meiner Karriere und war das ganze Jahr über durchgehend auf Drehs. Für 2026 habe ich bisher keinen einzigen Drehtag bestätigt. Und damit bin ich nicht allein – tausende Filmschaffende und Menschen hinter der Kamera stehen vor derselben Situation. Das bringt die Brisanz der aktuellen Lage auf den Punkt und zeigt, warum wir jetzt dringend eine Lösung brauchen.“

BRANCHE GESCHLOSSEN: LÖSUNG LIEGT AUF DEM TISCH

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz präsentierte die Filmbranche ihre Lösungsvorschläge: eine Investitionsverpflichtung für Streamingdienste und einen solidarischen Investitionsbeitrag (Levy), wie sie in zahlreichen europäischen Ländern längst erfolgreich etabliert sind. Internationale Best-Practice-Beispiele aus Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden zeigen übereinstimmend, dass solche Instrumente funktionieren: Sie schaffen planbare Finanzierungsströme, erhöhen Produktionsbudgets, sichern Arbeitsplätze und stärken die kulturelle Vielfalt.

„Deutschland hat gerade einen entscheidenden Durchbruch bei der Investitionsverpflichtung für Streamer erzielt“, so Dumreicher-Ivanceanu. „Das ist Rückenwind für Österreich. Es ist Zeit, dass sich die Streamer in Österreich fair an der Finanzierung des österreichischen Films beteiligen.“

FRANKREICH, SCHWEIZ, NIEDERLANDE: EVIDENZ STATT IDEOLOGIE

Regisseurin und Produzentin Ruth Beckermann, deren neuer Film „Wax & Gold“ in Berlin seine Uraufführung erleben wird, verweist auf diese internationale Entwicklung: „Frankreich zeigt, wie erfolgreich eine verbindliche Investitionspflicht sein kann. Und die aktuelle Dynamik in Deutschland verstärkt diesen europäischen Trend zusätzlich.“

Frankreich gilt mit einer Investitionsverpflichtung von bis zu 25 Prozent als Vorreiter in Europa. Die Schweiz hat mit der sogenannten „Lex Netflix“ seit Anfang 2024 verpflichtende Investitionen eingeführt – positive Effekte sind bereits sichtbar. Auch die Niederlande haben 2024 eine verbindliche Investitionsquote beschlossen, mit klarem Fokus auf nationale Inhalte und unabhängige Produzenten. Vergleichende Analysen zeigen: Länder mit solchen Verpflichtungen verzeichnen ein stärkeres Wachstum europäischer Filmwerke und des Publikums als Länder ohne entsprechende Regelungen.

Regisseur Markus Schleinzer, dessen Film „Rose“ in Berlin im Wettbewerb laufen wird, ergänzt: „Ich stehe heute nicht für mein eigenes Projekt hier, sondern stellvertretend für tausende Filmschaffende. Die Investitionsverpflichtung ist von Anfang an im Regierungsübereinkommen verankert. Jetzt braucht es rasch die Umsetzung, damit Arbeitsplätze in der Filmbranche gesichert, Know-how weiter aufgebaut und der gesamte Standort nachhaltig gestärkt wird.“

KLARER VORSCHLAG DER BRANCHE

Die Filmwirtschaft spricht sich geschlossen für ein Modell aus, das sowohl kulturell und wirtschaftlich wirksam als auch europarechtlich tragfähig ist: Eine Investitionsverpflichtung von insgesamt 25 PROZENT, davon 7 PROZENT ALS INVESTITIONSBEITRAG (LEVY) und 18 PROZENT ALS DIREKTE INVESTITIONSVERPFLICHTUNG in österreichische Produktionen.

Entscheidend ist dabei, dass der Investitionsbeitrag FÜR ALLE STREAMINGDIENSTE GILT – unabhängig davon, ob sie auf Abonnements, Werbung oder Mischformen setzen. Nur so kann Gleichbehandlung gewährleistet und ein ausreichend wirksames Finanzierungsvolumen erreicht werden.

ZEIT DRÄNGT – UMSETZUNG IST MÖGLICH

Nach Einschätzung von Expert:innen ist eine Einführung NOCH IM LAUFE DES JAHRES 2026 technisch und rechtlich machbar. Da es sich um einen Investitionsbeitrag und damit eine Abgabe handelt, ist auch eine unterjährige Umsetzung möglich.

STUDIE AUS TIROL BELEGT: FILMFÖRDERUNG WIRKT DREIFACH

Zusätzlichen Rückenwind liefert eine kürzlich präsentierte Studie der Wirtschaftskammer Tirol, deren Ergebnisse auf ganz Österreich übertragbar sind. Sie zeigt deutlich die gesamtwirtschaftliche Hebelwirkung der Filmwirtschaft: Jeder in Filmproduktionen investierte Euro, löst zwei Euro Fiskal-Effekt aus.

Übertragen auf Österreich bedeutet das: Ein Investitionsbeitrag von rund BIS ZU 40 MILLIONEN EURO JÄHRLICH würde eine Wertschöpfung von bis zu 120 MILLIONEN EURO auslösen und einen fiskalischen Effekt von rund 80 MILLIONEN EURO erzeugen.

KLARER APPELL AN DIE BUNDESREGIERUNG

„Die Instrumente sind bekannt, die internationalen Beispiele eindeutig, die Branche steht geschlossen hinter einer Lösung. Die von rund 1.500 Filmschaffenden unterzeichnete Petition für die Einführung der Investment Obligation zeigt den breiten Rückhalt und den klaren Wunsch nach rascher Planungssicherheit. Jetzt braucht es eine klare Entscheidung der Politik: Sonst feiern wir in Berlin die Erfolge der Vergangenheit, während in Wien die Zukunft des österreichischen Films auf dem Spiel steht“, so Dumreicher-Ivanceanu abschließend. (PWK051/NIS)

Pressefoto (c) Stefan Joham

v.l.: Markus Schleinzer (Regisseur und Drehbuchautor), Susi Stach (Schauspielerin), Alexander Dumreicher-Ivanceanu (Filmproduzent und Obmann des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft in der WKÖ) und Ruth Beckermann (Regisseurin und Produzentin)

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