Gemeinsam nachhaltig wirken: Start für Allianz gegen Lebensmittelverschwendung und Armut

Die Tafel Österreich gründet gemeinsam mit 36 Mitgliedern einen branchenübergreifenden Schulterschluss

Die Tafel Österreich präsentierte heute die neue „Allianz gegen Lebensmittelverschwendung und Armut“. Der Sozial- und Umweltverein setzt gemeinsam mit großen Playern aus Handel, Gastronomie, Industrie, Landwirtschaft, Logistik, Sozial- und Kommunalbereich ein starkes Zeichen für mehr Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette. Die Patronanz der Allianz übernimmt die renommierte Nachhaltigkeitsökonomin Sigrid Stagl, die damit die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Vorhabens unterstreicht.

ALEXANDRA GRUBER, Geschäftsführerin Die Tafel Österreich: „_Seit 1999 kämpfen wir gegen Lebensmittelverschwendung und Ernährungsarmut in diesem Land an. Aber mehr als 1 Million Tonnen Lebensmittel im Müll und 1,5 Millionen Menschen, die von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind, sprechen eine klare Sprache: Es gibt noch sehr viel zu tun. Eine Trendumkehr können wir als Verein nicht allein schaffen, sondern nur, wenn alle an einem Strang ziehen und uns klar zu nachhaltigen Zielen bekennen. Deshalb haben wie die Allianz gegen Lebensmittelverschwendung und Armut ins Leben gerufen. Wir sind überwältigt, dass schon zum Start so viele bedeutende Unternehmen und Organisationen mit an Bord sind. Die Beteiligung zeigt klar: Die Kluft zwischen Überfluss und Bedarf zu beseitigen, ist vielen in diesem Land ein Anliegen._“

Ziel der Allianz ist es, konkrete Lösungen zur Reduktion von Food Waste zu entwickeln, Lebensmittelüberschüsse effizienter zu nutzen und gleichzeitig Ernährungsarmut gezielt zu bekämpfen. Dieser Ansatz entspricht nicht nur den SDGs, sondern auch den Vorgaben der EU Waste Framework Directive sowie der EU Anti-Poverty Strategie. Innovativen Charakter hat die Allianz durch ihr ganzheitliches Nachhaltigkeits-Verständnis und ihre Strategie der engen Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – noch nie gab es eine so breit gefächerte und umfassende Plattform für mehr ökologische, ökonomische und zugleich soziale Nachhaltigkeit in Österreich.

Alle Mitglieder bringen ihre Expertise aus unterschiedlichen Bereichen ein, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, Armut zu bekämpfen, Bewusstsein zu schaffen und strukturelle Verbesserungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erreichen. Durch den Dialog der Stakeholder untereinander, aber auch durch die Multiplikator:innenfunktion der Mitglieder sollen alle Menschen in Österreich erreicht und dazu ermutigt werden, sich in ihrem eigenen Umfeld gegen Lebensmittelverschwendung und Armut zu engagieren.

MARTIN FRICK, Direktor Deutschland, Österreich und Liechtenstein, United Nations Welternährungsprogramm (WFP): „_Lebensmittelverschwendung ist ein Kollateralschaden unserer globalisierten Ernährungssysteme und ein ökologisches wie ethisches Versagen. Während über 300 Millionen Menschen nicht wissen, woher sie die nächste Mahlzeit bekommen, landet ein Drittel aller Lebensmittel im Müll. Hunger ist keine Frage der Produktion, sondern der gerechten Verteilung. Klar ist, Ernährungssysteme müssen so verbessert werden, dass sie auch die Menschen mitdenken, die wenig haben oder Hunger leiden. Lebensmittelverschwendung ist eines der wenigen globalen Probleme, zu dessen Lösung wirklich jede und jeder etwas beitragen kann – vom Feld bis zum Kühlschrank. Hier setzt diese Allianz an: Sie bringt Akteure zusammen, die zeigen, dass verantwortungsvolle Lebensmittelwirtschaft, soziale Solidarität und ökologische Nachhaltigkeit keine Gegensätze sind – sondern der einzige Weg in Richtung zukunftsfähiger Ernährungssysteme.“_

ALLE GLIEDER DER WERTSCHÖPFUNGSKETTE AN BORD

Die Landwirtschaft ist die Wiege der Kreislaufwirtschaft. Gesundes Obst und Gemüse für Menschen, die an Ernährungsarmut leiden, sind ebenso Themen wie Ressourcenverbrauch, Regionalität und Saisonalität. Umso bedeutsamer ist es, den Agrarbereich von Anfang an in der Allianz zu wissen. Für Die Tafel Österreich ist die Lebensmittelrettung aus der Landwirtschaft ein noch relativ junger Bereich – doch schon 2025 konnten allein hier 300 Tonnen (+50 %) Frischware akquiriert werden.

IRENE NEUMANN-HARTBERGER, Bundesbäuerin und Vizepräsidentin der LK Österreich: „_Aktiv gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen, ist ein Lernprozess, der bereits im Kindesalter beginnen sollte. Er beruht auf einem wertschätzenden Umgang mit unseren Lebensmitteln und auf dem Wissen darüber, wie sie erzeugt werden, woran man heimische Qualität erkennt, wie man sie richtig lagert und schließlich zu schmackhaften, gesunden Mahlzeiten verarbeitet. Diese Lernziele vermitteln die heimischen Seminarbäuerinnen seit drei Jahrzehnten erfolgreich, sowohl Schüler:innen aller Altersstufen als auch Erwachsenen in ihren Kochkursen. Auch bei Schule am Bauernhof ist dieser Bildungsansatz ein zentraler Bestandteil. Aus unserer Sicht braucht es insgesamt mehr Wissensvermittlung über Landwirtschaft, Ernährungs- und Konsumbildung – also über die grundlegende Kulturtechnik des Kochens und Haushaltens_.“

Ein wesentlicher Faktor in der Wertschöpfungskette ist der Handel. Notabene: Die Lebensmittelabfälle aus dem Handel sind seit Jahren rückläufig. Das hat gute Gründe – Stichwörter: bessere Planung, Bewusstseinsbildung. Dennoch ist der Handel mit seinem dichten Filialnetzwerk noch immer ein ganz wesentlicher Player im Bereich der karitativen Lebensmittelweitergabe.

RAINER WILL, Geschäftsführer Handelsverband Österreich: „_Der heimische Lebensmittelhandel ist seit vielen Jahren ein wichtiger Partner in der Weitergabe überschüssiger Lebensmittel an armutsbetroffene Menschen. Gemeinsam mit der Tafel Österreich haben wir in den vergangenen 25 Jahren Erfahrungen in der Lebensmittelweitergabe gesammelt und unsere Prozesse verbessert, um Lebensmittelverluste im Handel zu reduzieren. Mittlerweile ist unsere Branche nur noch für 7 % der Lebensmittelabfälle verantwortlich – und spendet jährlich rund 22.000 Tonnen Lebensmittel an Sozialorganisationen wie Die Tafel Österreich.“ _Will sieht dennoch weiterhin Handlungsbedarf:_ „Lebensmittelverschwendung bleibt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Auch wir tragen Verantwortung und wollen unser Fachwissen stärker in Maßnahmen zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette einbringen. Nur durch gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft, Politik und Konsument:innen kann Lebensmittelverschwendung reduziert und soziale Unterstützung verbessert werden._“

Massiv an Bedeutung gewonnen hat auch der Bereich der Außer-Haus-Verpflegung. Neben Gastronomie, Hotellerie, Caterings und Betriebsküchen sind auch Liefer-Dienste ein ernstzunehmender Faktor in der Lebensmittelverschwendung.

FRANZ TRAGNER, United Against Waste: „_Seit vielen Jahren setzt sich United Against Waste gegen Lebensmittelverschwendung in der Außer-Haus-Verpflegung ein und erreicht dadurch ein sehr breites Spektrum an Akteur:innen vom Küchenchef bis zum:r Konsument:in. Wir haben viel erreicht, doch das Potenzial ist hier wie entlang der gesamten Wertschöpfungskette immer noch enorm – und Ernährungsarmut ist die zweite Seite derselben, wenig ruhmreichen Medaille. Mit der Tafel Österreich verbindet uns bereits eine langjährige Zusammenarbeit. Dass wir diesen gemeinsamen Weg nun in einer so breit aufgestellten Allianz, die sich beiden Themen widmet, weitergehen, ist sinnvoll und stimmt mich zuversichtlich, dass wir viel bewegen können._“

POLITIK UND PRIVATHAUSHALTE GEFORDERT

Mehr als 50 % der Lebensmittelabfälle entstehen in privaten Haushalten. Durch den breit gefächerten Schulterschluss soll auch eine gesellschaftliche Wirkung entstehen, die hier mehr Wissen und Bewusstsein schafft. Ebenso braucht es mehr politisches Commitment – denn die Rahmenbedingungen für die karitative Lebensmittelweitergabe sind dringend verbesserungswürdig, für alle Parteien. Die Bündelung von Wissen, Erfahrung und Handlungsmöglichkeiten verschiedener Sektoren eröffnet hier eine nie dagewesene Chance, gemeinsam mehr zu erreichen.

Bereits im Mai werden die Allianz-Mitglieder zu einem ersten Summit in Wien zusammentreffen, um Herausforderungen, Ideen, konkrete Lösungen und Best-Practice-Beispiele aus dem In- und Ausland zu diskutieren und konkrete Umsetzungspläne zu schmieden.

Die Gründungsmitglieder der Allianz sind: ARA, Bäuerinnen Österreich, Bauernbund, BOKU University, Circular Economy Forum Austria, Danone, Forum Ernährung Heute, Handelsverband Österreich, Impact Hub Vienna, Independent Logistics Society, Interzero, Kastner, Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Lidl, Markenartikelverband, MPreis, Nordex Food, ÖBOG, ÖHV, Ottakringer, REWE, Schärmer Miskovez, Sodexo, Spar, Stadt Wien (MA 22, MA 39, MA 59), Stadtgemeinde Traiskirchen, Agrarmarketing Tirol, United Against Waste, Verband der Ernährungswissenschaften Österreichs, Zero Waste Austria.
Weitere Verbände, Institutionen, Unternehmen, denen das Thema ebenfalls ein Anliegen ist, sind herzlich eingeladen, der Allianz beizutreten. Weiterführende Informationen unter:

Die Tafel Österreich
Verena Scheidl
Telefon: +43 664 882 798 22
E-Mail: verena.scheidl@tafel-oesterreich.at

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