
Franz-Grabner-Preis 2026: ORF-Koproduktion „Österreich unter dem Regenbogen“ von Robert Styblo beste TV-Doku
„Grünes Licht“ von Pavel Cuzuioc bester Kinodokumentarfilm – Auszeichnungen heute bei Diagonale verliehen
Im Rahmen des Filmfestivals Diagonale in Graz wurde heute, am Freitag, dem 20. März 2026, in einem feierlichen Festakt bereits zum neunten Mal der Franz-Grabner-Preis für humanistisches Dokumentarfilmschaffen vergeben. Die nach dem ORF-Journalisten und langjährigen Leiter der ORF-TV-Kulturdoku (1955–2015) benannte Auszeichnung – initiiert von Familie Grabner, AAFP (Association of Austrian Filmproducers), Film Austria, ORF und Diagonale – fördert österreichisches Dokumentarfilmschaffen, das sich kritisch, verantwortungsvoll und glaubwürdig relevanten Themen aus Kultur, Gesellschaft, Politik oder Geschichte widmet. Ausgezeichnet in der Kategorie Fernsehdokumentarfilm/TV-Serie/Webformat wurde die vom ORF koproduzierte Doku „Österreich unter dem Regenbogen“ von Robert Styblo über die queere Geschichte der Republik – eine Hommage an jene, die den Weg einst geebnet haben und diejenigen, die die queere Gemeinschaft heute stärken. Bester Kinodokumentarfilm ist die Produktion „Grünes Licht“ von Pavel Cuzuioc über einen deutschen Neuropsychiater, der Menschen mit dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Lebensende unvoreingenommen begutachtet und einfühlsam – manchmal bis zum erlösenden Ende – begleitet. Das Preisgeld von jeweils 5.000 Euro – gestiftet von AAFP und ORF – ist für die Entwicklung des Folgeprojekts der Preisträgerin bzw. des Preisträgers vorgesehen. Die Festrede bei der Verleihung im Heimatsaal des Volkskundemuseums, die von Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, Fernsehfonds Austria, Filmcommission Graz und dok.at unterstützt wurde, hielt Nava Ebrahimi.
ORF-TV-Kulturdoku-Leiterin Nuni: „Vielfältiges und mutiges österreichisches Dokumentarfilmschaffen“
„Der Franz-Grabner-Preis erinnert uns jedes Jahr daran, wofür unser verstorbener Kollege stand: für Haltung, Neugier und den unbedingten Willen, Geschichten mit Relevanz zu erzählen. Sein Blick auf die Welt war geprägt von Menschlichkeit und dem Vertrauen in die Kraft des Dokumentarischen – ein Anspruch, der uns bis heute begleitet und verpflichtet“, sagt Sharon Nuni, Ressortleiterin der ORF-TV-Kulturdokumentationen und in dieser Position Nachfolgerin Franz Grabners. „Auch die diesjährigen Einreichungen zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig und mutig das österreichische Dokumentarfilmschaffen ist: formal eigenständig, inhaltlich präzise und stets dem Menschen zugewandt. Ich gratuliere den Preisträgerinnen und Preisträgern sehr herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung und freue mich besonders über die Würdigung der ORF-Koproduktion ‚Österreich unter dem Regenbogen‘. Regisseur Robert Styblo erzählt in seinem Film die queere Geschichte der Zweiten Republik – eine Geschichte der Benachteiligung und Ausgrenzung, aber auch eine Geschichte couragierter Menschen und ihrer zäh errungenen Erfolge“, so Nuni.
Diagonale-Intendanten Slanar und Kamalzadeh: „Ziel, die Bedeutung des österreichischen Dokumentarfilms zu stärken“
„Es freut uns sehr, dass der Franz-Grabner-Preis bereits zum neunten Mal im Rahmen der Diagonale verliehen wurde. Als Namensgeber stand Franz Grabner für qualitätsvollen Journalismus und einen politisch unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der Preis verfolgt das Ziel, die Bedeutung des österreichischen Dokumentarfilms in Kino und Fernsehen zu stärken und zugleich sowohl künstlerische Qualität als auch kritisches, reflektiertes Denken auszuzeichnen“, unterstreichen die Diagonale-Intendanten Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh.
Auszüge aus den Jurybegründungen 2026
Die in diesem Jahr aus Antje Boehmert (Produzentin und Autorin, DE), Jakob Brossmann (Filmemacher und Bühnenbildner, AT) sowie Karin Moser (Filmwissenschafterin, AT) bestehende Fachjury begründete ihre Entscheidungen u. a. folgendermaßen:
Der Fernsehdokumentarfilm „Österreich unter dem Regenbogen“ von Robert Styblo „taucht – ausgehend von den bunten, lustvollen Bildern der Gegenwart in die traumatische Vergangenheit ein: Ausgrenzung, Vorurteile und Kriminalisierung verunmöglichen ein freies, würdiges und selbstbestimmtes Leben – das ein Menschenrecht ist. Anhand persönlicher Lebensgeschichten wird der lange Kampf um Anerkennung und Gleichstellung der queeren Community empathisch, behutsam und zugleich lebendig, laut und lebensfroh erzählt. Dabei wird die Vielfalt gezeigt und gefeiert, zugleich werden die historischen und gesellschaftspolitischen Zusammenhänge greifbar.“ Weiters: Der Film „nimmt sein Publikum an der Hand und führt es durch die Geschichte der Emanzipation der schwulen, lesbischen und queeren Bewegung, die allzu oft mit unmenschlicher Verfolgung und Ächtung für das Menschlichste bestraft wurde: für Liebe und Begehren.“ Und: „,Österreich unter dem Regenbogen‘ ist ein lebensfroher Film voller starker und positiver Persönlichkeiten. Der Weg vom erzwungenen, unfreiwilligen Verstecken hin zum lauten, freudigen Sich-Zeigen ist kraftvoll. Und es ist einer, den heute viele Menschen in- und außerhalb der queeren Community stolz und selbstverständlich mitgehen“, so die Franz-Grabner-Preis-Jury.
In der Jurybegründung zum besten Kinodokumentarfilm heißt es u. a.:
„,Grünes Licht‘ von Pavel Cuzuioc ist ein mutiger Film. Er erkundet filmisch wie inhaltlich Handlungsspielräume, vor denen die meisten zurückschrecken. Er beleuchtet mit einer klaren Haltung den assistierten Suizid aus den Begegnungen des Neuropsychiaters Dr. Johann Spittler mit jenen Menschen, die den Tod herbeisehnen. Und er fordert sein Publikum, eine eigene Haltung zu diesem tabuisierten Wunsch zu entwickeln. Der Film nimmt uns an diese Grenze mit – und wahrt dabei die Würde aller Beteiligten auf beeindruckende Weise. Mit präzisem Blick, so empathisch wie der Protagonist selbst, so respektvoll und doch so konkret, werden wir an eine Frage herangeführt, für die es keinen Raum in der Gesellschaft gibt und die nur ganz persönlich beantwortet werden kann. Wir fühlen die Verzweiflung und Last, die Enge und Schwere der Betroffenen und des Protagonisten. Gedanken und Überlegungen dringen aus uns hervor, die wir üblicherweise nicht zulassen.“
Neben den beiden Preisträgerfilmen waren weiters folgende vier Produktionen zum Franz-Grabner-Preis 2026 nominiert: in der Kategorie Fernsehdokumentarfilm die ORF-Koproduktion „Das Rohstoff-Dilemma – Mit Bergbau aus der Klimakrise?“ von Monika Grassl und Linda Osusky sowie die zweite Staffel der TV-Serie „Visionen Bauen“ von Diego Breit Lira; in der Kategorie Kinodokumentarfilm die vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierten Projekte „Noch lange kein Lipizzaner“ von Olga Kosanović und „Girls & Gods“ von Arash T. Riahi und Verena Soltiz.
http://presse.ORF.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender