
„kulturMONTAG“: Salzburgs neue Festspielintendanz, Sloterdijks neues Werk, Comeback der 1980er
Danach: Dokumentation „Kunst – Ob du willst oder nicht“ – am 13. April, ab 22.30 Uhr, ORF 2 und ORF ON
Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMONTAG“ am 13. April 2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON widmet sich zunächst den Salzburger Festspielen, die mit Karin Bergmann eine neue Intendantin haben – diese wird via Live-Schaltung auch über ihre Herausforderungen im Amt sprechen. Weitere Themen sind u. a. das neue Buch von Philosoph Peter Sloterdijk, der sich darin den mächtigen Männern in der Politik widmet, ebenso die neue 80er-Jahre-Schau auf der Schallaburg. Anschließend an das Magazin steht die Dokumentation „Kunst – Ob du willst oder nicht“ (23.15 Uhr) auf dem Programm.
Frauen und die Macht – Karin Bergmann an der Spitze der Salzburger Festspiele
Nach einem veritablen Konflikt, der mit der einvernehmlichen Auflösung von Markus Hinterhäusers Vertrag als Intendant nun ein vorläufiges Ende findet, leitet mit Karin Bergmann erstmals eine Frau die renommierten Salzburger Festspiele. Hierzulande ist die 72-jährige deutsche Kulturmanagerin seit langem bekannt, etwa als frühere Pressesprecherin an der Seite von Burg-Chef Claus Peymann, als Direktionsmitglied der Vereinigten Bühnen oder später der Volksoper und als Vize-Direktorin von Klaus Bachler am Burgtheater. Als 2014 Matthias Hartmann wegen Malversationsvorwürfen am Burgtheater entlassen wurde, sprang Karin Bergmann kurzerhand als künstlerische Leiterin in die Bresche und führte das Haus nicht nur in ruhigere Gewässer, sondern in eine erfolgreiche Ära. Erneut soll Bergmann nun mit Umsicht die Wogen in Salzburg glätten. Zwar sind Frauen in leitenden Funktionen im Musik- und Theaterbereich auf dem Vormarsch, doch in Spitzenpositionen, insbesondere als Intendantinnen, weiterhin unterrepräsentiert. In dem immer noch hierarchisch und patriarchal geprägten System des Theaterbetriebs ziehen sich ungleiche Geschlechterverhältnisse durch alle Arbeitsbereiche: je höher oben auf der Hierarchieleiter und je größer Macht, Einfluss, künstlerischer Gestaltungsspielraum und Gehalt, desto weniger Frauen sind in diesen Positionen zu finden. Wie kann die viel zitierte „gläserne Decke“ in diesem Bereich durchbrochen werden und zu welchen Mitteln kann Frau greifen, um zu reüssieren? Mit welchen Herausforderungen sind Frauen konfrontiert? Der „kulturMONTAG“ hat sich in der Branche umgehört und die ehemalige Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, die designierte Josefstadt-Direktorin Marie Rötzer und die Grazer Schauspielhaus-Chefin Andrea Vilter zum Interview gebeten. Via Live-Schaltungsgespräch nach Salzburg begrüßt Clarissa Stadler die neue Intendantin Karin Bergmann und spricht mit ihr über die Zukunft der Festspiele, über gläserne Klippen und ihre Herkules-Aufgabe als Brückenbauerin.
Macchiavellis starke Männer – Peter Sloterdijks neues Buch über die Mächtigen der Politik
Schon das Cover des neuen Buchs „Der Fürst und seine Erben: Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute“ von Starphilosoph Peter Sloterdijk ist ein Eyecatcher: Es zeigt Donald Trump als mächtigen Renaissance-Fürsten. Für den 78-jährigen deutschen Publizisten, der in seinen Texten und Aussagen immer wieder gerne provoziert, steht der amtierende US-Präsident an der Spitze einer Erbengemeinschaft starker Männer, die das radikale Gedankengut des Diplomaten und Denkers Niccolò Machiavelli in der Gegenwart fortführen. „Politischer Amoralismus“ ist laut Sloterdijk der zentrale Wesenszug des erfolgreichen Herrschertyps. Anders gesagt: nur keine Skrupel! Parallelen zwischen Machiavellis Herrscherdarstellung, anschaulich beschrieben in dessen Werk „Il Principe“ oder „Der Fürst“, und dem US-Potentaten erkannten schon andere Autoren. Sloterdijk konzentriert sich allerdings auf einen weniger beachteten Punkt: Wie schaffen es Trump und Co., Gesellschaften für ihre Ellenbogenpolitik zu begeistern? Katja Gasser trifft Peter Sloterdijk zum Gespräch über Männer und die Macht.
Exzess und Eskalation – Das Comeback der 80er Jahre
„Wer sich an die 80er erinnern kann, der hat sie nicht erlebt“, so soll Falco das Jahrzehnt der wilden Drogen-Partys, der Synthie-Klänge, Neonfarben und Schulterpolster kommentiert haben. Tatsächlich war es eine Dekade voller Exzess und Eskalation, in der alles möglich schien – ob in Popkultur oder Politik, voller Aufbruchsgeist und Technikvertrauen, aber auch geprägt von politischen Spannungen, Krisen und Unsicherheiten – vom Kalten Krieg bis Tschernobyl. Die opulente Ausstellung „80er – Grenzen waren gestern“ auf der Schallaburg in Niederösterreich widmet sich dieser Zeit voller Gegensätze, Umbrüche und neuer Möglichkeiten und zeigt, wie das Jahrzehnt etwa in der Mode, in der Musik oder im Design gerade ein fulminantes Comeback feiert. Auch in Szene-Clubs wird der Geist dieser Zeit beschworen.
Dokumentation „Kunst – Ob du willst oder nicht“ (23.15 Uhr)
Stellen Künstler:innen ihre Arbeiten in den öffentlichen Raum, verlassen sie das geschützte Terrain von Galerien und Museen. Sie setzen sich der Kritik auch jener Öffentlichkeit aus, die primär nicht an Kunst interessiert ist. Dies führt bisweilen zu heftigen Kontroversen und nicht selten zu offener Ablehnung. Auf diese Weise gelingt es allerdings, die Öffentlichkeit mit kritischen Positionen, unkonventionellen Ansichten und bisher unbekannten Gestaltungsmöglichkeiten unmittelbar zu konfrontieren.
Regisseur Martin Vogg besucht in dieser TV-Dokumentation Kunstschaffende und spricht mit ihnen über ihre Projekte im öffentlichen Raum. Zu Wort kommen aber vor allem die Nutzer:innen – Anrainer und Passanten. Sie sind es, die mit dem eigens geschaffenen Kunstwerk längerfristig konfrontiert sind. Gleichzeitig stellt der Filmemacher die Frage, warum sich vor allem Gemeinden am Land, öffentliche Stellen oder Bauträger für Kunst im öffentlichen Raum entscheiden. Geschieht das, weil es Verantwortlichen ein echtes Anliegen ist, Menschen mit zeitgenössischer Kunst zu konfrontieren, oder wollen sie pure „Behübschung“? Geht es nur um Dekoration, die lediglich aus Trögen mit Blumen bestehen darf, oder rührt es tatsächlich daher, dass Kunstprojekte aus Kulturbudgets gefördert werden?
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