
Pensionssystem auf der Kippe: Ohne Strukturreform droht ein Milliardenloch
Aktion Generationengerechtigkeit warnt vor wachsendem Druck durch frühe Pensionierungen, hohe Ersatzraten und einseitige Finanzierung
Das österreichische Pensionssystem braucht eine strukturelle Reform auf allen Ebenen. Darauf weist Georg Feith, Obmann der Aktion Generationengerechtigkeit, mit Blick auf die zentralen Schwächen des Systems hin: Die Menschen gehen in Österreich zu früh in Pension, die Nettoersatzrate ist im internationalen Vergleich sehr hoch, und die Altersvorsorge stützt sich nach wie vor mit 92 Prozent fast ausschließlich auf die staatliche erste Säule, die auf dem Umlageverfahren basiert. Wenn nichts geschieht, drohen in den nächsten 15 Jahren rund 400.000 zusätzliche Pensionistinnen und Pensionisten – und ein zusätzliches Budgetloch von 18 Milliarden Euro. Das würde das heutige Defizit de facto verdoppeln.
„Jedem sollte bewusst sein, dass wir auf eine demografische Belastungswelle zusteuern. Je länger notwendige Reformen hinausgeschoben werden, desto schmerzhafter werden die Einschnitte in der Zukunft. Es ist schon jetzt sehr spät, aber wir können das System noch in die richtige Richtung lenken, wenn endlich an den entscheidenden Stellschrauben gedreht wird“, warnt Georg Feith, Obmann der Aktion Generationengerechtigkeit.
ANTRITTSALTER AUF 67 ERHÖHEN, ZWEITE SÄULE AUSBAUEN
Für Feith führt an einer Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters kein Weg vorbei: „In einem Zeithorizont von zehn Jahren sollte das gesetzliche Antrittsalter von 65 auf 67 Jahre angehoben werden.“ Gleichzeitig müsse die kapitalgedeckte Vorsorge deutlich gestärkt werden.
Konkret schlägt die Aktion Generationengerechtigkeit vor, den Arbeitgeberbeitrag zum Umlagesystem von 12,55 auf 11 Prozent zu senken und im Gegenzug den Beitrag zur Abfertigung Neu von 1,5 auf 3 Prozent zu verdoppeln. Diese Mittel sollten zweckgebunden der Altersvorsorge dienen und nicht mehr vorzeitig entnommen werden können. Ziel müsse eine zweite Säule sein, die künftig 30 bis 35 Prozent der gesamten Pension trägt.
PENSIONSANPASSUNGEN KORRIGIEREN, SYSTEME VEREINHEITLICHEN
Nach Ansicht von Feith wird eine nachhaltige Reform nur gelingen, wenn auch auf der Leistungsseite gegengesteuert wird. Die Pensionen seien in den vergangenen zwölf Jahren in Summe um fast 5 Prozent über der Inflation angehoben worden. Dieser Überhang sollte über einen Zeitraum von zehn Jahren schrittweise zurückgeführt werden – mit jährlichen Anpassungen von 0,5 Prozent unter der Inflationsrate.
Kritisch sieht Feith auch die immer wiederkehrenden sozialen Staffelungen bei Pensionsanpassungen: „Leistung wird in Österreich allzu oft bestraft.“ Zugleich fordert er ein Ende der „Pensionslotterie“ zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen. Notwendig sei ein einheitliches System mit einem Beitragssatz von 22,8 Prozent für alle, ohne Sonderregelungen und ohne Privilegien.
AKTIV-PENSION BEGRÜSST, ALTERSTEILZEIT ABSCHAFFEN
Die ab 2027 geltende Aktiv-Pension bewertet Feith grundsätzlich als richtiges Signal. Die dafür veranschlagte Gegenfinanzierung in Höhe von 370 Millionen Euro könne über entsprechend geringere Pensionsanpassungen für jene erfolgen, die im Alter nicht weiterarbeiten.
Kritisch beurteilt Feith hingegen die mit 1. Jänner 2026 gestartete Teilpension. Solange die Altersteilzeit parallel weiterbestehe, sei dieses Modell aus seiner Sicht zum Scheitern verurteilt. Feith plädiert daher für die vollständige Abschaffung der Altersteilzeit: Sie stamme aus einer arbeitsmarktpolitisch völlig anderen Zeit und passe nicht mehr zu den heutigen Herausforderungen.
„Wer Generationengerechtigkeit ernst nimmt, darf sich nicht länger mit kleinen Korrekturen begnügen. Österreich braucht eine ehrliche Reformdebatte über Antrittsalter, Erwerbsdauer, Systemlogik und Vorsorge. Sonst wächst der Druck auf Budget, Arbeitsmarkt und die junge Generation Jahr für Jahr weiter“, betont Heike Lehner, Generalsekretärin der Aktion Generationengerechtigkeit.
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ÜBER AKTION GENERATIONENGERECHTIGKEIT
Aktion Generationengerechtigkeit
Generalsekretärin Heike Lehner, MA (HSG)
Telefon: 0650 6465866
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