
Herzmedizin Oberwart rettet Leben: Dringender Ärzte-Appell an Ministerin
Burgenländische Landesregierung: Herzchirurgie versorgungspolitisch richtige Entscheidung
MIT EINEM OFFENEN BRIEF WENDEN SICH FÜHRENDE MEDIZINER AUS DEM BURGENLAND AN GESUNDHEITSMINISTERIN KORINNA SCHUMANN. SIE FORDERN UNTERSTÜTZUNG FÜR DEN AUSBAU DER HERZCHIRURGIE AN DER KLINIK OBERWART UND WARNEN VOR VERSORGUNGSLÜCKEN FÜR HERZPATIENTINNEN UND -PATIENTEN. DIE BURGENLÄNDISCHE LANDESREGIERUNG STEHT ZU DIESER VERSORGUNGSPOLITISCH RICHTIGEN ENTSCHEIDUNG EINER EIGENEN HERZCHIRURGISCHEN ABTEILUNG IN OBERWART. IM MITTELPUNKT STEHT AUSSCHLIESSLICH DIE BESTMÖGLICHE VERSORGUNG DER PATIENTINNEN UND PATIENTEN. MIT DER HERZCHIRURGIE WIRD EINE ENTSCHEIDENDE VERSORGUNGSLÜCKE GESCHLOSSEN.
OFFENER BRIEF AN GESUNDHEITSMINISTERIN KORINNA SCHUMANN:
An die
Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege & Konsumentenschutz Korinna Schumann,
Eisenstadt, 24. April 2026
Betreff: Herzchirurgie in der Klinik Oberwart
Sehr geehrte Frau Bundesministerin,
Seit Jahren sind wir mit der Situation konfrontiert, dass Patientinnen und Patienten, bei denen eine Herzoperation notwendig ist, in den Abteilungen in Graz und Wien nicht zeitnahe versorgt werden können. Die Wartezeiten, die für unsere Patientinnen und Patienten in Aussicht gestellt wurden, betrugen im Durchschnitt zwischen 6 und 9 Monate.
Um eine sichere Versorgung burgenländischer Herzpatientinnen und -patienten zu gewährleisten, hat die Gesundheit Burgenland zunächst eine Kooperation mit dem AKH Wien angestrebt. Seitens des AKH wurde die Notwendigkeit einer herzchirurgischen Versorgung in der Klinik Oberwart auch anerkannt. Im Kooperationsentwurf heißt es im Wortlaut: „Es besteht das gemeinsame Ziel, dass an der neugebauten Klinik Oberwart eine Fachabteilung für Herzchirurgie aufgebaut wird. Damit werden in ausgewählten Indikationen die Patientinnen und Patienten des Bundeslandes Burgenland zukünftig in der Klinik Oberwart behandelt.“ Da kein für beide Seiten tragfähiges Kooperationsmodell erzielt werden konnte, musste die Burgenländische Landesregierung die Entscheidung treffen, eine eigene Abteilung zu errichten; die Gesundheit Burgenland hat den Auftrag zur Umsetzung erhalten.
Für die Versorgungsqualität wird regelmäßig ausschließlich die Gesamtfallzahl einer Abteilung ins Feld geführt. Die Evidenz zeigt ein differenzierteres Bild: Ein auch wesentlicher Prädiktor für das Operationsergebnis ist die Fallzahl pro Operateur. Die Operateure der neuen Abteilung haben jeweils mehr als 1.000 Herzoperationen eigenverantwortlich durchgeführt. Qualität entsteht darüber hinaus im Zusammenspiel einer erfahrenen Herzchirurgie mit einer etablierten Kardiologie, spezialisierter Anästhesie, Kardiotechnik und Intensivmedizin.
Diese Struktur ist in Oberwart vorhanden. Die Kardiologie der Klinik Oberwart versorgt die burgenländische Bevölkerung seit Jahren auf interventionellem Spitzenniveau. Mit der neuen Abteilung wurde bereits ein gemeinsames Heart Team etabliert, das Therapieentscheidungen interdisziplinär trifft, und eine TAVI-Versorgung (Ersatz einer Herzklappe mittels Zugangs über die Leiste) mit herzchirurgischer Standby-Kompetenz am eigenen Haus, für den Notfall. In der in Gründung befindlichen Gesellschaft für Herzmedizin im Burgenland wirken Kardiologie, Herzchirurgie und niedergelassener Bereich zusammen. In Oberwart entsteht damit kein isolierter Operationsbetrieb, sondern ein kardiologisch-herzchirurgisches Zentrum für das gesamte Bundesland.
Der Bedarf dafür ist belegt. Das Burgenland weist seit Jahren eine überdurchschnittlich hohe Sterblichkeit im Bereich der Herzerkrankungen auf, besonders ausgeprägt im Südburgenland. Gleichzeitig ist das Burgenland – gemeinsam mit Vorarlberg – eines von nur zwei Bundesländern ohne eigene Herzchirurgie. In der akuten Situation, etwa bei einer Aortendissektion Typ A (Riss in der Aortenwand) oder einer fulminanten Endokarditis (lebensbedrohliche Herzklappenentzündung), haben Transportzeiten nach Wien oder Graz einen Einfluss auf die Überlebenschancen.
Hinzu kommt die bundesweite Versorgungslage: Der Österreichische Strukturplan Gesundheit sieht eine herzchirurgische Abteilung je mindestens 800.000 Einwohnerinnen und Einwohner vor. Tatsächlich entfallen auf die bestehenden acht Abteilungen im Schnitt deutlich mehr – ein Hinweis darauf, dass die österreichische Herzchirurgie insgesamt knapp dimensioniert ist.
Auch der bekannte Herzmediziner Prof. Ernst Wolner hat sich in einem Brief an Landeshauptmann Hans Peter Doskozil im Oktober 2025 ausdrücklich für eine vierte Herzchirurgie in der Ostregion am Standort Oberwart ausgesprochen. Die im Brief angesprochene Erweiterung um eine Herz-Thoraxchirurgie wird bereits in die strategischen Überlegungen einbezogen und kann in einem weiteren Entwicklungsschritt realisiert werden.
Die Entscheidung für eine eigene herzchirurgische Abteilung in Oberwart ist damit versorgungspolitisch begründet und medizinisch folgerichtig. Die Abteilung hat am 16. März 2026 den operativen Betrieb aufgenommen. Unser Auftrag – die herzchirurgische Versorgung der burgenländischen Bevölkerung – wird seither erfüllt.
Wir appellieren als Ärzte an Sie, verehrte Frau Bundesministerin, im Sinne der Patientinnen und Patienten den Ausbau der herzmedizinischen Einheit in Oberwart nicht zu behindern, sondern in den politischen Gremien zu unterstützen.
_Univ.-Prof. Dr. Stephan Kriwanek (Medizinischer Geschäftsführer Gesundheit Burgenland), Prim. Dr. Andreas Ochsenhofer (Leiter Innere Medizin 1 – Kardiologie und Nephrologie, Klinik Oberwart), Prim. Dr. Wolfgang Dietl (Leiter Herzchirurgie, Klinik Oberwart)_
Land Burgenland, Stabsabteilung Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Sabine Bandat
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