BELVEDERE: Anni Albers. Constructing Textiles

Das vielfältige Werk der Künstlerin und Designerin Anni Albers wird erstmals in Österreich mit einer großen Personale im Unteren Belvedere gewürdigt – 30. April bis 16. August 2026

DIE AUSSTELLUNG _CONSTRUCTING TEXTILES_, DEREN TITEL EINEM ESSAY DER KÜNSTLERIN VON 1946 ENTLEHNT IST, IST DEM VIELSEITIGEN OEUVRE VON ANNI ALBERS (1899–1994) GEWIDMET. ANHAND VON ZAHLREICHEN WERKEN AUS ALLEN SCHAFFENSPERIODEN, BEGINNEND MIT DEN ANFÄNGEN AM INNOVATIVEN BAUHAUS ÜBER DIE ZEIT AM LEGENDÄREN BLACK MOUNTAIN COLLEGE BIS IN DIE 1980ER-JAHRE, PRÄSENTIERT DIE SCHAU ALBERS’ FACETTENREICHE KARRIERE ZWISCHEN TEXTILEM UND ARCHITEKTUR, WEBEN UND BAUEN, VERGANGENHEIT UND GEGENWART.

Generaldirektorin Stella Rollig: Anni Albers’ Werk, das Textil, Architektur und Gestaltung in einen lebendigen Dialog bringt, wirkt bis heute als Inspiration für eine neue Generation von Künstler*innen, Architekt*innen und Designer*innen. Nicht zuletzt war sie eine Pionierin, die die Abgrenzungen von freier und angewandter Kunst außer Kraft setzte – eine Haltung, die in der zeitgenössischen Kunst dank Vorreiter*innen wie Albers als etabliert gilt.

Anni Albers’ kreatives und experimentelles Schaffen beginnt in den 1920er-Jahren am Bauhaus in Weimar. 1933 emigriert Albers in die USA und etabliert sich dort als vielfältige Designerin und Künstlerin. Sie entwickelt komplexe Webstrukturen und verwendet neuartige Fasern. Neben Bildwebereien, die als autonome Kunstwerke zu betrachten sind, widmet sie sich der Herstellung neuer Textilien für Gebäude und Innenräume, sogenannter „nützlicher Objekte“. Albers erachtet das Weben als fortschrittlichste Form des modernen architektonischen Denkens. Durch das tiefgreifende Verständnis des Materials und seiner sorgfältigen Verarbeitung ist Albers’ Arbeit von hoher Aktualität und Relevanz im Hinblick auf heutige Herausforderungen in den Bereichen Energie und materielle Ressourcen.

In der Ausstellung legen wir ein besonderes Augenmerk auf Anni Albers’ Rolle als Textildesignerin, auf ihr tiefes Verständnis für die zentrale Bedeutung von Materialien im Gestaltungsprozess sowie auf ihre präzisen und zukunftsweisenden Kooperationen mit Architekten und anderen Herstellenden. Anni Albers. Constructing Textiles macht die Vielfalt der Materialien, Techniken und Anwendungen sichtbar, die Albers’ experimentellen Zugang prägen, zeigt auf, wie sie Textilien als Teil der Architektur verstand, und erschließt ihre künstlerische Praxis. So eröffnet sich eine erweiterte Perspektive auf das facettenreiche Werk dieser außergewöhnlichen Künstlerin, so die Kuratorinnen Fabienne Eggelhöfer und Brenda Danilowitz.

Anhand von zahlreichen Werken aus allen Schaffensperioden, beginnend mit den Anfängen am innovativen Bauhaus, Dessau und Berlin über die Zeit am legendären Black Mountain College in North Carolina, bis in die 1980er-Jahre, präsentiert die Ausstellung Albers’ facettenreiche Karriere zwischen Textilem und Architektur, Weben und Bauen, Vergangenheit und Gegenwart. Sie umfasst sowohl Materialstudien, Textilmuster und Entwürfe als auch Bildgewebe, großformatige Raumteiler, Teppiche und Vorhangstoffe.

BIOGRAFIE ANNI ALBERS (1899–1994)

Anni Albers war eine der einflussreichsten Textilkünstler*innen und -designer*innen des 20. Jahrhunderts. 1899 in Berlin geboren, führte sie ihr Entschluss, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen, 1922 an das Bauhaus in Weimar, wo ihre frühe Ausbildung in der Weberei ihr Handwerk, ihre Kunst und ihre Lebenseinstellung prägten. Nachdem sie 1930 ihr Bauhaus-Diplom für ihren experimentellen Umgang mit neuen Materialien und ihre Beherrschung der strukturellen Möglichkeiten von Textilien erhalten hatte, war sie 1931/32 stellvertretende Leiterin der Werkstatt. Um Werke zu erstellen, die langlebig sind, war es Albers wichtig, dem Material große Aufmerksamkeit zu schenken und sich vom Faden leiten zu lassen.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Bauhaus-Künstler und -Lehrer Josef Albers, wanderte sie nach der Zwangsschließung der Schule im Jahr 1933 in die Vereinigten Staaten aus. Dort wurde ihr Werk in bedeutenden Ausstellungen gefeiert, darunter die erste Einzelpräsentation einer Textilkünstlerin im Museum of Modern Art in New York im Jahr 1949. Am Black Mountain College, einem fortschrittlichen College, entwickelte Anni Albers einen innovativen Lehrplan, der traditionelle Handwebtechniken mit moderner Kunst und Industriedesign verband.

Albers’ Haltung, dass zwischen Textilien und Architektur eine Verbindung besteht, beruhte auf ihrer Erkenntnis, dass Textilien zugleich Gebrauchsgegenstände und eigenständige Kunstwerke sein können. Ihre Überzeugung, dass Materialien sowohl in der Textilkunst als auch im Design eine zentrale Rolle spielen, veranlasste sie, mit einer Vielzahl ungewöhnlicher Fasern zu experimentieren, um starke und zugleich subtile Webmuster und Stoffe zu kreieren. Ihre einflussreiche Publikation _On Weaving_, die 1965 erschien, gilt bis heute als grundlegendes Werk zu diesem Thema. Anni Albers hat das Textildesign maßgeblich geprägt und dessen Anerkennung als ernst zu nehmende Kunstform gefördert. Ihr Werk beeinflusst bis heute Künstler*innen, Designer*innen und Architekt*innen weltweit.

ZUR AUSSTELLUNG IM UNTEREN BELVEDERE ERSCHEINT EIN KATALOG IM HANTJE CANTZ VERLAG.

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