14. Wiener Gemeinderat (2)

Fragestunde

GR Dr. Michael Gorlitzer, MBA (ÖVP) erkundigte sich in der fünften Anfrage bei Gesundheits- und Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) nach einem konkreten Plan des Wiener Gesundheitsverbundes zur Reduktion ärztlicher Überstunden bei gleichzeitiger Sicherstellung der Versorgungsqualität und Patient*innensicherheit. Hacker wies die Gleichsetzung von ärztlichen Überstunden mit gesicherter Versorgungsqualität zurück. „Je mehr Überstunden, desto gesicherter die Versorgungsqualität – das ist definitiv falsch“, sagte Hacker. Ärztliche Mehrleistungen würden zwar „zweifelsohne einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung eines Hochleistungsbetriebes“ leisten, insbesondere in einem 24-Stunden-Spitalsbetrieb an Wochenenden und Feiertagen. Gleichzeitig müsse aber der Schutz der Mitarbeiter*innen im Mittelpunkt stehen. Ein dauerhaft hoher Überstundenanteil könne „kein tragfähiges Strukturprinzip eines modernen Krankenanstaltenträgers sein“, so der Stadtrat. Eine generelle Reduktion aller Überstunden wäre „medizinisch weder sinnvoll noch verantwortlich und auch nicht im Sinne der Patient*innensicherheit“. Hacker verwies auf arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen und betonte, dass Überstunden nur im gesetzlichen Rahmen und auf Anordnung von Vorgesetzten erfolgen dürften. Eine pauschale Kürzung von Überstunden sei „medizinisch weder sinnvoll noch verantwortlich“. Ziel sei vielmehr eine „strukturierte, standort- und abteilungsspezifische Steuerung“ ärztlicher Mehrleistungen. Und dabei werde auch geprüft, welche Überstunden medizinisch notwendig seien, das liege in der Verantwortung der Primarärzt*innen. Es sei Aufgabe der Führungskräfte, dabei sowohl auf die Gesundheit der Mitarbeiter*innen als auch auf den lückenlosen Betrieb der Spitäler zu achten.

AKTUELLE STUNDE

Nach der Fragestunde wurde in der Aktuellen Stunde das Thema „Sportstadt Wien: Vielfalt ist unsere Disziplin – Breitensport, Frauenpower, Inklusion und Gewaltschutz“, das auf Verlangen der SPÖ-Rathausfraktion eingebracht wurde, debattiert.

GRin Yvonne Rychly (SPÖ) hob die Bedeutung des Sports für Zusammenhalt, Teilhabe und Gesundheit hervor und bedankte sich bei allen Mitarbeiter*innen, Einsatzkräften sowie Helfer*innen rund um den Eurovision Song Contest in der Wiener Stadthalle. Wien habe sich dabei erneut als „weltoffene, professionelle und gastfreundliche Stadt“ präsentiert. Sport sei „der stärkste soziale Kitt in unserer Gesellschaft“, sagte Rychly. Er überwinde soziale und sprachliche Barrieren und schaffe „gelebte Chancengleichheit“. Der Leitgedanke der Wiener Sportpolitik laute „Sport für alle“. Beteiligung dürfe nicht vom Einkommen der Eltern abhängen. Wien sei ein einziger pulsierender Bewegungsraum. Hierzu verwies Rychly auf kostenlose Bewegungsangebote in Parks und Sportanlagen. Mit Initiativen wie „Sport.Platz.Wien“ oder den „Käfig League“-Angeboten würden Kinder, Jugendliche und alle Wiener*innen direkt in ihren Grätzln erreicht. Die Gemeinderätin verwies zudem auf zahlreiche internationale Sportveranstaltungen in Wien im Jahr 2026. Dazu zählen unter anderem das 3×3-Basketball-Event am Heumarkt, die Sport Austria Finals sowie die nationalen Special Olympics Sommerspiele. Wien setze dabei auf Vielfalt, Inklusion und Gleichberechtigung. Auch der Mädchen- und Frauenfußball erlebe einen „gewaltigen, längst überfälligen Boom“. Fördermittel aus dem neuen Sportförderungsbeitrag würden künftig gezielt in Mädchen-, Frauen- und Behindertensport fließen. Das sei messbare Solidarität. Darüber hinaus sprach sich Rychly für eine „Null-Toleranz-Politik“ gegen physische, psychische und sexualisierte Gewalt im Sport aus. Sport müsse sicher sein und dürfe niemanden ausschließen. Abschließend verwies sie auf Investitionen in Sportstätten und Sanierungsprojekte und betonte, dass Sport ein gigantischer Wirtschaftssportmotor sei. „Damit Sport für alle auf Top-Niveau zugänglich bleibt, investieren wir 55 Millionen Euro in 30 Standorte“, so Rychly. „Sport ist nicht ‚nice to have‘, Sport ist ein Must-have“, sagte Rychly.

StRin Dr. Katarzyna Greco, MIEM (ÖVP) hob die Bedeutung des Sports für Integration, Prävention und gesellschaftlichen Zusammenhalt hervor. Sport sei „viel mehr als reine Freizeitgestaltung“. Vor allem bei der Sportinfrastruktur gebe es in Wien jedoch weiterhin großen Aufholbedarf. Infrastruktur vermittle Sicherheit, ermögliche Teilhabe und schaffe niederschwelligen Zugang für Kinder, Jugendliche, Familien und Senior*innen. Greco verwies auf sanierungsbedürftige Sportstätten in Wien. Als Beispiele nannte sie unter anderem den Verein ASV 13 in Hietzing sowie die Laufbahn im Leichtathletikzentrum im 2. Bezirk. Immer wieder gebe es Rückmeldungen über marode Duschen, Umkleiden und fehlende Modernisierungen. Gerade Vereine und ehrenamtliche Trainer*innen dürften mit diesen Problemen nicht allein gelassen werden. Besonders ging Greco auf die Zukunft des Postsportvereins in Hernals ein. Dort gehe es „um die Zukunft eines gesamten Standortes und nicht nur um einen Sportplatz“. Der Verein sei ein wichtiger Ort für Bewegung, Gemeinschaft und Freizeit für tausende Mitglieder. Die Stadt könne sich zwar nicht über Eigentümerinteressen hinwegsetzen, müsse sich aber „aktiv und mit Nachdruck“ für den Standort einsetzen.

Auch GRin Jing Hu, BA, MPharm (NEOS) hob die Bedeutung des Sports für Integration, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt hervor. Breitensport sei „nicht nur eine reine Freizeitbeschäftigung“, sondern auch aktive Integrations- und Gesundheitspolitik. Jede Stunde, in der ein Kind Sport mache, spare künftig Kosten im Gesundheitssystem. Alarmierend sei, dass derzeit rund 30 Prozent der Schulkinder übergewichtig oder adipös seien. Hu verwies hierzu auf die tägliche Bewegungseinheit, die Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) bundesweit ausrolle. Im vergangenen Schuljahr hätten in Wien bereits 517 Bildungseinrichtungen daran teilgenommen. Zudem sprach Hu über den neuen ÖFB-Campus in der Seestadt, der vergangene Woche eröffnet und von Bund und Stadt mit je 23 Millionen Euro gefördert wurde. Wien setze sowohl auf Spitzen- als auch auf Breitensport. Mit einem Sportförderungspaket von 1,5 Millionen Euro sei ein Schwerpunkt auf Mädchen-, Frauen- und Behindertensport sowie auf Kinderschutz gelegt worden. „Das ist kein Gießkannenprinzip, sondern gezielte Förderung mit einer korrekten Haltung“, sagte Hu und verwies abschließend auf zahlreiche Sportgroßveranstaltungen, die dieses Jahr in Wien stattfinden, wie die Sport Austria Finals, der Frauenlauf oder die 3×3-Basketball-Turniere. Wien sei „2026 wieder einmal Sporthauptstadt“.

GRin Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE) kritisierte den Begriff „Frauenpower“ als ungeeignet, da dadurch strukturelle Ungleichheiten unsichtbar gemacht würden. Entscheidend sei nicht, „ob wir Frauen Power haben“, sondern ob es eine Politik gebe, „die uns stärkt und die Macht gerecht verteilt“. Gerade im Sport zeige sich, wer sichtbar sei, Platz bekomme oder ausgeschlossen werde. Malle sprach sich für verbindliche Gewaltschutzstandards im Sport aus. Junge Frauen, Mädchen und Kinder würden dort immer wieder Sexismus, Abwertung oder Machtdemonstrationen erleben. „Keine öffentlichen Förderungen ohne verbindliche Schutzstandards“, forderte Malle. Auch beim Thema Inklusion gebe es große Defizite. Viele Sportstätten seien nicht barrierefrei und Menschen mit Behinderungen könnten oft nicht selbstverständlich am Sportangebot teilnehmen. Von echter Vielfalt könne daher keine Rede sein. Zudem kritisierte Malle Ungleichheiten zwischen Frauen- und Männersport, etwa bei Trainingszeiten, Preisgeldern, Sichtbarkeit oder Infrastruktur. Tatsache sei, dass lediglich 15 Prozent der Sportberichterstattung auf Frauen falle. „Eine feministische Sportpolitik erkennt man daran, ob Mädchen selbstverständlich Sport machen können, ob sie sicher sind, ob sie sichtbar sind und ob sie dieselben Chancen haben“, sagte Malle.

GR Lukas Brucker, MA (FPÖ) hob die Bedeutung ehrenamtlicher Funktionär*innen, Trainer*innen und Eltern für den Wiener Sport hervor. Der Sport werde „nicht von der Politik oder der SPÖ getragen“, sondern von den vielen Ehrenamtlichen. Gleichzeitig kritisierte Brucker die Sportinfrastruktur in Wien. Trotz einzelner neuer Anlagen habe Wien weiterhin ein „massives Sportstättenproblem“. Internationale Großereignisse im Fußball oder Eishockey könnten derzeit nicht ausgerichtet werden. Besonders kritisierte Brucker den Zustand des Happel-Stadions im Prater. Dieses „bröckelt an allen Ecken und Enden“, während andere Städte wie Prag oder Budapest massiv in moderne Sportstätten investieren würden. Es sei ein Armutszeugnis für die SPÖ und Wien. Auch die geplante Multifunktionsarena in St. Marx komme seit Jahren kaum voran. „Das ist kein Ruhmesblatt, das ist eine Blamage“, so der Gemeinderat. Brucker forderte Investitionen für moderne Sportstätten, mehr Unterstützung für Vereine und mehr Respekt für Ehrenamtliche ein. Auch müsse der Standort des Postsportvereins langfristig gesichert werden. (Forts.) kro

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