Musikwirtschaft fordert Streamingabgabe

Fachverband fordert Investitionsabgabe für internationale Streamingdienste als „Druckausgleich“ für den Musikstandort Österreich

Der Musikmarkt wächst seit gut einem Jahrzehnt kontinuierlich dank einer enormen Entwicklung im Streaming. Dementgegen schrumpft der Anteil an österreichischer Musik darin dramatisch. Nur rund 4 Prozent der in Österreich gestreamten Musik entfällt auf heimische Produktionen. Vom Marktwachstum profitieren damit primär die Plattformen selbst und internationale Großkonzerne; nicht aber heimische Musikschaffende und ihre Partner. Der Fachverband der Film- und Musikwirtschaft begrüßt die geplante Streamingabgabe der Bundesregierung als Steuerungsmaßnahme daher ausdrücklich.

Die aktuelle Musikwirtschaftsstudie unterstreicht die enorme Bedeutung und Wirtschaftskraft des Musikstandortes Österreich mit einer jährlichen Wertschöpfung von über 7 Milliarden Euro. Darin ist auch von noch bedeutend größerem Potenzial die Rede, das nur gehoben werden müsste.

„Alle Parlamentsparteien haben zuletzt gemeinsam die Erarbeitung einer Musikstrategie beschlossen. Wenn uns der Musikstandort wirklich am Herzen liegt, dann dürfen wir nicht schulterzuckend zur Kenntnis nehmen, dass der Großteil der Einnahmen einfach abfließt“, so Hannes Tschürtz, Musiksprecher im Fachverband der Film- und Musikwirtschaft.

MUSIKSTREAMING WÄCHST – ÖSTERREICHISCHE MUSIK VERLIERT SICHTBARKEIT

Anders als der Streaming-Konsum vermuten ließe, ergibt eine repräsentative Umfrage, dass rund ein Viertel der aktiv konsumierten Musik im Land aus Österreich stammt. Eine Zahl, die im Quervergleich auch mit Umsätzen aus dem physischen Verkauf mehr gestützt als entkräftet wird. Beides zeigt die Diskrepanz zum immer mehr dominierenden Streaming-Markt deutlich.

Während die Algorithmen der beherrschenden Streamingdienste in großen Märkten durchaus positive Effekte erzeugen können, leiden gerade Märkte wie Österreich aufgrund ihrer geringen Größe und gleichsprachiger Nachbarn unter strukturellen Nachteilen. Dazu kommt ein prinzipieller Nachteil im globalisierten Markt: Große internationale Musikunternehmen ziehen Investitionskapital aus dem Land ab und verkleinern ihre österreichischen Strukturen.

Die Last, in heimische Musik, künstlerische Vielfalt und lokale Talente zu investieren, liegt damit immer stärker bei heimischen Betrieben. Diese stehen ihrerseits durch die beschriebenen Entwicklungen unter besonderem wirtschaftlichem Druck. Diese systematischen Nachteile können nicht ohne professionellere Strukturen in Produktion und Vermarktung, nicht ohne verstärkten Kapitaleinsatz und nicht ohne gezielte Fördermaßnahmen überwunden werden.

FRANKREICH ALS VORBILD: WERTSCHÖPFUNG GEZIELT ZURÜCK IN DIE MUSIK INVESTIEREN

In Frankreich wurde dafür mit Erfolg das Modell einer „Streaming Tax“ im Musikbereich eingeführt, die zweckgewidmet in die Förderung und Stärkung der eigenen Musikwirtschaft fließt. Die Idee ähnelt vom Prinzip her auch der Argumentation heimischer Verleger, die der Einführung der Digitalabgabe vorausgegangen ist: Internationale Konzerne sind zwar an Konsum und Umsatz im lokalen Markt interessiert, lassen aber zu wenig Wertschöpfung im Land. Sie ziehen Erlöse ab, ohne ausreichend in lokales Produkt und dessen Sichtbarkeit zu investieren.

“Noch nie zuvor wurde so viel Musik konsumiert wie heute. Gleichzeitig verbleibt jedoch nur ein sehr geringer Teil der daraus entstehenden Wertschöpfung tatsächlich in Österreich. Streaming, Social Media und KI haben den Musikmarkt fundamental verändert und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für heimische Künstler:innen, Produzent:innen und Unternehmen massiv verschärft”, warnt Tschürtz.

„Der Fachverband der Film- und Musikwirtschaft unterstützt daher die Idee eines zweckgebundenen Investitionsmechanismus nach internationalem Vorbild, bei dem ein kleiner Teil der Umsätze großer Streamingplattformen wieder in österreichische Musikproduktion, Nachwuchs, Export und Professionalisierung reinvestiert wird”, so Tschürtz abschließend.

DIALOG relations
Martin Jandrisovits
Telefon: +43 676 35 33 669
E-Mail: presse@dialog-relations.at
Website: https://www.dialog-relations.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender