Hitzeaktionstag: Österreichische Ärztekammer fordert verstärkte Maßnahmen für mehr Resilienz des Gesundheitswesens

Anlässlich des Hitzeaktionstages betonte die ÖÄK die Herausforderungen für das Gesundheitssystem im Klimawandel. Klare Regeln für Arbeit bei Hitze sind nötig.

„Das bisherige Jahr 2026 mit dem trockensten Frühling der Messgeschichte hat gezeigt, dass der Klimawandel für ernste Situationen in Österreich sorgt“, hielt Harald Schlögel, 1. Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, zum Auftakt der Pressekonferenz zum Hitzeaktionstag 2026 fest. Im Bereich der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit sehe man bereits deutliche Auswirkungen. „Das beginnt bei Ängsten aufgrund der unsicheren und bedrohlichen Zukunftslage, geht über die konkreten Belastungen durch die steigende Zahl an Hitzetagen und Tropennächten bis hin zu den zunehmenden Umweltbelastungen und neue Krankheitsbilder aufgrund von neu eingewanderten Erregern beziehungsweise deren Wirtstiere“, so Schlögel. Es gebe also zahlreiche Ansatzpunkte, auf die sich das Gesundheitssystem einstellen müsse. Aktuell sei es nur rudimentär auf diese zusätzlichen Entwicklungen in der Gesundheitsversorgung vorbereitet. Das müsse sich ändern, so der ÖÄK-Vizepräsident: „Wir brauchen nun verstärkt eine vorausschauende Planung und vor allem muss die Resilienz des Gesundheitssystems gestärkt werden“, betonte er. Dabei spielen Ärztinnen und Ärzten eine ganz wesentliche Rolle: „Sie bekommen die Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Patientinnen und Patienten aus erster Hand mit, außerdem haben sie durch ihren Beruf eine besondere Vorbildwirkung und genießen hohes Vertrauen“, sagte Schlögel.

Letzteres sei entscheidend, etwa auch in Bezug auf das Bewusstsein zur eigenen Empfindlichkeit bei Hitze. Eine aktuelle Studie zeige: Mehr als die Hälfte aller Personen wissen gar nicht, dass sie hitzevulnerabel sind: „Das bedeutet verstärkte Aufklärungsarbeit besonders für Ärztinnen und Ärzte“, sagte Schlögel. „Symptome wie Muskel- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und erhöhte Herzfrequenz sind typisch bei hohen Temperaturen, ältere Menschen zeigen Symptome wie starke Kreislaufprobleme und Verwirrtheit – in diesen Fällen sollte umgehend eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden“, sagte Schlögel, der sich auch ein vierstündiges Zusatzmodul für Ersthelfer vorstellen könnte, das sich ausschließlich mit Hitzefolgen befasst. Wie sehr der Klimawandel alle Aspekte unserer Gesellschaft prägt, zeige beispielsweise auch die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft der Männer mit den zusätzlichen Trinkpausen. „Es zeigt, dass vieles im Wandel ist“, unterstrich Schlögel. Der Sport habe bereits erkannt, wie negativ sich Hitze auf die Leistungsfähigkeit auswirke, so der ÖÄK-Vizepräsident, der auch die Forderungen der Arbeiterkammer nach klaren Regeln für Arbeit bei Hitze unterstützte. Auch die Aus- und Weiterbildung bei Ärztinnen und Ärzten sei besonders wichtig. Bereits 2022 habe sich die Österreichische Ärztekammer diesem Ziel verpflichtet. „Neben dem Buch ‚Medizin im Klimawandel‘, das alle Ärztinnen und Ärzte Österreichs erhalten haben, wurden zu den Themen der Klimaerwärmung bereits mehrere Webinare veranstaltet. Sie können weiterhin abgerufen werden“, so Schlögel.

SCHLEICHENDE BLACKOUT-GEFAHR

„Der Gesundheitssektor in Österreich verursacht sieben Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen“, nannte Heinz Fuchsig, Co-Referent im Referat Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer, konkrete Zahlen. Es gäbe bereits einige Arbeitsgruppen, auch innerhalb der Ärztekammer, die sich mit der Reduktion dieses Ausmaßes befassen. „Vorbildlich ist der Österreichische Verband Grüner Krankenhäuser (ÖVGK) und viele Anästhesien, die Narkosegase gewechselt haben und auch diese gefiltert absaugen“, führte Fuchsig positive Beispiele an.

Zudem sollten die Krankenhäuser österreichweit auf Hitze evaluiert werden. „Dabei sollten wir genau die entsprechenden Hotspots im wahren Wortsinn identifizieren und die Nachrüstung mit Kühlungen priorisieren“, schlug Fuchsig vor. Eine drohende Auswirkung des Klimawandels liegt dem Umweltmediziner besonders am Herzen: Stromausfälle seien ein großes Thema, von der NY Times zuletzt als ‚tödlichstes Klimaereignis in Städten‘ genannt. In Österreich wären vor allem Aufzüge in Wohnhäusern und motorisch abgeschattete Krankenzimmer gefährdet. Hier seien Infrastrukturmaßnahmen nötig: So müsse Sonnenschutz auch bei Stromausfall funktionieren: „Der Sonnenschutz wird aber bei so gut wie keinem Spital vom Notstrom versorgt“, sagte Fuchsig. Außerdem müsse das sogenannte Heatmapping greifen: „Damit ist gemeint, dass Vulnerable (Hitzeempfindliche) die kühleren Räume in den Spitälern bekommen sollen.“

COOLE LÖSUNGEN

Da der Hitzeaktionstag 2026 unter dem Motto „Coole Lösungen für den Arbeitsplatz“ steht, geht es auch um Herausforderungen und Möglichkeiten in der Arbeitsmedizin. Karl Hochgatterer, Referent im ÖÄK-Referat für Arbeitsmedizin, führte dazu aus: „Schon um die 30 Grad Celsius gefühlte Temperatur bringen eine messbare Abnahme der Leistungsfähigkeit des Gehirns – bei Männern übrigens früher als bei Frauen.“ Zunächst sinkt die Verarbeitungsgeschwindigkeit, ab 30 Grad steigt die Fehlerhäufigkeit deutlich an: „Die Aufmerksamkeitsspanne wird kürzer, Entscheidungen zu finden und Emotionen zu regulieren wird bei Hitze zunehmend schwieriger“, so der Arbeitsmediziner.

Arbeitsmediziner sollten daher bei der Analyse und Vorbereitung auf Hitze in Betrieben hinzugezogen werden, forderte Hochgatterer: „Sie können auch die innerbetrieblichen Ersthelfer schulen, damit durch frühes richtiges Handeln schwerere Fälle vermieden und das Gesundheitswesen entlastet werden kann.“ Unter Berufstätigen gebe es zahlreiche Gefährdete wie Nierenkranke oder Diabetiker. Besonderes Augenmerk gelte natürlich Schwerarbeitern, besonders im Freien.

Österreichische Ärztekammer / Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Sascha Bunda
Telefon: 01/51406-3341
E-Mail: s.bunda@aerztekammer.at
Website: https://www.aerztekammer.at

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