Bischöfe appellieren: Papst-Enzyklika lesen und handeln

Bischofskonferenz zum Abschluss der Sommervollversammlung in Mariazell: In Zeit der Künstlichen Intelligenz besteht „dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben“

Österreichs Bischöfe haben zum Abschluss ihrer Sommervollversammlung am Mittwoch in Mariazell die Verantwortungsträger in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aufgerufen, gemeinsam mit Betroffenen und Interessierten die Inhalte der Sozialenzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo zu reflektieren und umzusetzen. „Aus Worten müssen Taten erwachsen, die auf das weltweite Wohl aller gerichtet sind“, halten die Bischöfe wörtlich fest.

Über dem gesamten Dokument stehe ein Leitwort, das alles zusammenfasst: In der Zeit der Künstlichen Intelligenz habe man die „dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben“. Gerade weil es die Reichen und Mächtigen sind, die KI-Systeme entwickeln und zu ihrem Vorteil einsetzen, brauche es die vom Papst eingemahnte Perspektive der Armen, Schwachen und Benachteiligten. So werde „Magnifica humanitas“ zu einem geistlichen und kulturellen Weckruf, betonen die Bischöfe und sie halten weiter fest: „Die Zukunft entscheidet sich nicht an der Leistungsfähigkeit unserer Systeme, sondern daran, ob wir Verantwortung übernehmen – für den Menschen und für eine Kultur der Begegnung, der Liebe und des Friedens.“

Eindringlich appelliere der Papst dafür, dass die Künstliche Intelligenz entwaffnet werden muss. „Entwaffnen“ bedeute für Leo: „befreit von Logiken, die sie zu einem Instrument der Herrschaft, der Ausgrenzung und des Todes machen. Entscheidungen über Technologie dürfen niemals von Gewissen und Verantwortung getrennt werden.“ Wobei dem Papst eine Entwaffnung nicht reiche, wie die Bischöfe betonen. Vielmehr müsse es auch um den Aufbau einer „Zivilisation der Liebe“ gehen.

Die Bischöfe weisen in ihrer Erklärung auch darauf hin, dass sie auch für ihren Bereich dem Thema KI entsprechende Aufmerksamkeit widmen. So habe die Bischofskonferenz bereits im November 2025 eine Arbeitsgruppe zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz im kirchlichen Bereich eingesetzt. Geleitet wird die interdisziplinär zusammengesetzte Gruppe vom Innsbrucker Bischof Hermann Glettler. Sie soll juristische wie ethische Fragestellungen sowie praktische Anwendungsperspektiven für die Kirche bearbeiten und erste Ergebnisse schon bei der nächsten Vollversammlung der Bischofskonferenz im Herbst vorlegen.

Bischöfe und Orden

Österreichs Bischöfe wollen die Beziehungen zu den Ordensgemeinschaften im Land intensivieren und künftig noch enger mit den Orden zusammenarbeiten. Das geht aus einer aktuellen Erklärung zum Abschluss der Sommervollversammlung der Bischofskonferenz in Mariazell hervor. In der Erklärung bilanzieren die Bischöfe sehr positiv den Studiennachmittag mit Vertreterinnen und Vertretern der Orden, mit dem am Montag die Vollversammlung eröffnet worden war.

Zur Sprache kamen beim Studientag laut Erklärung u.a. Initiativen, in denen Ordensgemeinschaften auf aktuelle Nöte der Gegenwart reagieren und neue Akzente setzten. Herausforderungen bestünden weiters durch mitunter fehlende Ansprechpartner für die Diözesen bei länderübergreifenden Organisationsstrukturen von Ordensgemeinschaften oder bei Nachnutzungen von aufgelassenen Klöstern. Intensive Kommunikation brauche es im Rahmen von Strukturreformen in den Diözesen, die nur gemeinsam mit den Orden umgesetzt werden können.

Auch der Einsatz von Ordensleuten aus anderen Teilen der Weltkirche in Österreich sei zur Sprache gekommen, heißt es in der Erklärung. Die zunehmende Internationalisierung der Kirche bringe Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich. Ein weiteres Thema war das Aufkommen neuer Ordensgemeinschaften „mit ihren besonderen Charismen“. Thematisiert worden sei auch eine stärkere Zusammenarbeit von Klöstern und Diözesen bei der Etablierung von geistlichen Zentren, „die es in der Gesellschaft so dringend braucht“.

Vorsitzendenwahl

Bereits am Dienstag haben die Bischöfe im Rahmen ihrer Vollversammlung ihre beiden Spitzen durch Wahl im Amt bestätigt: Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner bleibt für eine weitere Amtsperiode von sechs Jahren Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer sein Stellvertreter.

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