
Wittgenstein-Preis für Quantenforscher Markus Aspelmeyer
Der an Uni Wien und ÖAW forschende Physiker erhält „Österreichs Nobelpreis“ für einzigartige Experimente an der Schnittstelle von Quantenphysik und Einsteins Gravitationstheorie.
Lassen sich Gravitation und Quantenmechanik miteinander vereinen? Dieser Frage widmet sich der Physiker Markus Aspelmeyer – und ist mit seinen Experimenten Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie quantenphysikalisch auf den Fersen. Für seine wegweisenden Arbeiten erhält der Professor an der Universität Wien und Direktor des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation Wien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) nun den mit 2 Millionen Euro dotierten Wittgenstein-Preis des Wissenschaftsfonds FWF – Österreichs höchste Einzelförderung für Forschung.
„Ich gratuliere Markus Aspelmeyer zu diesem herausragenden Erfolg. Er macht seit Jahren exzellente Grundlagenforschung und hat wesentlich dazu beigetragen, dass Österreich in Sachen Quantenphysik ein international führender Standort ist. Dieser Erfolg macht auch deutlich, wie wichtig die ausreichende Finanzierung der Grundlagenforschung beim FWF und an den Universitäten ist. Um den Forschungsstandort Österreich zu sichern, braucht es Planungssicherheit, ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zu international leistungsfähigen Universitäten und eine ausreichende Finanzierung für 2028–2030“, so SEBASTIAN SCHÜTZE, REKTOR DER UNIVERSITÄT WIEN.
„Mit Markus Aspelmeyer wird ein Physiker ausgezeichnet, der sich den fundamentalen Fragen der Physik widmet. Die Auszeichnung mit dem Wittgenstein-Preis ist eine hochverdiente Würdigung seiner exzellenten Forschungsarbeit. Sie unterstreicht zugleich die erfolgreiche Zusammenarbeit der Akademie mit forschungsstarken Universitäten wie der Uni Wien. Meine herzliche Gratulation geht an Aspelmeyer sowie an die START-Preisträgerin der ÖAW Isabella Fritz“, sagt HEINZ FASSMANN, PRÄSIDENT DER ÖSTERREICHISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
WELTWEIT EINZIGARTIGE FORSCHUNG
Die moderne Physik ruht auf zwei Säulen: der Quantenmechanik, die das Verhalten der kleinsten Bausteine der Natur beschreibt, und der Allgemeinen Relativitätstheorie, mit der Albert Einstein vor über 100 Jahren die Gravitation als Eigenschaft von Raum und Zeit erklärte. Beide Theorien zählen zu den größten Erfolgen der Wissenschaft – doch sie sprechen unterschiedliche Sprachen. Während die Quantenmechanik von Wahrscheinlichkeiten und Überlagerungszuständen geprägt ist, beschreibt Einsteins Theorie ein kontinuierliches Gefüge aus Raum und Zeit. Wie sich Gravitation im Quantenbereich verhält, gehört daher zu den größten ungelösten Fragen der modernen Physik.
„Diese Lücke versuchen wir von beiden Seiten zu schließen“, sagt Markus Aspelmeyer. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er Experimente, die quantenmechanische Effekte an immer größeren Objekten sichtbar machen. Mithilfe hochpräziser Laser- und Vakuumtechnologien werden mikroskopische und mesoskopische Systeme kontrolliert, die zugleich ein messbares Gravitationsfeld erzeugen.
„Wir verfolgen ein Forschungsprogramm, das weltweit einzigartig ist, weil wir Präzisions-Gravitationsmessungen und Quantenexperimente mit massiven Objekten miteinander verbinden“, erklärt Aspelmeyer. So gelang es seinem Team bereits, schwebende Festkörper aus Milliarden von Atomen in Quantenzustände zu versetzen und das Gravitationsfeld einer nur millimetergroßen Goldkugel zu messen – ein Signal, das rund 30 Milliarden Mal schwächer ist als die Schwerkraft der Erde.
Langfristig sollen diese Experimente zeigen, ob die Gesetze der Quantenphysik auch für die Gravitation gelten. Gelingt dies, könnte das ein entscheidender Hinweis für eine Theorie der Quantengravitation sein. Eine solche Verbindung gilt als eines der wichtigsten Ziele der Grundlagenforschung und würde unser Verständnis der Natur auf eine neue Ebene heben. „Der Wittgenstein-Preis gibt uns die Freiheit und die Möglichkeiten, die nächsten großen Schritte zu gehen“, sagt Aspelmeyer.
VON MÜNCHEN NACH WIEN
Nach seinem Studium der Physik und Philosophie promovierte Markus Aspelmeyer 2002 in Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und wechselte anschließend an die Universität Wien, wo er in der Forschungsgruppe des Nobelpreisträgers Anton Zeilinger arbeitete.
Seit 2009 ist er Professor für Physik an der Universität Wien und seit 2019 Direktor am Wiener Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zudem ist er im Vorstand des FWF-Exzellenzclusters „Quantum Science Austria“. Für seine Arbeiten wurde Aspelmeyer vielfach international ausgezeichnet, zuletzt 2025 mit dem Prize for Fundamental Aspects der European Physical Society für seine wegweisenden Beiträge zur Quantenoptomechanik. Der dreifache ERC-Preisträger ist Fellow der American Physical Society sowie Mitglied der ÖAW und der Akademie der Wissenschaften und Künste in Hamburg.
FÜNF ASTRA-PREISE
Auch bei der diesjährigen Vergabe der ASTRA-Preise können ÖAW und Universität Wien Erfolge feiern: Insgesamt 4 ASTRA-Preise gehen an die Uni Wien, einer an die Akademie. In seinem ASTRA-Projekt untersucht der Mathematiker Matija Bucic von der Universität Wien das so genannte Pass-to-Expander-Paradigma, ein zentrales Konzept der Graphentheorie, und die Astrophysikerin Katja Fahrion erforscht einen neuen Ansatz zur Messung kosmischer Entfernungen mithilfe von Sternhaufen – dichten Ansammlungen von Sternen, die in Galaxien vorkommen. Am Zentrum für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Uni Wien erforscht einerseits Bettina Glasl, wie die mikrobielle Welt im Inneren von Tieren funktioniert und Sarah Pati untersucht in ihrem ASTRA-Projekt andererseits, woher die Schadstoffe im Trinkwasser stammen und wie sie sich in der Umwelt verhalten.
Die Linguistin Isabella Fritz von der ÖAW erhält einen ASTRA-Preis, um zu untersuchen, wie Ähnlichkeiten in den Lautsystemen (Phonologien) von Sprachen das Verstehen und Sprechen beeinflussen.
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