Johanniter warnen: Ältere Menschen sind die unterschätzte Hitze-Risikogruppe

Wenn es heiß wird, blickt die Öffentlichkeit meist auf Bade- oder Bergunfälle. Eine Risikogruppe gerät dabei aus dem Blick: ältere, alleinlebende Menschen in überhitzten Wohnungen.

Genau hier gibt es die meisten hitzebedingten Todesfälle – leise, unbemerkt und oft ohne rechtzeitigen Eingriff von außen. Die Johanniter Österreich warnen anlässlich der anhaltenden Hitzesaison davor, dass dieses Risiko nach wie vor unterschätzt wird und rufen zu mehr Aufmerksamkeit für vulnerable Gruppen auf.

WARUM ÄLTERE MENSCHEN BESONDERS GEFÄHRDET SIND

„Im Alter lässt die Schweißdrüsenaktivität nach, die natürliche Kühlung des Köpers funktioniert schlechter. Gleichzeitig nimmt bei vielen älteren Menschen auch das Durstgefühl ab. Diese Kombination führt rasch zu einer lebensbedrohlichen Dehydrierung, ohne dass die Betroffenen es merken,“ erläutert Johanniter-Chefarzt Rainer Thell die Gefahren durch Hitze. „Besonders kritisch: Ein drohender Hitzschlag kündigt sich nicht merklich an. Verwirrung, Orientierungslosigkeit oder manchmal auch Aggressivität sind Symptome, die von Angehörigen oft falsch eingeschätzt oder anderen Ursachen zugeschrieben werden.“

Und auf einen weiteren Risikofaktor macht der Johanniter-Chefarzt aufgrund seiner Erfahrung als Notarzt aufmerksam: „Am gefährlichsten ist der Faktor Einsamkeit – ein Thema, das oft übersehen wird.“ Laut Thell sind die große Hitze-Risikogruppe vor allem ältere Menschen, die allein in Wohnanlagen leben, ohne jemanden, der regelmäßig nach ihnen sieht: „Soziale Isolation ist einer der größten Risikofaktoren überhaupt. Hitze tötet nicht nur am Berg oder am Badestrand. Das eigentliche Problem ist demnach sehr oft nicht medizinischer, sondern vielmehr gesellschaftlicher Natur.“

Besonders gefährdet sind:

* Menschen über 75 Jahre
* Personen mit Herzerkrankungen oder eingeschränkter Mobilität
* Alleinlebende Senior:innen ohne soziales Netz
* Menschen mit Demenz oder psychiatrischen Erkrankungen
* Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen (z. B. Diuretika oder Blutdrucksenker)

ERSTE HILFE BEI HITZENOTFÄLLEN. WAS JEDE UND JEDER TUN KANN

Ein Hitzschlag ist erkennbar an heißer, trockener Haut, Verwirrtheit und schnellem Puls. In diesem Fall gilt: SOFORT NOTRUF 144 WÄHLEN, die Person in den Schatten bringen, kühlen und bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage bringen. Nichtstun ist in jedem Fall der größte Fehler.

Genauso wichtig ist es, gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Dafür braucht es keine großen Gesten:

* Ältere Nachbar:innen und Angehörige regelmäßig kontaktieren – besonders an Hitzetagen
* Regelmäßig ans Trinken erinnern, auch wenn kein Durst verspürt wird
* Auf Warnsignale achten: Verwirrtheit, Erschöpfung, gerötete Haut
* Bei Verdacht auf Hitzschlag sofort den Notruf 144 wählen
* Hausnotruf-Systeme für alleinlebende Senior:innen in Betracht ziehen

HAUSNOTRUF ALS ZUSÄTZLICHES SICHERHEITSNETZ

Für Menschen, die allein leben, kann ein Hausnotruf im Ernstfall entscheidend sein: Per Knopfdruck am Armband oder Gerät erreichen sie rund um die Uhr die Notrufzentrale, ohne zum Telefon gehen zu müssen – etwa bei einem Hitzekollaps oder plötzlicher Verwirrtheit. Die Zentrale koordiniert dann die weitere Hilfe.

„Die wirksamste Antwort ist manchmal ein Anruf beim Nachbarn. Oder ein Hausnotruf-Knopf, den jemand drückt, bevor es zu spät ist“, so Chefarzt Thell abschließend. „Es sind oft die einfachen Dinge, die den Unterschied machen.“

_(SERVICE – Die Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich zählt mit fast 1.500 Mitarbeitenden, davon mehr als die Hälfte Ehrenamtliche, zu den führenden Rettungs- und Hilfsorganisationen Österreichs. Fördernde Mitglieder sowie Spender:innen unterstützen die Arbeit der Johanniter und ermöglichen mit ihren Beiträgen ein breites Spektrum an sozialen und karitativen Leistungen, etwa Rettungsdienst und Krankentransport, Wohnungslosenhilfe, Gesundheits- und Hauskrankenpflege, Palliativpflege, Soziale Dienste, Erste-Hilfe-Ausbildung, Katastrophenhilfe, Forschung und Jugendarbeit: __www.johanniter.at__)_

Johanniter Österreich Service gemeinnützige GmbH
Mag. Anita Bauer
Telefon: +43 676 83 112 803
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