
Armut fördert sozial bedingte Ungleichheiten der Gesundheitschancen
Schulärzt:innen & Kinder- und Jugendärzt:innen fordern Einführung der Software „SchulDoc“
Health Inequity, die gesundheitliche Ungleichheit, trifft immer mehr Kinder und Jugendliche in Österreich. Trotz des Wohlstands in Österreich ist etwa jedes fünfte Kind von Armut betroffen. Armutsbetroffene haben beispielsweise ein deutlich höheres Risiko chronisch krank zu werden. Damit in Verbindung steht oft auch ein mangelnder Zugang zu ärztlicher Versorgung oder das Fehlen des Bewusstseins für Gesundheitsprävention. Einen niederschwelligen Zugang für alle Schüler:innen bilden das Schularztwesen und die jährlich verpflichtende Untersuchung in der Schule, gepaart mit der weiterführenden Betreuung und Behandlung durch Kinder- und Jugendärzt:innen. Allerdings fehlt dafür ein zeitgemäßes Erfassungstool.
SCHULARZTSOFTWARE „SCHULDOC“ ALS MÖGLICHER GAMECHANGER IN DER GESUNDHEITSPRÄVENTION
Die im Rahmen von Schuluntersuchungen erhobenen Gesundheitsdaten werden mangels einer einheitlichen Softwarelösung bisher nicht zentral ausgewertet. Mit diesen Daten könnte man nicht nur Rückschlüsse auf den Gesundheitsstatus ziehen, sondern auch soziale Ungleichheiten bei der Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen identifizieren. Bereits 2023 hätte diese Software zum Einsatz kommen sollen. Trotz Bemühungen der beteiligten Ministerien und mehrmaliger Zusicherung der Einführung, warten Österreichs Schulärzt:innen noch immer auf die schon lange fertige Softwarelösung.
Aus den Tätigkeitsberichten der Bundesschulärzt:innen für das Schuljahr 2023/2024 geht hervor, dass allein an Bundesschulen 260.000 §66 SchUG Untersuchungen durchgeführt wurden, zusätzlich 198.000 weitere Konsultationen. Diese wertvollen Daten liegen derzeit brach und könnten durch „SchulDoc“ jederzeit zielführend verwendet werden. Passgenaue Präventionskonzepte und Versorgungsstrukturen könnten auch regional sinnvoll gewichtet werden.
GSÖ UND ÖGKJ FORDERN UMGEHENDE EINFÜHRUNG VON „SCHULDOC“
Die bislang nicht erfolgte Einführung von „SchulDoc“ stößt bei beiden Fachgesellschaften auf Unverständnis. Wider der Unterstützung beider involvierter Ministerien (Bildung und Gesundheit) wird der Start weiterhin verzögert. „Wir appellieren dringend an die politischen Verantwortlichen, die Implementierung von „SchulDoc“ uneingeschränkt zu unterstützen. Kinder- und Jugendgesundheit darf keine ‚politische Verhandlungsmasse‘ sein! Beide Ministerien betonen ihre Unterstützung, woran scheitert es dann?“, so Dr.in Angela Huber, Präsidentin der Gesellschaft der Schulärzt:innen Österreichs.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, setzt nach: „Es ist höchste Zeit, den ‚Blindflug‘ bezüglich Gesundheitsdaten an Österreichs Schulen durch ein modernes Dokumentationssystem endlich zu beenden. „SchulDoc“ ist Voraussetzung für zielgerichtete Interventions- und Präventionsstrategien bei Österreichs Schüler:innen“.
MEDLIKE | gesund kommuniziert
Simon Wohlfarter
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