Coface Risk Review: Trotz „Hydration Break“ am Persischen Golf bleibt globale Wirtschaft unter Druck

Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts im Nahen Osten sind weltweit zunehmend spürbar: Gestörte Lieferketten, steigende Preise und wachsender finanzieller Druck belasten Unternehmen und Volkswirtschaften. Vor diesem Hintergrund hat der internationale Kreditversicherer Coface die globale Wachstumsprognose für 2026 auf 2,3 Prozent und für 2027 auf 2,5 Prozent gesenkt und in seiner aktuellen Risk Review acht Länder herabgestuft. Nach mehr als fünfzehn Wochen Konflikt sorgt das „Memorandum of Understanding“ zwischen den USA und Iran vorübergehend für Beruhigung in der Region. Doch diese Atempause darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Auswirkungen des Konflikts deutlich größer sind als ursprünglich angenommen und eine Schlüsselregion der Weltwirtschaft nachhaltig erschüttert haben. „Die Straße von Hormus ist und bleibt ein zentraler Engpass für den Transport von Öl, Gas und wichtigen Vorprodukten. Besonders Südostasien und Ostafrika sind stark betroffen. Eine schnelle Normalisierung ist derzeit nicht in Sicht“, erklärt Markus Kuger, Head of Economic Research DACH bei Coface.

„Die Weltwirtschaft konnte den Schock bislang vergleichsweise gut verkraften, etwa durch aufgebaute Lagerbestände und Anpassungen auf der Nachfrageseite. Diese Puffer stoßen jedoch zunehmend an ihre Grenzen“, sagt Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich. Produktionsstopps in einzelnen Branchen, steigende Inflation und restriktivere Finanzierungsbedingungen sind erste Belastungssignale. „Die globalen Lieferketten stehen erneut massiv unter Druck“, betont Koch. Die nahezu vollständige Schließung der Straße von Hormus – im Mai passierten nur noch 145 Schiffe die wichtige Handelsroute, verglichen mit über 3.300 im Vorjahr – hat den internationalen Transport massiv beeinträchtigt. Gleichzeitig treiben hohe Energiepreise, bei einem erwarteten durchschnittlichen Ölpreis von 85 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2026, die Kosten für Transport und Produktion weiter in die Höhe. „Unternehmen berichten bereits von längeren Lieferzeiten, steigenden Kosten und ersten Engpässen. Viele reagieren mit vorsorglichem Lageraufbau, was Liquidität bindet und die Margen zusätzlich belastet“, erklärt Markus Kuger. Gleichzeitig erwartet Coface einen deutlichen Anstieg der weltweiten Unternehmensinsolvenzen um 6 Prozent, mit besonders starken Zuwächsen unter anderem in den USA, Frankreich und Japan.

EIN KONFLIKT, UNTERSCHIEDLICHE AUSWIRKUNGEN

Die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts sind weltweit spürbar, treffen die verschiedenen Regionen jedoch unterschiedlich stark:

Im Nahen Osten sind die Golfstaaten besonders stark betroffen, mit teils deutlichen wirtschaftlichen Einbrüchen aufgrund ihrer Abhängigkeit von der Straße von Hormus. In Europa belasten hohe Energiepreise und anhaltende Unsicherheit die Binnenkonjunktur; für die Eurozone wird lediglich ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet. In den USA steigt die Inflation zuletzt wieder deutlich an (von 2,4 Prozent im Februar auf 4,2 Prozent im Mai). In Asien zeigt sich ein gemischtes Bild: Während technologiegetriebene Sektoren, insbesondere die Halbleiterindustrie, weiterhin stark wachsen, stehen vor allem das verarbeitende Gewerbe und konsumnahe Branchen unter erheblichem Margendruck. In Schwellenländern, insbesondere in Lateinamerika, führen steigende Inflation und restriktivere Geldpolitik zu zusätzlichen Belastungen, etwa in Brasilien mit einem Leitzins von 14,5 Prozent.

LÄNDERRISIKEN: HERABSTUFUNGEN IN MEHREREN REGIONEN

Im aktuellen Risk Review hat Coface die Länderrisikobewertung für mehrere Volkswirtschaften nach unten angepasst. Das Länderrisiko beschreibt das allgemeine Umfeld eines Landes, um lokale Kreditrisiken zu bewerten und einordnen zu können.

Besonders betroffen sind zahlreiche Volkswirtschaften in Asien: Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Vietnam wurden jeweils von A4 auf B herabgestuft. Treiber sind vor allem steigende Importkosten, Währungsabwertungen sowie zunehmende finanzielle und fiskalische Risiken. Kambodscha wurde ebenso von C auf D herabgestuft. In Afrika verschlechtert sich das Risikoumfeld ebenfalls spürbar: Tansania wurde von B auf C und Madagaskar von C auf D herabgestuft. Rohstoffabhängige Staaten bleiben nicht verschont: Kuwait wurde von A4 auf B abgestuft, da die starke Abhängigkeit vom Öltransport durch die Straße von Hormus das Land besonders anfällig für die aktuellen Störungen macht.

ÖSTERREICH: BESSERER AUSBLICK MIT UNTERSCHIEDLICHEN RISIKEN

„In Österreich ist der Metallsektor aufgrund der US-Zölle, chinesischer Konkurrenz und erhöhter Energiepreise unter Druck. Der Papiersektor kämpft seit Jahren mit ausländischer Konkurrenz und einem sich veränderten Nachfrageverhalten. Dieser Sektor wurde in die „sehr hohe“ Risikokategorie abgestuft“, erläutert Kuger. Der Ausblick auf die zweite Jahreshälfte hat sich mit dem Ende der Kampfhandlungen am Persischen Golf verbessert. Öl- und Gaspreise sind in den letzten Wochen gesunken und weitere Leitzinserhöhungen in der Eurozone sind möglicherweise nicht mehr notwendig, da der Inflationsdruck niedriger ausfallen dürfte als zunächst befürchtet. Trotzdem bestehen weiterhin Risiken für Österreichs Volkswirtschaft, zum Beispiel durch ein potenzielles Wiederaufflammen des Iran-USA-Konflikts, langanhaltenden Schäden an der Gas- und Ölinfrastruktur am Golf sowie einen größeren als ursprünglich erwarteten Konsolidierungsbedarf in Österreichs Staatshaushalt.

COFACE: FOR TRADE

Coface zählt seit 80 Jahren zu den weltweit führenden Unternehmen im Kredit- und Risikomanagement und unterstützt Firmen dabei, sich in einem unsicheren und volatilen Umfeld zurechtzufinden und zu wachsen. Unabhängig von Größe, Standort oder Branche bietet Coface ihren 100.000 Kunden in rund 200 Märkten umfassende Lösungen an: Warenkreditversicherung, Wirtschaftsauskünfte, Inkasso, Absicherung von Projektgeschäften. Tag für Tag setzen wir unser einzigartiges Know-how und Spitzentechnologie ein, um den Handel zu unterstützen – sowohl im Inland als auch auf Exportmärkten. Im Jahr 2025 beschäftigte Coface ~5.511 Mitarbeitende und erzielte einen Umsatz von ~1,84 Milliarden Euro.

Coface, Niederlassung Austria
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