
Kinderwunschexperte: Beim Social Freezing erhöht frühzeitiges Einfrieren die Chancen für eine Schwangerschaft
Immer mehr Frauen beschäftigen sich mit der Möglichkeit des Social Freezing, um ihre Familienplanung flexibler gestalten zu können. Das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen kann die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft verbessern – entscheidend ist jedoch, wann die Eizellen eingefroren werden. Kinderwunschexperte Priv.-Doz. DDr. Michael Feichtinger plädiert deshalb für eine frühzeitige und umfassende Aufklärung über die biologischen Grundlagen der weiblichen Fruchtbarkeit.
Neue auf dem Jahreskongress der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) präsentierte Daten bestätigen, dass das Alter zum Zeitpunkt des Einfrierens der Eizellen der wichtigste Einflussfaktor auf den späteren Erfolg von Social Freezing ist. Die Analyse von mehr als 6.200 Behandlungszyklen in Kanada zeigt: Mit zunehmendem Alter sinken die Zahl der gewonnenen Eizellen, deren Überlebensrate nach dem Auftauen sowie die Befruchtungsrate.
„Diese Daten bestätigen eindrucksvoll, was wir in der täglichen Praxis sehen: Nicht das Alter beim späteren Kinderwunsch entscheidet über die Erfolgsaussichten, sondern das Alter der Frau, wenn die Eizellen eingefroren werden. Je früher die Eizellen gewonnen werden, desto besser sind ihre biologischen Voraussetzungen“, sagt Priv.-Doz. DDr. Michael Feichtinger, Leiter vom Wunschbaby Institut Feichtinger.
Bereits ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Qualität der Eizellen langsam ab, ab etwa dem 35. Lebensjahr beschleunigt sich dieser Prozess deutlich. Moderne Reproduktionsmedizin kann diese altersbedingten Veränderungen nicht rückgängig machen.
„Social Freezing ist keine Garantie für eine spätere Schwangerschaft. Es ist aber eine Möglichkeit, Eizellen in einem biologisch günstigeren Zustand zu konservieren. Deshalb empfehlen wir Frauen, sich frühzeitig beraten zu lassen, idealerweise zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr. Entscheidend ist, dass Frauen ihre Möglichkeiten kennen, bevor die biologische Uhr den Handlungsspielraum einschränkt“, so Feichtinger.
Die auf dem ESHRE-Kongress vorgestellten Daten zeigen erstmals in einer großen nationalen Kohorte, dass ab einem Alter von 40 Jahren auch die Überlebensrate der Eizellen nach dem Auftauen deutlich zurückgeht.
„Diese Erkenntnis ist für die Beratung besonders wichtig. Wer das Einfrieren bis Anfang oder Mitte 40 aufschiebt, muss nicht nur mit weniger Eizellen rechnen, sondern auch damit, dass nach dem Auftauen weniger Eizellen zur Verfügung stehen. Das sollte Teil jeder ehrlichen Aufklärung sein“
Nach den Erfahrungen des Kinderwunschexperten entscheiden sich die meisten Frauen nicht aus Karrieregründen für Social Freezing. „Die häufigste Motivation ist, dass sich viele Frauen zwar Kinder wünschen, derzeit aber keinen passenden Partner haben. Social Freezing kann in dieser Situation Zeit verschaffen – nicht unbegrenzt, aber oft genau jene Zeit, die Frauen für ihre persönliche Lebensplanung benötigen“, so Feichtinger.
Feichtinger spricht sich zudem gegen ein gesetzlich festgelegtes Höchstalter für das Einfrieren von Eizellen aus.
„Aus medizinischer Sicht empfehlen wir eine möglichst frühe Beratung und, wenn sich eine Frau dafür entscheidet, auch ein möglichst frühes Einfrieren der Eizellen. Das bedeutet aber nicht, dass wir gesetzliche Altersgrenzen befürworten. Jede Frau hat eine individuelle Lebenssituation und sollte gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt selbstbestimmt entscheiden können, ob Social Freezing für sie sinnvoll ist. Gute Aufklärung ist der bessere Weg als starre gesetzliche Vorgaben.“
Für Feichtinger steht deshalb die Information der Frauen im Mittelpunkt und betont abschließend: „Ziel ist es nicht, Frauen zu einer bestimmten Entscheidung zu bewegen. Ziel ist, dass jede Frau ihre biologische Fruchtbarkeit kennt und alle Möglichkeiten versteht“.
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Mag. Julia Ecker
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