
teilhaben teilsein: Kristina Sprenger und Cornelius Obonya im Gespräch über die Beteiligung junger Menschen
Einblicke in die Veränderung von Beteiligungsmöglichkeiten und die Bedeutung politischer Bildung
Das Parlament rückt mit seinem Jahresschwerpunkt „teilhaben teilsein“ die demokratische Beteiligung von jungen Menschen in den Mittelpunkt. Wie aber haben sich diese Beteiligungsmöglichkeiten im Laufe der Zeit für diese Bevölkerungsgruppe entwickelt und in welche Richtung sollten oder könnten sie sich weiter verändern? Die Parlamentskorrespondenz hat dazu mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gesprochen. Die Schauspielerin und Intendantin der Sommerfestspiele im niederösterreichischen Berndorf, Kristina Sprenger, und Kammerschauspieler Cornelius Obonya geben Einblicke zu ihren Erfahrungen und ihrer Sicht. So zeigen sie, wie sie Beteiligung junger Menschen im Laufe ihres Lebens erlebt haben und welchen Stellenwert sie dieser gesamtgesellschaftlich einräumen. Einig sind sich die beiden, dass es einen Bedarf an mehr politischer Bildung gibt.
In einer weiteren Parlamentskorrespondenz werden kommende Woche junge prominente Personen zu Wort kommen. So werden der Sänger Cosmó, die Influencerin Hanna Niedrist und die Vorsitzenden der Bundesjugendvertretung erzählen, was ihnen Teilhabe bedeutet, wie sie sich engagieren, welche Rahmenbedingungen sie notwendig finden und wie sie sich Beteiligung in 50 Jahren vorstellen.
DEMOKRATIE ENTSTEHT AM FRÜHSTÜCKSTISCH
Kristina Sprenger wurde die Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen quasi in die Wiege gelegt. So war es in ihrer Familie üblich, die aktuellen politischen Themen am Frühstückstisch offen und intensiv zu besprechen und zu diskutieren. Hier sei, wie auch gesamtgesellschaftlich, eine Diskussionskultur notwendig, bei der auf die Argumente der anderen eingegangen, ihnen zugehört und auch versucht wird, die Perspektive zu wechseln, um Dinge dann auch anders zu sehen, sagt Sprenger. Diesen Zugang versucht sie auch an ihre Tochter weiterzugeben, bei der dadurch sehr früh das politische Interesse geweckt wurde. Die 15-Jährige engagiert sich mittlerweile selbst gesellschaftlich. Selbst ist sie parteipolitisch nicht aktiv, betont Sprenger. Ihr sei es aber wichtig, zu gesellschaftspolitisch und sozial relevanten Themen Stellung zu beziehen und Haltung zu zeigen.
DESINFORMATION ZUNEHMENDES PROBLEM
„Die politische Gemeinschaft, in der wir leben, bedeutet mir viel“, sagt Cornelius Obonya. Dementsprechend sei für ihn Beteiligung mit tatsächlicher Teilhabe am demokratischen Geschehen gleichzusetzen. Wenn Obonya in seine Kindheit und Jugend zurückblickt, dann hatte er bis auf die Wahlgänge wenige prägende Wahrnehmungen zu Beteiligungsmöglichkeiten zu dieser Zeit. Der staatliche Rundfunk habe die Informationslandschaft dominiert, erst später seien Privatmedien hinzugekommen. Parallel habe sich in seiner Wahrnehmung auch die Desinformation der Menschen zunehmend entwickelt, sagt er. Das habe sich bis heute nicht geändert. In seiner politischen Sozialisation prägten ihn die 1980er-Jahre mit der damaligen Waldheim-Affäre und dem politischen Aufstieg von Jörg Haider, führt Obonya aus. Antisemitismus sei in dieser Zeit wieder verstärkt aufgekommen und dies habe bis heute angehalten. Das einzige Positive daran sei gewesen, dass das „Leugnen des Vergangenen“ in der bisherigen Form plötzlich nicht mehr möglich gewesen sei.
BETEILIGUNG VERÄNDERTE SICH ÜBER DIE JAHRE
Die Beteiligungsmöglichkeiten hätten sich in den vergangenen Jahren hauptsächlich über beziehungsweise durch das Internet geändert, findet Obonya. Die Abstimmung per „Mausklick“ sei zwar eine technische Möglichkeit, für ihn aber nicht unbedingt wünschenswert. Demokratie solle und müsse auch „Mühe machen“, sagt er. Das Internet habe in gewisser Weise auch zu einer Verschlechterung geführt. So sei durch diese neue Möglichkeit der Meinungsäußerung auch eine gewisse verstärkte „Anstandslosigkeit“ feststellbar, meint Obonya mit Verweis auf Phänomene wie Hasskommentare.
Junge Menschen würden heute ihre Informationen de facto nur mehr aus dem Netz beziehen, pflichtet Kristina Sprenger bei. Das sei früher anders gewesen, auch sei die Gesellschaft, wie auch die Parteienlandschaft weniger vielfältig gewesen. Was sich aber nicht verändert habe, sei, dass man die Menschen in ihren Lebensrealitäten und dementsprechend in ihren Kanälen erreichen müsse. Es sei wichtig, dass sie wählen gehen und sich für gesellschaftliche Zusammenhänge und ihre Umwelt interessieren. Dementsprechend „verwunderlich“ findet Sprenger, dass die Wahlbeteiligung sich im Langzeitvergleich negativ entwickelt. Das sei für die Demokratie ein ganz trauriges Signal, dem man begegnen müsse. Generell findet sie es wichtig, dass Demokratie gelebt wird und dass man versucht, sich für die aktuellen Themen und die damit verbundenen weltpolitische Zusammenhänge zu interessieren, sagt die Schauspielerin. Sie fordert, dass Eltern wie auch die Gesellschaft den jungen Menschen das mitgeben und vermitteln müssten.
BLICK IN DIE ZUKUNFT: MEHR POLITISCHE BILDUNG WÄRE WICHTIG
Beteiligung setze ein gewisses Maß an Wissen und Kenntnis voraus, ist Obonya überzeugt. Bevor die direkte Demokratie ausgebaut werden soll, wie es vielfach gefordert werde, brauche es mehr politische Bildung, findet der Schauspieler. So könnte die demokratiepolitische Bildung etwa über ein Schulpflichtfach ausgebaut werden. Dem kann Kristina Sprenger einiges abgewinnen. Es wäre wichtig, Teilhabe über politische Bildung in der Schule zu vermitteln, sagt auch sie. Dabei dürfe man aber die Eltern nicht aus der Pflicht nehmen. Teilhabe beginne schon im Elternhaus, wenn man sich gemeinsam mit Dingen beschäftige und „ein bisschen“ über den Tellerrand blicke. (Schluss) pst
HINWEIS: Unter dem Titel „teilhaben teilsein“ rückt das Parlament die gesellschaftspolitische Teilhabe von jungen Menschen in den Mittelpunkt. Mehr Informationen zum Jahresschwerpunkt 2026 finden Sie unter www.parlament.gv.at/jahresschwerpunkt
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