
Pollensaison in Niederösterreich dauert mittlerweile bis zu 300 Tage
LR Prischl: Allergien sind längst kein reines Frühjahrsthema mehr
Seit 1984 werden in Niederösterreich regelmäßig Pollenmessungen durchgeführt. Die gewonnenen Daten sind eine wesentliche Grundlage für Menschen mit Pollenallergien sowie für Diagnostik, Behandlung und Forschung. „Das Land Niederösterreich verfügt mit den vier Messstationen in St. Pölten, Stockerau, Allentsteig und Lunz am See über eine hervorragend ausgebaute Pollenmessung, die durch punktuelle Messungen an ausgewählten Standorten ergänzt wird“, betont Gesundheitslandesrätin Eva Prischl.
„Ohne regionale Pollenmessungen blieben viele klimabedingte Veränderungen im Pollenflug sowie die Auswirkungen neuer Pflanzenarten weitgehend unentdeckt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind sowohl für die Bevölkerung als auch für das Gesundheitswesen von großem Wert. Je genauer bekannt ist, welcher Pollen wann und wo in welcher Konzentration auftritt, desto besser können sich Menschen mit Allergien schützen. Gleichzeitig erhalten Ärztinnen und Ärzte eine fundierte Grundlage für eine zielgerichtete Diagnose und die passende Behandlung“, hält Prischl fest.
Ein Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels auf den Pollenflug ist die zunehmende Ausbreitung des Einjährigen Beifußes im Osten Österreichs. Während der heimische Beifuß seinen Belastungshöhepunkt Mitte August erreicht, sorgt die aus Asien stammende Beifußart Artemisia annua etwa einen Monat später für eine zweite Phase erhöhter Pollenbelastung. „Aktuelle Messdaten belegen, dass die Pollensaison in Niederösterreich mittlerweile bereits im Dezember beginnt und sich bis weit in den Herbst erstreckt. Damit dauert sie inzwischen bis zu 300 Tage im Jahr“, so die Landesrätin.
Ein wichtiger Partner des Landes NÖ bei der Erfassung der Pollenbelastung ist der Österreichische Polleninformationsdienst (ÖPID) mit Sitz in Stockerau. „Eine moderne Pollenprognose basiert heute längst nicht mehr ausschließlich auf Pollenzählungen. Zusätzlich fließen Wetterdaten, Luftschadstoffbelastungen sowie Symptomdaten von Betroffenen in die Vorhersagemodelle ein. Niederösterreich ist das erste Bundesland, in dem diese Symptomdaten auch KI-gestützt ausgewertet werden“, erläutert Markus Berger, Leiter des Österreichischen Polleninformationsdienstes.
Die erhobenen Pollenmessdaten seien, so der Medizinier, nicht nur für die Belastungsvorhersage von großer Bedeutung, sondern auch für die wissenschaftliche Forschung: „Gemeinsam mit internationalen Partnern untersucht der Österreichische Polleninformationsdienst derzeit im Rahmen von INTERREG-Projekten wie PollenCare, wie Städte und Gemeinden ihre Grünräume allergikerfreundlich gestalten können. Darüber hinaus wurde heuer eine Kooperation mit den Allergieambulatorien Niederösterreich gestartet. Künftig sollen Patientendaten mit den Pollenmessungen verknüpft werden, um Veränderungen bei allergischen Sensibilisierungen im Land besser nachvollziehen zu können.“
„Pollenallergien sind eine der häufigsten chronischen Erkrankungen und stellen aus Sicht der öffentlichen Gesundheit eine zunehmende Herausforderung dar. Gerade nach der intensiven Gräserpollensaison beginnt derzeit mit der Blüte des Beifußes für viele Betroffene eine weitere belastende Phase. Umso wichtiger sind eine kontinuierliche Pollenüberwachung, verlässliche Informationen und eine frühzeitige medizinische Abklärung. Mit gezielter Prävention und einer rechtzeitigen Behandlung können Beschwerden deutlich reduziert und Folgeerkrankungen wie allergisches Asthma häufig verhindert werden“, erklärt die NÖ Sanitätsdirektorin Regina Klenk abschließend.
Aktuelle Polleninformationen sind unter www.polleninformation.at abrufbar. Zusätzlich informieren die Pollen+ App, der Ragweed-Finder (App und auf www.ragweedfinder.at), der Pollenwarner auf Telegram und Signal, der Newsletter sowie die Social-Media-Kanäle des ÖPID regelmäßig über die aktuelle Belastungssituation.
Weitere Informationen im Büro LR Eva Prischl unter 02742/9005-12576, Pressesprecher Anton Heinzl, E-Mail anton.heinzl@noel.gv.at.
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