Volkshilfe fordert: Ganztägig gemeinsam lernen statt Bildungschancen vererben

Pünktlich zum Schulstart: PISA-Ergebnisse und IHS-Langzeitstudie zeigen hohe Bildungsungleichheit in Österreich auf

„Das Bildungssystem von heute schafft immer noch die soziale Ungleichheit von morgen. Ob ein Kind später studiert oder welchen Bildungsabschluss es erreicht, darf nicht davon abhängen, welchen Abschluss die Eltern haben oder wie viel Geld und Zeit sie zur Verfügung haben, mit ihren Kindern zu üben oder Lernhilfe zuzukaufen“, sagt Ewald Sacher, Präsident der Volkshilfe Österreich, zu aktuellen Ergebnissen der PISA- und einer IHS-Langzeitstudie.

Die PISA-Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass Bildungserfolg in Österreich stark von der sozialen Herkunft der Schüler*innen abhängt. Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus schneiden in allen Fächern wesentlich besser ab als Kinder aus Familien mit niedrigem sozialem Status, insbesondere in den Naturwissenschaften: hier liegt der Unterschied deutlich über dem OECD sowie dem EU-Schnitt. Als mögliche Erklärung für diese große Differenz werden die unterschiedlichen Unterstützungsmöglichkeiten für die Kinder durch ihre Familien genannt.

Dass die soziale Herkunft sich schlussendlich auch auf den Bildungsabschluss auswirkt, zeigt die umfassende IHS-Studie. Während 59 Prozent der Kinder von Eltern mit Hochschulabschluss eine Universität oder Fachhochschule besuchen, sind es bei Kindern von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss nur elf Prozent. “Einmal mehr zeigt sich, wie stark Bildungschancen in Österreich vom Elternhaus abhängen” kritisiert Sacher. Diese Bildungssegregation findet laut Studienautor*innen vor allem beim Übergang von der Volksschule in die erste Sekundarstufe statt.

Die Volkshilfe fordert daher eine ganztägige gemeinsame Schule für alle Kinder von sechs bis 14 Jahren. Damit soll die frühe Aufteilung der Kinder in unterschiedliche Schulformen nach der vierten Klasse entfallen. Lernen, Üben und Hausaufgaben finden während des Schultags statt, sodass schulischer Erfolg weniger von der Unterstützung durch die Eltern abhängt. „Der Bildungserfolg eines Kindes darf nicht von den finanziellen, zeitlichen oder kulturellen Ressourcen der Eltern abhängen. Sonst kommt eine Negativspirale in Gang: Niedrige Bildungsabschlüsse wirken sich negativ auf das spätere Einkommen aus, erhöhen das Risiko von Arbeitslosigkeit und damit auch das Armutsrisiko“, betont Sacher. Die Volkshilfe fordert daher neben der Bildungsreform eine Kindergrundsicherung, die finanzielle Sicherheit schafft und gleichzeitig die kindspezifische Infrastruktur ausbaut, beispielsweise durch ein kostenloses, gesundes Mittagessen in der Schule.

Volkshilfe Österreich
Ulrike Schöflinger
Telefon: 067683402247
E-Mail: ulrike.schoeflinger@volkshilfe.at
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