
83 Prozent arbeiten trotz mentaler Erschöpfung weiter
Neue Mavie Stress-Studie: Fast 70 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer:innen sind häufig gestresst – mit Folgen für die Wirtschaft
INSOLVENZEN, PERSONALABBAU, GEOPOLITISCHE KRISEN UND ZUNEHMENDE VERÄNDERUNGEN DURCH KI: DIE ARBEITSWELT STEHT UNTER DRUCK – UND MIT IHR DIE MENSCHEN, DIE DARIN ARBEITEN. FAST 70 PROZENT DER ÖSTERREICHISCHEN ARBEITNEHMENDEN GEBEN AN, OFT ODER SEHR OFT GESTRESST ZU SEIN. BEI 40 PROZENT HAT SICH DAS STRESSNIVEAU IN DEN VERGANGENEN EIN BIS ZWEI JAHREN LAUT EIGENEN ANGABEN SOGAR ERHÖHT. WIE SEHR SICH DIESE BELASTUNG BEREITS AUF DEN ARBEITSALLTAG AUSWIRKT, ZEIGT EINE BESONDERS DEUTLICHE ZAHL: 83 PROZENT GEHEN TROTZ MENTALER ERSCHÖPFUNG WEITER ZUR ARBEIT. WAS NACH DURCHHALTEVERMÖGEN KLINGT, KANN FÜR UNTERNEHMEN ZUM VERSTECKTEN KOSTENFAKTOR WERDEN – WENN MITARBEITENDE ZWAR ANWESEND, ABER NICHT MEHR VOLL LEISTUNGSFÄHIG SIND. DIE VOM GANZHEITLICHEN GESUNDHEITSANBIETER MAVIE DURCHGEFÜHRTE STRESS-STUDIE ZEIGT, WIE HOCH DAS STRESSNIVEAU IN ÖSTERREICHS ARBEITSWELT IST UND WELCHE FAKTOREN DAZU BEITRAGEN. SIE UNTERSUCHT ZUDEM, WIE SICH STRESS AUF LEISTUNGSFÄHIGKEIT, TEAMS UND UNTERNEHMEN AUSWIRKT.
„Stress am Arbeitsplatz ist längst kein individuelles Problem mehr, sondern eine wirtschaftliche Herausforderung. Wenn Menschen trotz Erschöpfung weiterarbeiten, bleibt die Belastung oft unsichtbar – die Folgen für Leistungsfähigkeit, Motivation und Unternehmenserfolg sind es nicht. Unternehmen können es sich daher nicht leisten, beim Thema Stress erst dann zu handeln, wenn Mitarbeitende bereits ausfallen“, sagt Christoph Schnedlitz, Geschäftsführer von Mavie Work. „Die diesjährige Mavie Stress-Studie macht sichtbar, wodurch die Belastungen im Arbeitsalltag entstehen und wie ernst die Situation tatsächlich ist. Der entscheidende Punkt ist: Stress darf nicht erst dann zum Thema werden, wenn er krank macht. Wer nachhaltig etwas verändern will, muss früher ansetzen – bei den Ursachen, der Unternehmenskultur und mit präventiver Unterstützung für Mitarbeitende und Führungskräfte. Gesundheitsförderung wird damit zur strategischen Aufgabe und zur Investition in die Leistungsfähigkeit und Zukunft des gesamten Unternehmens.“
TROTZ ERSCHÖPFUNG IM JOB: FINANZIELLER DRUCK ALS HAUPTGRUND
Stress gehört für einen Großteil der österreichischen Arbeitnehmer:innen bereits zum Arbeitsalltag. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 73 Prozent der Frauen und 61 Prozent der Männer geben an, oft oder sehr oft gestresst zu sein. Für viele Beschäftigte geht die Belastung bis an die mentale Grenze: Knapp ein Viertel (24 Prozent) der Frauen und fast jeder fünfte Mann (18 Prozent) haben im vergangenen Jahr mehrere solcher Phasen erlebt. Dennoch gehen 83 Prozent auch in diesen Phasen weiter zur Arbeit. Der wichtigste Grund dafür ist finanzieller Druck (39 %). Ein Drittel (33 %) will keine Schwäche zeigen, während ähnlich viele (32 %) ein schlechtes Gewissen gegenüber Kolleg:innen oder Vorgesetzten haben, wenn sie zu Hause bleiben. Damit wird ein Problem sichtbar, das Unternehmen häufig nur schwer erfassen können: Obwohl die Gesundheit und Leistungsfähigkeit bereits leiden, kommen Mitarbeitende häufig trotzdem zur Arbeit. Eine internationale Untersuchung beziffert diese Form des sogenannten Präsentismus mit durchschnittlich 57,5 Tagen pro Jahr, an denen Beschäftigte zwar anwesend, aber nicht voll leistungsfähig sind.
WENN DIE FÜHRUNGSKRAFT GESTRESST IST, LEIDET DAS GANZE TEAM
Nicht nur der eigene Stress wirkt sich auf die Arbeitsleistung aus. Auch der Umgang von Führungskräften mit Belastung hat unmittelbare Folgen für Teams. Mehr als die Hälfte (56 %) der österreichischen Arbeitnehmer:innen erlebt die eigene Führungskraft oft oder sehr oft sichtbar gestresst. Für 32 Prozent wirkt sich dieser Stress negativ auf die Motivation bei der Arbeit aus. 28 Prozent vermeiden es, bei einer gestressten Führungskraft Themen anzusprechen oder Feedback zu geben, und bei knapp einem Fünftel (19 %) leiden Konzentration und Arbeitsqualität. Besonders relevant für Unternehmen: Jede fünfte Person (20 Prozent) denkt aufgrund des sichtbaren Stresses der eigenen Führungskraft öfter darüber nach, den Job zu wechseln. „Starker Druck kann das Verhalten von Führungskräften deutlich verändern. Persönliche Stärken können bei Stress überstrapaziert werden und sich dadurch zu Risiken für die eigene Leistungsfähigkeit oder das Team entwickeln. Aus Selbstvertrauen kann Arroganz werden, aus Entscheidungsfreude Kontrollzwang und aus Sorgfalt lähmender Perfektionismus“, sagt Michaela Hack, psychosoziale Beraterin bei Mavie. „Unternehmen sollten deshalb nicht erst reagieren, wenn Teams bereits unter der Situation leiden. Entscheidend ist, Führungskräfte frühzeitig zu unterstützen und bereits bei der Auswahl auf die notwendigen Kompetenzen und den Umgang mit Belastung zu achten – etwa mithilfe fundierter Persönlichkeitstests wie HOGAN Assessments, die sichtbar machen, wie individuelle Stärken in stressigen Zeiten kippen können“, so Schnedlitz.
MENTALE GESUNDHEIT: IM JOB WIRD LIEBER GESCHWIEGEN
Psychische Gesundheit ist am Arbeitsplatz noch immer ein Tabuthema: Drei Viertel (75 %) sprechen im Job nicht darüber. 42 Prozent befürchten negative Konsequenzen, zwei Drittel (66 %) wollen sich nicht angreifbar machen. Nur 30 Prozent der Befragten würden mit ihrer Führungskraft über Belastungen am Arbeitsplatz sprechen. Das Vertrauen in die eigene Führungskraft liegt damit nur knapp über jenem in künstliche Intelligenz: 27 Prozent würden sich bei arbeitsbedingtem Stress einer KI anvertrauen. Wenn Druck und psychische Belastungen auftreten, greifen Betroffene zunächst auf eigene Strategien und die Unterstützung anderer zurück. Bei Stress suchen 82 Prozent der Befragten Rat bei Menschen aus ihrem privaten Umfeld, 41 Prozent bei Kolleg:innen. Bei der Frage nach professioneller Unterstützung zeigt sich hingegen: Diese wird deutlich seltener in Anspruch genommen. Nur 14 Prozent derjenigen, die unter Stress leiden, wenden sich an Expert:innen. „Dass professionelle Beratung so selten in Anspruch genommen wird, kann verschiedene Gründe haben. Fehlender Zugang, Kosten und Zeit sind mögliche Hürden – ebenso wie die persönliche Barriere, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht“, sagt Hack. „Umso wichtiger sind Angebote, die niedrigschwellig und vertraulich zugänglich sind und den ersten Schritt erleichtern.“ Gleichzeitig zeigt die Mavie Stress Studie, welchen Stellenwert das Thema für Arbeitnehmer:innen hat: Mehr als die Hälfte (54 %) sieht Angebote im Bereich mentaler Gesundheit als wichtiges Kriterium bei der Jobsuche.
DER ARBEITSPLATZ IST STRESSFAKTOR NUMMER EINS
Rund 15 Milliarden Euro kosten psychische Erkrankungen Österreich jährlich. Welche Rolle Stress dabei im Arbeitsleben spielt, zeigt ein Blick auf die größten Stressfaktoren der Bevölkerung: Für 37 Prozent ist die Arbeit der größte Stressfaktor, für weitere 23 Prozent liegt sie auf Platz zwei. Daneben belasten insbesondere finanzielle Sorgen und familiäre Themen. Die Ergebnisse zeigen damit deutlich: Stress ist nicht nur ein individuelles Gesundheitsproblem. Er ist ein Faktor, der Leistungsfähigkeit, Mitarbeiterbindung und damit auch die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beeinflusst. Für diese wird es damit zunehmend relevant, Belastungen frühzeitig zu erkennen und wirksame Maßnahmen zu setzen. „Stress ist für viele Menschen längst zur Normalität geworden: Fast 70 Prozent der Österreicher:innen fühlen sich häufig oder sehr häufig gestresst. Gleichzeitig dürfen wir uns nicht damit abfinden, dass Stress zum selbstverständlichen Teil des Alltags wird. Für Mavie bedeutet Gesundheitsförderung deshalb mehr, als erst dann zu handeln, wenn bereits Beschwerden entstehen. Wir wollen Menschen dabei unterstützen, ihre Gesundheit ganzheitlich und langfristig zu stärken – im Alltag, am Arbeitsplatz und in jeder Lebensphase. Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der Gesundheit nicht erst dann wichtig wird, wenn sie fehlt, sondern in der wir die Voraussetzungen dafür schaffen, gesund zu leben und zu arbeiten “, so Lukas Mayrl, Geschäftsführer von Mavie.
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