Berufliches Können wird zum Pop-Event: Wie Shanghai WorldSkills 2026 inszeniert

Ein Superstar singt den offiziellen Song zur Weltmeisterschaft der Berufe – mit Themenzügen und Paraden inszeniert Shanghai berufliches Können als Teil von Chinas Kultur.

Der Stellenwert von WorldSkills für Shanghai zeigt sich am besten auf den chinesischen Streaming-Plattformen: Dort singt Xiao Zhan, einer der bekanntesten Schauspieler und Popkünstler des Landes, den offiziellen WorldSkills-Song „Shine from Here“.

Dass ein Idol mit Millionenpublikum für die Weltmeisterschaft der Berufe wirbt, ist kein Zufall. Die WorldSkills-Aktivitäten erzielten laut Shanghais Behörden bereits mehr als 700 Millionen Online-Aufrufe. Während berufliche Bildung in Europa häufig um Aufmerksamkeit kämpfen muss, erhält sie in Shanghai einen eigenen Soundtrack und Mega-Star-Support.

Neben Xiao Zhan wirbt auch Li Ziqi für WorldSkills: Die Videokünstlerin wurde mit aufwändig inszenierten Darstellungen traditioneller chinesischer Handwerke, ländlicher Arbeit und Lebensmittelherstellung international bekannt. Beide verkörpern, worum es Shanghai bei dieser Veranstaltung geht: Können soll nicht nur nützlich sein, sondern sichtbar, erzählbar und bewundernswert werden.

Diese Präsenz ist kaum zu übersehen: Zwei vollständig gestaltete WorldSkills-Züge verkehren auf der Metrolinie 2, jener Verkehrsader, die den Flughafen Hongqiao mit der Innenstadt und dem Wettkampfgelände verbindet. In den Waggons treffen die Bildzeichen der 64 Wettbewerbsberufe auf Werkzeugmotive und Informationen über die Weltmeisterschaft.

SHANGHAI IM WORLDSKILLS-FIEBER

Dazu kommen 154 hinterleuchtete Werbeflächen an mehr als 70 Stationen – vom People’s Square über die Stadtviertel Xintiandi und Xujiahui bis zu den beiden internationalen Flughäfen. Auch die Station beim National Exhibition and Convention Center (NECC) wird für die Veranstaltung umgestaltet. Die Botschaft lautet: Die Weltmeisterschaft mag zwar auf dem Messegelände stattfinden, ihr Austragungsort soll aber die ganze Stadt sein.

Besonders deutlich wird das beim 37. Shanghai Tourism Festival, das im September mehr als 170 Veranstaltungen umfasst. Am 12. September zogen vor der historischen Häuserfront des Bund, der berühmten Uferpromenade, 21 Themenwagen und 21 Formationen aus China und zwölf weiteren Ländern vorbei. Ein Wagen war WorldSkills gewidmet – ehemalige Weltmeister, Fachkräfte und die beiden Maskottchen des Wettbewerbs fuhren mit.

Das Festival versteht sich als bewegliche Visitenkarte der Stadt. Sein offizieller Dreiklang lautet: „schöne Stadt, innovative Stadt, Stadt der Menschen“. Darin steckt die bevorzugte Selbstbeschreibung Shanghais: ein wenig Tradition, sehr viel Zukunft und dazwischen eine Organisation, die selbst der Begeisterung einen Fahrplan gibt.

„CHINA-SPEED“

Christian Fuchssteiner kennt diese Stadt aus unmittelbarer Nähe. Der gebürtige Wieselburger ist seit vier Jahren WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in Shanghai. Zuvor führte er sieben Jahre lang das AußenwirtschaftsCenter in Taipeh; nach beruflichen Stationen in Kroatien, Hongkong, Südchina und Russland absolvierte er dort ein Chinesisch-Sprachstudium.

„In der First-Tier-City Shanghai erlebt man das neue China: hochdigitalisiert und innovativ, trendbewusst und in einem rasanten Wandel begriffen“, sagt Fuchssteiner. Dennoch sei es ein China der zwei Geschwindigkeiten: „Das Land der humanoiden Roboter, grünen Technologien und Innovationen in der Biotech-Forschung verfügt über eindrucksvolle Wachstumsfelder am Schnittpunkt einer neuen technologischen Revolution. Zugleich werden traditionelle Industrien und weite Teile der eigenen Bevölkerung von dieser rasanten Dynamik abgehängt.“

Europa neige dazu, China abhängig vom jeweiligen Blickwinkel entweder extrem positiv oder negativ zu sehen. „Dabei lohnt sich ein differenzierterer Blick auf ein unglaublich vielfältiges, interessantes, aber auch sehr widersprüchliches Land“, betont Fuchssteiner. Unterschätzt werde vor allem der „atemberaubende China-Speed“ – die Geschwindigkeit, mit der Ideen angepasst, Entscheidungen umgesetzt und neue Entwicklungen vorangetrieben würden.

EIN HUND UND 20 ARNAUTOVIC-TORE

Shanghai verfügt allerdings nicht nur über ein ausgeprägtes Talent für Geschwindigkeit, sondern auch für Regeln. In städtischen Gebieten darf pro Wohnadresse nur ein Hund registriert werden; Mieter benötigen dafür die Zustimmung ihres Vermieters. Bei der Hundehaltung kennt die Stadt also eine Obergrenze, beim Ehrgeiz nicht.

Rund 25 Millionen Menschen und ein U-Bahn-System mit unerreichten Maßstäben lassen europäische Großstädte überschaubar wirken. Ganz unbekannt ist Österreich hier dennoch nicht. Einer der prominentesten rot-weiß-roten Namen in Shanghai trug Fußballschuhe: 2019 wechselte Marko Arnautović für rund 25 Millionen Euro von West Ham United zu Shanghai SIPG, dem heutigen Shanghai Port FC. In 39 Pflichtspielen erzielte er 20 Tore, ehe er 2021 nach Europa zurückkehrte.

Nun reist wieder eine österreichische Auswahl nach Shanghai, diesmal allerdings mit Werkzeugkoffern statt Sporttaschen. Bei den 48. WorldSkills kämpfen rund 1.400 junge Fachkräfte aus 73 Ländern und Regionen in 64 Disziplinen um die Weltmeistertitel der Berufe. Österreich stellt mit 48 Teilnehmer:innen in 42 Wettbewerbsberufen das größte Team aus Europa.

Der Gastgeber selbst geht als Favorit an den Start, immerhin verfügt China über das größte Berufsbildungssystem der Welt und hat berufliche Bildung gesetzlich der allgemeinen akademischen Bildung gleichgestellt. Gesellschaftlich besteht diese Gleichwertigkeit allerdings nur bedingt, erklärt Fuchssteiner: „Die duale Ausbildung der DACH-Region und damit auch Österreichs wird in China in Fachkreisen bewundert und als höchst nachahmenswert gesehen. Die breite Einführung dieses Systems im eigenen Land scheitert jedoch an kulturellen Hürden; höhere akademische Bildungsabschlüsse werden in China ungleich höher eingeschätzt als handwerklich-technische Berufsabschlüsse.“

Anspruch und Realität klafften bei der Integration junger Menschen in das Berufsleben teilweise weit auseinander. „Gerade deshalb dürfte eine Veranstaltung wie WorldSkills für die chinesische Regierung von großer Bedeutung sein, um neue, positiv motivierende Narrative rund um die Fachkräfteausbildung und handwerkliche Berufe entstehen zu lassen“, sagt Fuchssteiner. Österreich besitzt dabei etwas, das international keineswegs selbstverständlich ist. „Unser duales Ausbildungssystem ist aufgrund seiner Praxisnähe, seiner institutionellen Verankerung und breiten Wertschätzung in der eigenen Bevölkerung tatsächlich einer der unschätzbaren Standortvorteile unseres Landes“, betont der Wirtschaftsdelegierte. Es sei „international unerreicht“.

36 GOLDMEDAILLEN

Der Austausch funktioniert dennoch in beide Richtungen. „Was unsere Fachkräfte von ihren chinesischen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern lernen können, sind der unbedingte Leistungswille, die Geschwindigkeit, der Ehrgeiz und der Fleiß, mit denen man im Reich der Mitte ans Werk geht“, sagt Fuchssteiner.

Wie ernst China den Wettbewerb nimmt, zeigte sich bereits bei WorldSkills 2024 in Lyon: Dort gewann das Land 36 Goldmedaillen und dominierte den internationalen Vergleich. Der Erfolg sei das Ergebnis von gezielter Vorbereitung sowie Teil einer umfassenderen Strategie, berufliche Spitzenleistungen für die technologische Entwicklung des Landes zu nutzen, erklärt Fuchssteiner. „Die Veranstaltung hat größte Bedeutung für die eigenen Entwicklungsziele und Entwicklungspotenziale Chinas“, sagt er. Man hoffe vor allem auf eine möglichst breite positive Wirkung, ähnlich wie bei Olympischen Spielen, und unterstütze WorldSkills vonseiten der öffentlichen Hand mit aller Kraft.

Das spürt man in der gesamten Stadt: Mehr als 120 WorldSkills-Produkte werden am Flughafen Pudong, an zehn Universitäten und in mehr als 300 Bankfilialen präsentiert. China Eastern hat ein eigenes WorldSkills-Flugzeug gestalten lassen, von der Außenhaut über die Kopfstützen bis zu den Gepäckfächern und Klapptischen. Aktionen in allen 16 Stadtbezirken bringen Tätigkeiten von Robotik und Drohnentechnik bis Floristik, Altenpflege und Patisserie unter die Bevölkerung. Der Eintritt zu den Wettbewerben ist kostenlos, setzt allerdings eine vorherige namentliche Registrierung voraus.

Die rund 300 Fans aus Österreich erwartet ein Großereignis, wie es nur wenige Länder umsetzen könnten, sagt Fuchssteiner: „Wenn eine Nation Großevents erfolgreich organisieren kann, dann ist das China. Freuen Sie sich auf perfekt organisierte Wettbewerbe in einer sicheren, wohlhabenden asiatischen Megacity mit einer der besten Skylines der Welt.“

In Österreich wird oft darüber diskutiert, wie sich die Wertschätzung für berufliche Bildung erhöhen lässt. Shanghai gibt darauf eine sehr chinesische Antwort: mit Themenzügen, einer Parade, einem Flugzeug – und einem Popsong, der bereits Hunderte Millionen Menschen erreicht hat. (PWK435/HSP)

FOTOS

*
FLIEGENDER BOTSCHAFTER: China Eastern hat ein Flugzeug gebrandet (hier zum Download, © China Eastern)

*
NECC: Das National Exhibition and Convention Center in Shanghai ist insgesamt 1,47 Millionen Quadratmeter groß, eine halbe Million davon entfallen auf Ausstellungsflächen (hier zum Download, © NECC)

*
MERCEDES BENZ-ARENA: 18.000 Zuseher finden in der imposanten Arena Platz, in der die Eröffnungs- und Schlussfeier stattfinden (hier zum Download, © WorldSkills 2026)

*
BILDER ZU SHANGHAI (© WorldSkills 2026)

Weitere Fotos finden Sie auf dem Flickr-Kanal von SkillsAustria (hier, © SkillsAustria) zur kostenlosen Verwendung.

FOLGEN SIE SKILLSAUSTRIA AUF SOCIAL MEDIA:

*
NEU: #NoLimits – der Podcast von SkillsAustria. Alles rund um berufliche Spitzenleistungen, außergewöhnliche Karrierewege und die Menschen hinter WorldSkills und EuroSkills. Neue Folgen jeden Freitag.

*
Webseite SkillsAustria

*
YouTube

*
Facebook

*
Instagram

*
LinkedIn

*
TikTok

SkillsAustria – Verein zur Förderung von Berufswettbewerben
Kommunikation & Medienbetreuung
Christoph Sammer
Telefon: +43 664 233 0908
E-Mail: christoph.sammer@skillsaustria.at

Wirtschaftskammer Österreich
Digital Media & Communication
Pressestelle
Telefon: T 0590 900 – 4462
E-Mail: dmc_pr@wko.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender