
Tore, Türme und Basteien. Die Wiener Stadtbefestigung – Themenschwerpunkt im Wien Geschichte Wiki
Das Wiener Stadt- und Landesarchiv präsentiert regelmäßig Themenschwerpunkte zu Aspekten der Wiener Stadtgeschichte. Diese werden im Wien Geschichte Wiki, der historischen Wissensplattform der Stadt Wien, aufbereitet und führen direkt zu den interessantesten Quellen.
BEFESTIGUNG DER STADT UND VORSTÄDTE
Bereits im Mittelalter war Wien mit einer Stadtmauer befestigt. Im Laufe der Frühen Neuzeit erfolgte der Ausbau zu einer Festungsmauer mit Basteien. Diese setzte sich aus verschiedenen Bauelementen zusammen, etwa den Toren, die den Zugang zur Stadt ermöglichten. Befestigt waren nicht nur die heutige Innenstadt, sondern auch die Vorstädte. Nach der Zerstörung der mittelalterlichen Vorstadtbefestigung im 16. Jahrhundert sollte der 1704 angelegte Linienwall die wachsende Stadt besser schützen.
Neben ihrer Funktion als Stadtgrenze dienten die beiden Stadtmauern auch als Maut- und Steuergrenze, an der sämtliche Waren eingeführt und ausgeführt wurden. Der Abbruch der Basteien und des Linienwalls in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ermöglichte die weitere Stadtentwicklung Wiens. Die anstelle der Befestigungen angelegten Verkehrsflächen – Ringstraße und Gürtel – prägen noch heute das Stadtbild.
ZIVILE NUTZUNG DER MAUERN UND DES GLACIS
Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts verloren die Basteien allmählich ihre militärische Bedeutung und die Mauern wurden vermehrt von den Wienerinnen und Wienern genutzt. Die auf den Festungsanlagen stehenden Unterkünfte für Soldaten und die Stadtguardia machten Platz für bürgerliche Wohnhäuser, die sogenannten Basteihäuser, sowie für prunkvolle Palais. Zu letzteren zählen zwei heute noch erhaltene Gebäude: das Albrechts- und das Coburgpalais. Auf den Basteien entstanden auch Kaffeehäuser und Gartenanlagen zum Lustwandeln. Ebenso erfuhren die Befestigungsanlagen gewerbliche Verwendung als Verkaufslokale sowie Lagerstätten.
Das Glacis, ursprünglich als Bauverbotszone zwischen den Basteien und den Vorstädten angelegt, verlor gegen Ende des 18. Jahrhunderts seinen militärischen Charakter und wurde als Erholungsort und Flaniermeile von der Wiener Bevölkerung wahrgenommen. Das Wasserglacis im Bereich des heutigen Stadtparks und des Schubertrings war mit seinen Gaststätten ein beliebter Treffpunkt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In der dort errichteten Trinkkuranstalt fanden rauschende Feste statt, bei denen Johann Strauss Vater und Sohn aufspielten. Straßennamen wie Heumarkt und Getreidemarkt erinnern noch heute an die Märkte, die sich auf dem Glacis angesiedelt hatten.
THEMENSCHWERPUNKT IM WIEN GESCHICHTE WIKI
Der Themenschwerpunkt spannt einen Bogen von den mittelalterlichen Anfängen der Stadtbefestigung bis zum Abbruch der Mauern im 19. Jahrhundert. Die Beiträge behandeln die Geschichte der Befestigung der Inneren Stadt und der Vorstädte, des Linienwalls, des Glacis und die Bebauung der Basteien sowie deren Nutzung durch die Wiener Bevölkerung im Alltag.
LINK ZUM THEMENSCHWERPUNKT
geschichtewiki.wien.gv.at/Stadtbefestigung
ORIGINALDOKUMENTE IM ARCHIVFOYER
Im Wiener Stadt- und Landesarchiv werden vom 30. September 2026 bis 26. Februar 2027 in vier Vitrinen relevante Originaldokumente zur Wiener Stadtbefestigung gezeigt.
VERANSTALTUNGEN ZUM THEMENSCHWERPUNKT
Allgemeine Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung zu den Veranstaltungen finden sich auf: wien.gv.at/bildung/wiener-stadt-landesarchiv-themenschwerpunkt-stadtbefestigung
THEMENABEND ZUR WIENER STADTBEFESTIGUNG
* Vorstellung des Themenschwerpunkts durch die Kuratoren Michael Adelsberger, MA MSc und Samuel Unterguggenberger, BA MA
* Vortrag „Die Wiener Stadtbefestigung: Zur Wahrnehmung und Nutzung einer städtischen Grenzzone“ von Dr.in Heike Krause, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern
* Zeit: 12. November 2026, 17 Uhr
* Ort: Wiener Stadt- und Landesarchiv, Wien 11., Guglgasse 14, Großer Vortragssaal
Der Themenabend behandelt nicht nur das umfangreiche Material im Wien Geschichte Wiki, das die Kuratoren für den Themenschwerpunkt aufbereitet haben, sondern auch in einem Fachvortrag die vielfältigen Nutzungsarten der Wiener Stadtbefestigung.
SONDERFÜHRUNG DURCH DIE KARTENSAMMLUNG DER ÖSTERREICHISCHEN NATIONALBIBLIOTHEK
* Sonderführung „Die Stadtbefestigung im Kartenbild“ von MMag. Nikolaus Schobesberger, MA, Direktor der Kartensammlung und des Globenmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek
* Termin: 20. Jänner 2027, 17 Uhr
* Ort: Lesesaal der Kartensammlung, Josefsplatz 1, linkes Seitentor, 3. Stock
In der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek finden sich herausragende Karten, Pläne und Ansichten zur Wiener Stadtbefestigung. Bei vielen davon handelt es sich um handgezeichnete Unikate (Manuskriptkarten), die teilweise direkt zur Vorlage für den Kaiserlichen Hof bestimmt waren. Die Sonderführung gibt einen Einblick in diese Zimelien der Kartensammlung.
Mag. Hannes Tauber, MA
Magistratsabteilung 8
Wiener Stadt- und Landesarchiv
Gasometer D, Guglgasse 14, 1110 Wien
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Tel.: (+43 1) 4000 84839
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