
Assistierte Telemedizin in der Apotheke hat viel Potenzial und großen Nutzen
Pilotprojekt zu neuem Dienstleistungsangebot zeigt Entlastung für Ambulanzen und Gesundheitssystem sowie Verbesserung der Patientensteuerung
Die assistierte Telemedizin in der Apotheke ist ein neues, zukunftsweisendes Dienstleistungsangebot mit vielfältigem Nutzen. Sie entlastet Ambulanzen, wirkt kostendämpfend für das Gesundheitssystem und leistet einen spürbaren Beitrag zur Patientensteuerung.
Die telemedizinische Videokonsultation in der Apotheke hilft dabei, medizinische Versorgungslücken in Randdienstzeiten zu schließen, wenn es im niedergelassenen Bereich für die Patientinnen und Patienten kaum ärztliche Angebote gibt. Das geht aus dem Pilotprojekt „Assistierte Telemedizin in der Apotheke“, durchgeführt von der Österreichischen Apothekerkammer in Kooperation mit UNIQA Health Services, Mavie Next und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU), hervor.
STUDIENERGEBNISSE ÜBERZEUGEN
Laut Studie waren 96 Prozent der versorgten Personen mit der telemedizinischen Konsultation in der Apotheke zufrieden. Alle Altersgruppen wurden erreicht. Die häufigsten Anliegen betrafen akute Beschwerden bei Atemwegserkrankungen, Bindehautentzündung, Migräne, Ausschläge, Schmerzen, Erkältungen, Magen-Darm-Erkrankungen sowie Weiterverordnungen und die Versorgung nach Spitalsentlassungen. Bei 94 Prozent der Patientinnen und Patienten kam es zu einer Verordnung bzw. Anpassung der Medikation per e-Rezept. 89 Prozent der Fälle konnten durch die telemedizinische Versorgung in der Apotheke abschließend gelöst werden.
Auch die Spitalsambulanzen profitieren von der Telemedizin in der Apotheke. Ohne Telemedizin-Angebot in der Apotheke wäre fast jede vierte Person (24 %) mit ihrem gesundheitlichen Anliegen in eine Spitalsambulanz gegangen. Mit Telemedizin sank dieser Anteil auf unter ein Prozent – das ist ein Rückgang um rund 97 Prozent.
Telemedizin in der Apotheke ist, so das Studienergebnis, pro Konsultation zwischen 20 und 70 Euro günstiger als andere Anlaufstellen – je nachdem, wie das Angebot genau umgesetzt und genutzt wird.
MURSCH-EDLMAYR: APOTHEKERSCHAFT FÜHRT KOSTENEFFIZIENZ UND BEHANDLUNGSQUALITÄT ZUSAMMEN
Für die Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer Ulrike Mursch-Edlmayr schließt das telemedizinische Angebot in den Apotheken eine immer größer werdende Versorgungslücke an Randdienstzeiten: „Niemand soll unversorgt die Apotheke verlassen. Dieses Pilotprojekt zeigt, dass Telemedizin in der Apotheke neun von zehn Gesundheitsproblemen mit medizinischem Bedarf abschließend lösen kann – bei höchster Patientenzufriedenheit. Das Projekt bestätigt eindrucksvoll, wie mit der Apothekerschaft Kosteneffizienz und Behandlungsqualität im Gesundheitssystem zusammenfinden können. Was in anderen Ländern längst gelebte Praxis ist, zeigt auch bei uns messbare Wirkung: Niederschwellige medizinische Versorgung funktioniert, wenn man sie den Menschen tatsächlich zugänglich macht. Jetzt ist es an der Politik und der Sozialversicherung, Verantwortung zu übernehmen. Diese Art der Versorgung muss allen Menschen in Österreich – gerade in den Randdienstzeiten, wenn die reguläre Versorgung an ihre Grenzen stößt – im Bedarfsfall zur Verfügung stehen. Wer hier weiter zögert, nimmt in Kauf, dass Patientinnen und Patienten weiterhin mangels Alternative den teuersten Versorgungsort unseres Systems aufsuchen – die Spitalsambulanz. Vor dem Hintergrund der aktuellen finanziellen Gesamtsituation des Systems ist das nicht hinnehmbar. Wir haben gezeigt, was möglich ist, jetzt müssen die Verantwortlichen nur noch den Mut haben, neue Wege zu beschreiten.“
HABERLANDER BEGRÜSST TELEMEDIZIN-ANGEBOT IN DER APOTHEKE
Als Pilot-Bundesländer setzten Wien und Oberösterreich das Telemedizin-Angebot in der Apotheke als erste um – mit positiver Bilanz auch auf politischer Seite. „Apotheken sind für viele Menschen eine vertraute und wichtige erste Anlaufstelle, wenn es um ihre Gesundheit geht. Sie sind nah bei den Menschen, bieten kompetente Beratung und begleiten sie oft über viele Jahre. Wenn wir diese Stärke mit den Möglichkeiten der Telemedizin verbinden, entstehen neue Wege für eine moderne, wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Das Pilotprojekt zeigt: Digitalisierung kann dann besonders viel bewirken, wenn sie den Menschen näher an die richtige Versorgung bringt – einfach, niederschwellig und dort, wo die Menschen leben“, betont Oberösterreichs Gesundheitslandesrätin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander.
BEISPIELE AUS DER PRAXIS ZEIGEN NOTWENDIGKEIT UND ERFOLG
Eine Telemedizin-anbietende Apotheke außerhalb der Ballungszentren könne ihre Stärken besonders gut ausspielen, betont Apothekerin Teresa Kriechbaumer aus Bad Zell in Oberösterreich. „Gerade für uns als Apotheke im ländlichen Raum hat sich gezeigt, wie wertvoll es ist, telemedizinische Betreuung direkt in der Apotheke anbieten zu können. Eine auffallend große Erleichterung sehen wir bei Personen, die zu Randdienstzeiten als Akutfälle in die Apotheke kommen. Zuletzt war es ein älterer Herr, bei dem im Zuge der telemedizinischen Konsultation eine akute Atemwegsentzündung diagnostiziert wurde.“
Apothekerin Caroline Frauendorfer aus Wien sieht den größten Mehrwert der Telemedizin in der Apotheke in der städtischen Akutversorgung: „Wenn am Freitagnachmittag ein akuter Hautausschlag auftritt, bedeutet das in der Großstadt oft stundenlanges Warten in einer überlasteten Spitalsambulanz. Mit der Telemedizin können wir das direkt in der Apotheke lösen. Der entscheidende Vorteil für die Patienten ist dabei die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker an einem Ort. Wenn medizinische Fragen sofort, gemeinsam und im gewohnten Umfeld geklärt werden, schafft das enormes Vertrauen. Das steigert die Therapietreue und den Heilungserfolg, während die Ambulanzen im selben Moment entlastet werden.“
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